Korrekturen, Pressebeiträge, Fotos fehlen noch.

„It’s nice to be important, but it’s more important to be nice“. Es gibt drei Dinge, die man sich nicht aussuchen kann: Wo man geboren wird, von wem und wann!

Nie war ich eine Nr. 1. Aber oft ein „Architekt“. Das paßt zu mir. Bestehen doch Möglichkeiten, etwas aufzubauen!

Seit 2014 bin ich Rentner. Daher erlaube ich mir einen Blick auf meine Entwicklung. // Freunde bedrängten mich Erinnerungen zu skizzieren, da mir zig „Persönlichkeiten“ begegnet sind, die meine Entwicklung forderten, förderten, prägten. Merkwürdigkeiten passierten. Glück wollte ich haben. Doch ich wußte, das geht nur mit Fleiß, Disziplin, Kreativität und Verantwortung. Besonderen Dank geht an meinen Mentor & Lebensfreund JCB. 2020: Es ist vorstellbar, das ich ihn in über 56 Jahren Weggefährtenschaft, am nächsten gekommen bin. Und umgekehrt!

Übersicht im Telegrammstil:

Evangelisch. Im katholischen Kindergarten. Einschulung. Klassensprecher in allen Klassen. // Gymnasium nicht möglich. Wegen Verkauf unserer Firma, wirtschaftliche Schwierigkeiten. Schulsprecher. // Lehre Maschinenbau, bei Bayer Wuppertal. Gewerkschaftsmitglied IG Chemie. Delegierter Jugendgruppe Wuppertal. Bester Lehrling. Auszeichnung: Lehrgang Hanseatische Yachtschule Glücksburg. Vorsitzender aller Lehrlinge Bayer Wuppertal. Bayer-Jahreskonferenzen in Leverkusen. Delegierter bei der IG Chemie für Lehrlinge. // Eingezogen für die Bundeswehr. Rückwirkend auf zwei Jahre verpflichtet (Z2). Stubenältester als Jüngster und Kleinster. Beschleunigung zum Erwachsenen. // Maschinenbau-Techniker-Studium. Sprecher der Studentenmitverwaltung. Angestellten-Anstellung in Maschinenfabrik. Erfinder und Leiter der Service- und Reklamationsabteilung. Ernennung zum Verkaufs-Ingenieur. NRW-Gebietsverkaufsleiter. Umsatzbeteiligung. Erste Eigentumswohnung in Düsseldorf, mit 27. (Kauf meiner Rolex. Damals was besonderes – auch für mich!). // Selbstständig als Kunsthändler mit 30. // Stellv. Vorsitzender, Pressesprecher „Freundeskreis Heinrich Heine“ Düsseldorf. // Januar 1999 Galeriepartnerschaft mit Theofilos Klonaris. Umzug Ende 1999 nach Palma de Mallorca mit 52Jahren. Mai 2004 Trennung von meinem Galerie-Partner. // Juni 2004, Frontalzusammenstoß auf Mallorca. Auto „tot“, ich lebe. Sinnkrise. Daher Ende als Galerist September 2004. // Start als selbständiger Kundenberater bei der Mallorca Zeitung/Diario de Mallorca. Start als selbständiger – „kleiner“ Kulturredakteur beim Inselradio Mallorca. Nach neun Jahren habe ich gekündigt bei der Mallorca Zeitung, als bester Neuvertragsverkäufer. // 2014 offizieller Umzug zu meinem Weggefährten, Lebensfreund JCB. Wir passen aufeinander auf. Im Mittelpunkt für beide, Kultur, Reisen&Freunde.

Einzelheiten:

Siegfried Blau, evangelisch, erzogen im katholischen Kindergarten in Wuppertal-Vohwinkel. // Grundschule. Der Weg dahin dauerte von unserem alten Fachwerkhaus 30-40Minuten. // Zur Einschulung wurde ich von meinen Eltern begleitet. Danach nie mehr. Doch meine schwarze Katze „Möhrchen“ ging bis zur Hauptstrasse immer mit. Dann kehrte sie um. „Hundeverhalten“! Im Winter hatte ich oft keine Strickmütze auf. Habe ich deswegen nie eine Mittelohrentzündung gehabt, wie andere Schüler? Nie eine Grippe? // Schlüsselerlebnis erstes Schuljahr, für meine junge Lehrerin Fräulein Hübel. Wir waren ihre erste Klasse nach ihrem Studium. Alle Schüler liebten sie und ihre Kleider. Hosen trug kaum eine Frau! Ist nicht auch ein Rock erotischer?! // Mal-Aufgabe, Schneewittchen mit den sieben Zwergen. Mit Haus und Garten. Fräulein Hübel beugt sich über mich und sagt: Das Bild ist fertig? Aber Siegfried, Du hast ja Schneewittchen vergessen zu malen! Ich: Ja bist Du den dumm? Die ist doch im Haus! // 40Jahre später erzählte sie mir bei einem Klassentreffen diese Geschichte. Wir lachen. Sie sagte, sie hätte sehr lange gebraucht um ihren Anfänger-Schock als Lehrerin damals zu überwinden. Sie zweifelte, ob der Beruf Lehrerin für sie richtig sei. Ihre Mutter sagte: Durchhalten. // Meine Eltern informiert sie damals: Siegfrieds Reaktionen und Fantasien sind manchmal überraschend. Sie sollten mich „laufen“ lassen. // So war es dann auch. // Starken Einfluß nahmen auf meine Entwicklung diese Kabarett-TV-Sendungen: Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Berliner Stachelschweine und das Köm(m)ödchen, Düsseldorf. (Später lernte ich die Inhaber Kay&Lore Lorentz als Kunden in Düsseldorf persönlich kennen). // Meine ganze Familie saß immer zusammen, um deren Produktionen zu genießen. Daraus entwickelte sich bei mir eine offen-kritische, schlagfertige Denk- und Redeweise, die für einige wie Verletzungen wirkte? Als Widder läuft man ja bekanntlich sowieso durch Wände! // Es folgte eine differenzierende Ausdrucksweise mit meinem wachsenden Wortschatz und zunehmender Reife.

Mein Geburtshaus in Norderfeld/Flensburg: Der Bauernhof von Tante & Onkel Carstensen. Zweinmal im Jahr war er Richter/Beisitzer am Bundesgericht in Karlsruhe. Mit drei Jahren Umzug nach Wuppertal-Vohwinkel. Heimatort meines Vaters. Auch während des 2.ten Weltkrieges ging es meiner Familie in Norderfeld nicht schlecht, wurde mir erzählt. Trotz sehr vieler Flüchtlinge, die mein Onkel aufnahm. Meine Erinnerungen: Ausritt mit meiner Mutter. Wir stürzten und – lachten. Auch sehe ich die Abfahrt zum Bahnhof, mit seinem schwarzen Nachkriegs-Mercedes. Heute wäre diese Kiste ein „Juwel“.
Meine sportlichen Eltern, Emmi&Otto. Zu der Zeit, als sie an mich dachten. An Nachwuchs.
…das Ergebnis!
Meine Mutter Emmi. Im 21 Jhdt. wieder ein IN-Name! Sie war die jüngste von drei Schwestern. Die mittlere, Trude, wurde eine unangenehme, bigotte Pfarrerin. Ihr sohn wurde auch Pfarrer. Ein verklemmter! Die älteste Schwester meiner Mutter, Minna, lebensfreudig, wurde Haushälterin bei Gustaf Gründgens in Berlin, meine verständnisvolle Lieblingstante. Leider wurde sie im Alter blind. Sie kam in ein Altenheim in Bremen. Und – immer hatte sie einen dicken Knüppel unter dem Bett. Falls die Nazis kommen, sagte sie.

Mein Vater Otto Blau war Mitinhaber einer mittelständischen Möbelfabrik in Wuppertal-Vohwinkel, Gruitenerstrasse. Sein Bruder war Mitinhaber und Schreinermeister. Mein Vater der Geschäftsführer als gelernter Kaufmann. Sie zerstritten sich. Besser, die leider kranke und dadurch schwergewichtige Ehefrau meines Onkels mit meiner Mutter Emmi. Sie war schrecklich eifersüchtig auf meine – ja, sehr schöne Mutter! Alles wurde verkauft an Firma Fudikar Möbel. // Mein Vater fing ganz unten wieder an – bei den Wuppertaler Bayer-Werken. Als Pförtner, in einer Nebenstelle in Wuppertal-Sonnborn. Nach 8 Monaten war er Leiter des gesamten Werkschutzes bei Bayer-Wuppertal. Dazu gehörte die Organisation der vielen Werkschutzmitarbeiter. Für 24-Stunden. Die Buchführung/Kontrolle der Gehälter. Einstellungen und Entlassungen. Das ganze Programm halt einer nicht unwichtigen Abteilung. // An sein großes Büro erinnere ich mich noch. Oft besuchte ich ihn. Bewunderte, wie er Zahlen „malte“. // Unvergessen auch sein jahrelanges Training mit mir, mit Zahlen und Kopfrechnen. // Bekannt war er für seine Charme-Auftritte. Das Entknoten von Problemen. Das hab ich wohl alles übernommen. Respekt, lieber Vater! // Und das alles ohne Führerschein. Gerne erzähle ich auch noch, das er in der Schule eine Klasse überspringen durfte. Und – das er in Bielefeld mal Stadtmeister im Schach war. Nun ist klar, weswegen ich so blitzwach und analytisch wurde. Haha! // Einen Nagel in die Wand schlagen, das allerdings lag meinem sportlichen Vater nicht. Aber meiner Mutter. // Sie war der Anker. Sie war liberal für die damalige Zeit! Porno-Heftchen unter unseren Kopfkissen wurden übersehen von ihr. Auch warnte sie mich vor ersten Mädchen, das es sich nicht um Liebe handelt, sondern um erste Neugierde und natürliche Entwicklung. Meine Freunde suchten oft ihre Nähe. Aufklärung, Offenheit kannten sie nicht bei sich zuhause. // Apropos Bettenmachen: Nie wurden mir von meiner Mutter die Schuhe geputzt, mein Schrank aufgeräumt. Immer mußte ich in unserem Fachwerkhaus auf dem Land in Wuppertal-Vohwinkel, im Haushalt helfen. Oder einkaufen gehen, als Kind!, zig Kilometer entfernt. Ich lernte Knöpfe annähen und kochen. Will sagen, das war wohl auch der Weg zur Selbständigkeit// Als ich 14 war, trennten sich meine Eltern. Nun fehlte mir, dem Lieblingssohn, der Vater, mit seiner „Schulter“! Das hat mich alles stark beschäftigt, irritiert. Ich stürzte mich auf Bücher. Und auf Freundschaftspflege. Bis heute. // Damals war mein gleichaltriger Nachbar Knut Seipold eine Stütze für mich. Ein wunderbarer „Sandkasten- und Fahradfahrenfreund“. Bis heute haben wir Kontakt. Und kräftige Oberschenkel. // Nochmals: Es gibt drei Dinge, die man sich nicht aussuchen kann: Wo man geboren wird, von wem und wann.

Blau – Karriere ohne Abitur. Wegen Geldsorgen. Pech! Unsere Familienfirma musste wegen Streit, verkauft werden. Besitzer waren mein Vater und sein Bruder. Ohne Abitur bin ich in bester Gesellschaft: Wie u.a. Karl Lagerfeld, Thomas Mann und Gerhard Hauptmann – Nobelpreisträger, Rolf Hochhut, Hermann Hesse, Wilhelm Conrad Röntgen, Joschka Fischer, Klaus-Michael Kühne (Spediteur, 25 Milliarden Umsatz, 85.000 Mitarbeiter), Frank Elster, Iris Berben. Oder wie einer meiner Lieblinge, Weltstar Anja Silja, Opernsängerin. Blutjunge, 20.jährige Freundin des damals viel älteren, verheirateten Wieland Wagner, 43 Jahre alt, in Bayreuth. // Es folgte eine erstaunliche Sängerinnen-Weltkarriere von Anja Silja. // Die hatte ich allerdings nicht. // Verliebt war ich erstmals mit 17Jahren, in Elisabeth M. aus Remscheid. JCB war damals 32, als er mich entdeckte, Nähe suchte. Das war gesetzlich verboten! // Ja, keine Weltkarriere bei mir, aber eine sehr gute Lehre als Maschinenbauer bei den Wuppertaler Bayer-Werken – mit Auszeichung. damals hieß es ja auch noch „handwerk hat goldenen Boden“! Dies sagte auch mein Vater u.a. zu mir, um mich zu beruhigen, mich zu ermuntern. Ausserdem würde ich meinen Weg gehen, sagte er. Auf dem Land war es ja auch schon fast ein Skandal, wenn man studierte. Na ja. // Als bester Lehrling durfte ich entweder an einen „Gleitsegelfliegen-Kurs“ oder einen Segelkurs auf der „Hanseatischen Yachtschule“ in Glücksburg teilnehmen. Entschieden hatte ich mich für die Yachtschule. // Lehrlings- Delegierter wurde ich von allen Bayer-Lehrlingen in Wuppertal. // Das Gute: Einmal im Jahr wurde ich zur Hauptversammlung aller Bayer-Lehrlings-Deligierten, zur Zentrale nach Leverkusen gefahren. Mit Mercedes-Chauffeur! Das fand ich toll, als junger Bursche. Zeigen durfte ich das nicht. Damals bemerkte ich schon, ich habe ein Umfeld mit Neider und Missgünstigen! // Während der Lehre wurde ich Gewerkschaftsmitglied der IG Chemie. Und dort schnell verantwortlicher Delegierter der Jugend Wuppertal. Einer der Hauptthemen damals, die Einführung der Mitbestimmung. Das leuchtete mir ein. Nicht klar kam ich mit der Doppelmoral meiner Gewerkschaft. Auf meine Frage bei einem Kongress, an hochrangige Vorsitzende, warum sind wir nicht Vorbild? Warum führen wir in den Gewerkschaftsbesitzungen wie Konsum, Bank für Gemeinschaft, dort nicht zuerst die Mitbestimmung ein? Darauf bekam ich – keine Antwort. Ich gab sie mir: Austritt aus der IG Chemie! // Hat jemand mit Abitur mehr Qualität? Sicherlich nicht automatisch. Wundere mich, welch mangelhafte soziale Intelligenz manche haben. Beleidigungen, Arroganz erlebte ich in meiner Umgebung. Hat diese Art Auftritt mit deren Scheitern zu tun? Neid und Missgunst spielt wohl eine starke Rolle. // Habe ich trotzdem „die Kurve bekommen“? Ja! // Die anderen glaubten, ich hätte Abitur. Habe ich jemals behauptet, ich habe Abitur? Nein. // Natürlich bildete ich mich immer weiter! Bekanntermassen bin ich ein Vielleser. Was man ja merkt…haha! Lehrgangsteilnehmer bin ich oft gewesen. Weiterbildungswege fand ich immer gut. Bis heute. // Jedenfalls bin ich ein glücklicher, lebensfreudiger, erfolgreicher Bürger geworden. Nehme mich nicht so ernst. Kann mich infrage stellen. Sprache mit Hintersinn finde ich klasse. Schlagfertigkeit liegt mir. Auch Zweideutiges. Situationskomik – herrlich. Moralisierend war ich nie. Das überlasse ich einigen Journalisten oder anderen, die sich erhöhen wollen. Mein analytischer, pragmatischer Menschenverstand und viel Fleiß, brachten mich weiter. // Klar ist, Bildung ist das A und O des Lebens. Das fängt im Kindergarten an. Eine Weiterbildung hört nie auf. Nie!

Nach der Bundeswehrzeitsiehe Rubrik Begegnungen – Anekdoten, „Blau & Bundeswehr“ – Studium zum Maschinenbau-Techniker. Vorsitzender der Studenten-Mitverwaltung. Erstanstellung in Wuppertal. Ernannt zum Maschinenbau-Verkaufs-Ingenieur. Das gab es damals noch. Jahrelanger NRW-Verkaufsleiter, mit Umsatzbeteiligung. Branche Zahnradwerk, Antriebstechnik. Erfinder und Leiter einer Reklamations- und Serviceabteilung.

Kunsthändler Blau: Meine Leidenschaft für Kunst trieb mich im Alter von 30 Jahren zur Selbständigkeit: Vermittler von Kunst & Kultur, trotz einer recht erfolgreichen, komfortablen Angestellten-Leitungs-Position. Mit guten Verkaufsprovisionen! So konnte ich mit 27 Jahren bereits meine erste Eigentumswohnung im Münsterpark Düsseldorf kaufen. Verkäufer, der Bauherr und Architekt Walter Brune. Dieses Münsterparkprojekt, war sein Durchbruch. Später war er der Bauherr der immer noch renommierten Kö-Galerien. // Und ich konnte mir erlauben, eine Weissgold-Stahl-Rolex. In Zürich auf der Bahnhofstrasse erworben. Seinerzeit war die Bahnhofstrasse noch angesehener als die Kö. Ja, ja, das war damals wichtig für mich. Damals war eine Rolex noch eine Rolex, kein Massenprodukt! Diese Uhr trage ich immer noch. // Seit Januar 2020, benutze ich lieber eine AppleWatch, Serie Nr.5: Stürze ich, habe ich Herzprobleme, dann würde sie, schreibt Apple, einen Notarzt rufen. Meistens! Nun denn!

Blau & Zukunft. Bereits mit 20 „schwor“ ich meinem Freund und immer noch Weggefährten & Mentor JCB, das wir Erstens, zusammen Alt werden. Und Zweitens, dass ich mit 30 selbständig sein will. Vorbild, Beispiel war JCB und seine Familie. Seit über 250Jahren gab es deren Erfolgsgeschichte. JCB steigerte die positive Firmenentwicklung 40 Jahre lang als Geschäftsführer und Inhaber. // Und außerdem „versprach“ ich JCB: Das ich mit 50 in Barcelona leben würde. // Alles ist so gekommen. Wenn auch erst mit 52 Jahren – Mallorca. Diese so nahe an europäische Hauptstädten gelegene Ganzjahresinsel war richtiger, einfacher statt Barcelona. Eine Empfehlung meines erfahrenen Künstlers Anders Nyborg, Bornheim/Mallorca. //

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Westdeutsche Zeitung, offenes Porträt über Siegfried Blau, 19.01.1999. Über 20 Jahre später lese ich es wieder zum ersten Mal, am Rosenmontag, den 24.02.2020. Und – ich bin erstaunt. Und ja, stolz auf mich! Meinen Erfolg erkenne ich auch an die Anzahl meiner Neider und Missgünstige…

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Mallorca – Umzug. 1999. Natürlich lernten der junge Mann an meiner Seite, Theofilos und ich, 6 Monaten vorher in Düsseldorf intensiv Spanisch. Das lief so gut, das unsere Lehrerin Maria, uns nach Abschluss auf der Berlitz-School, zum Essen einlud. Und nicht wir sie! // Als wir September 1999 auf Mallorca ankamen, startete dort gerade eine engstirnige Nationalisierungswelle. Man sprach dort – Katalan bzw. Mallorqin! Ein Anfangsschock! Schnell verlor ich leider die spanische Sprachsicherheit. // Nicht so Theofilos. Der in München geborene Grieche aus Rhodos, ist fleißiger gewesen. Übte weiter. Halt sein Anspruch. // Große Erwartungen gab es meinerseits aber schon an ihn, da er ja der eigentliche Intellektuelle war. Er beherrscht Alt- und Neugriechisch, hat französische Kenntnisse, und immer schon sprach und schrieb er fließend richtig gutes Englisch. // Fanatisches Nationalzeug: Siehe noch im Jahr 2020, das große Streitthema Barcelona/Katalonien mit der verfassungsmäßigen, zuständigen Hauptstadt Madrid! Schrecklich diese engstirnige, aggressiven Nationalisten! Diese „Populisten“ gibt es zunehmend überall. Auch in Deutschland. Die Menschen haben Ängste. Stimmt. Sie glauben, die Globalisierung fege deren regionales Gutes weg. Dummes Zeug! Pflegt doch das Regionale!

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Gerling, Dr. Hans, Köln (1915-1991). „Freund und Entwicklungshelfer“, geistig, und wirtschaftlich, dank starker Kunst-Verkäufe an ihn, ab 1978, meinem Kunsthandelstart. Damals war der Kölner der grösste Industrie-Versicherer der Welt. 10.000 Mitarbeiter. Und halt ein sehr enger Freund von JCB. // JCB stellte mir Gerling vor. In einem Cafe (Schwarze Katze?) im Kölner Friesenviertel, in „seinem“ Gerling-Viertel. // Acht Jahre fuhr ich auf sein schlossartigen Herrensitz, der „Marienburg“. In diesem großes, schönen stattlichen Gebäude, kam es zu Gesprächen, Diskussionen mit Abendessen, einmal pro Woche. Und – zum Musik hören. Ob Pop (gerne die Beatles) oder Klassiksinfonien. Besonders führte er mich in die Kammermusik ein. // Adresse Parkstrasse 55, Köln-Marienburg. Den Kasten gibt es immer noch. // Fuhr ich durch das große, schmiedeeiserne, zweiflügelige Park-Tor, hörte ich die Aussenlautsprecher mit Kammermusik zur Begrüßung. Oper lag ihm eher nicht. Er: Zu strukturlos die Handlungen und das „Sänger-Gebrüll“ dazu. // Treff war immer der moderne, angebaute Sommer-Wintergarten. Eingerichtet von Frau Irene Gerling, mit roten und gelben Sesseln. modernen, kleinen Beistelltischen. Ein Sidebord vor Kopf an der Hauswand. Darin eine Musikanlage, Kühlschrank etc., mit Ablageflächen für die Bewirtung und Bücher. Der große Glaskasten war umgeben von vielen blühenden Sträuchern, vielen Rosen. Immer aber gab es freie Sichtachsen, von dem Star-Landschaftsgärtner Roland Weber angelegt. // Rechts hinten, im Park, weit weg, hinter Hecken, war die hauseigene Gärtnerei. // Immer begrüßte Gerling mich höflich auf dem Rasen davor. Das setzte voraus, ich war pünktlich. Es wurde erwartet! Mobiltelefone gab es noch nicht. Stau von Düsseldorf nach Köln war möglich. Also fuhr ich rechtzeitig los, na klar! Nie war der Begrüßungsweg in die herrschaftliche Marienburg durch die mächtige Holzhaustüre. // Gegessen wurde in der relativ kleinen, schmalen Teeküche. Es gab halbe Weinflaschen. Immer, unser Lieblingsgetränk, Gin-Tonic. Das livrierte Personal baute vorher alles auf. Nur wenige Male während des Abends, durften sie erscheinen. Über Anruf per Haustelefon. Gerling zeigte mir auch das goldene Essbesteck. Und er fragte, das ich damit hoffentlich nicht essen möchte. So war es. // Bei Gerling begegneten mir auch Künstler, Journalisten, Wirtschaftsleute und Studenten, die wie er und JCB (bis heute), Mitglieder des renommierten Wirtschaftsclub „Copierpresse“ waren, auf der Dürenerstrasse. Gerling gab Spenden. JCB tut es heute noch für die Wohnheime der auswärtigen Studenten. // Begegnungen gab es auch mit politischen Entscheidungsträgern. Auch Vorsitzende von Parteien. Sie „baten“ um Spenden. Still durfte ich daneben sitzen und – zuhören, was etwa FDP Walter Scheel, SPD-Ministerpräsident Heinz Kühn und andere von der CDU so vortrugen. Sprich, ich lernte. // Künstler: Sein Lieblingsbild hing in seinem privaten Büro. Das sollte ich mir ansehen. Picasso, Dali, etc. sah ich. Aber auch was Scheußliches. Eine kitschige Abendrotlandschaft. Ich war irritiert. Gerling lachte. Nein, nein, hier geht es nur um Emotionen. Sein Sohn hatte es für ihn im Alter von 12 Jahren als Geschenk gekauft. Im Kaufhof Köln. So etwas imponierte mir. Sohn Rolf Gerling wurde 65 Jahre in 2020.

Gerling & Nachwuchs. Gerling war bekannt, das er junge Männer förderte, sie gerne um sich herum hatte, wenn sie wach, humorvoll und wissensdurstig und klug waren. Mit denen er hart diskutieren konnte. Lieber sprach er auch mit seinem Sohn Rolf. So gut wie nie mit seinen drei Töchtern. // So finanzierte Gerling den Erfinder des flachen rechteckigen Haustürschlüssel mit Vertiefungen etwa. Die ganze Welt benutzt ihn. // Gerling war schon sein eigener Darsteller seines Erfolges, seiner „Größe“! So zeigte er mir mal sein berühmtes Büro in der Gerling-Zentrale. Mit seinem Generalschlüssel öffnet er seitlich eine unscheinbare Türe. Und schwupp, tauchte der Sicherheitsdienst auf: Sie kennen mich, fragte Gerling? Drei Schritte Rückwärts gehend entfernte sich der uniformierte Wachmann. // Gerling öffnete die sehr hohe Büro-Fügeltüre. Mir verschlug es die Sprache. Ein wirklich riesiger, eleganter, rechteckiger Raum, mit venezianischen Löwen-Skulpturen, einem Riesen-Sidebord, Raumhohe Fenster. Deckenhöhe, wohl 25Meter oder mehr. 5Etagen hoch war sein Büro-Saal. Und vor Kopf, ein großer, weisser Leder-Schreibtisch. Darauf – nix. Nur eine Telefonanlage. Seinem Schreibtisch gegenüber, an der anderen Stirnseite, eine Flügeltüre. Von dort kamen seine Direktoren. Bis sie den Schreibtisch mit sehr vielen Schritten erreichten, mußten sie den Gerling-Blick aushalten! Also, wenn da einer nicht gut vorbereitet war…brach man wohl innerlich zusammen. Trotz leiser Sprache von Gerling, existierte Druck. // Meine Rolle für ihn war das (Er)Fragen, die Unterhaltung, Freizeitgestaltung, Musik hören, Meinungen suchen, etwa ob der Gerling-Konzern Lebensversicherungen anbieten solle oder nicht, oder das organisieren von privaten Kontakten. So bin ich ja auch heute noch. // JCB, mein Vermittler zu ihm, sagte mir: „Lass Dich nicht blenden von seiner Wirtschafts-Größe, seiner gesellschaftlichen Stellung, seinem Reichtum. Dann gewinnst Du“. So ist es gekommen. Nie habe ich den Boden unter den Füßen verloren. // Ja, Gerling gehörte zur Elite. Aber diese Art Persönlichkeiten waren mehr an Büchern, Bildung, Kultur und Unterhaltung interessiert, als an Luxus und Prominenz! // Seine sehr elegante Ehefrau Irene Gerling, berühmt für Ihren wertvollen Schmuck, ihrer Garderobe, jeden Tag kam ihr Friseur, tauchte eher selten auf. Nie zum Abendessen. Sie lebte im anderen Teil der Marienburg. Oder sie kümmerte sich um ihre Kölner „Baukunst-Galerie & Design“, am Theodor-Heuss-Ring. Gibt es 2020 immer noch. // So richtete sie etwa das (FDP-) Aussenamt ein. Bei Vernissagen trafen wir dort alle zusammen. Auch mit JCB. // Einmal gab es in Köln einen Oper-Gala-Abend. La Boheme, mit den Weltstars Mirella Freni & Rugero Raimondi. Natürlich war alles ausverkauft. Doch JCB und ich waren dabei, in der siebten Reihe sitzend. Gerling ließ die Karten für uns und für sich und seine Frau organisieren. Das Ehepaar saß drei Reihen hinter uns. Seitlich versetzt, sodass wir uns zunicken konnten. Gerling und seine Irene waren großgewachsene Typen. Er trug auch an diesem Abend wieder ein königsblaues Zweireiher-Jacket. Nie trug er einen Smoking. Das mochte die anderen Vermögenden in seiner Nähe nicht, sagte er. Frau Gerling trug große elegante, nicht zu übersehende Ohrringe. Dazu eine entsprechende, große Halskette. Da ihr Haare – immer aus dem Gesicht nach hinten gelegt waren – leuchtete alles. Ein schwarzes enges Kleid stand ihr gut. Darüber einen weisses Bolero-Jäckchen aus – Hermelin! Tja! Die Blicke vieler anderer werde ich nicht vergessen.

Gerling & Reisen. Mehrmals traf ich ihn in München. Wenige Male auch in seinem Bungalow mit Park, am Bodensee. Die ehemalige Flugzeugbauer-Dornier-Villa, mit direktem Zugang zum See, war angenehm wohnlich. Nicht riesig. Alles war in Weiss. Auch die hochflorige Teppich-Auslegeware. Nebenan, ein Bootshaus. // Gerling hatte einen Motor-Bootsschein. Er sagte: Drüben ist die Schweizer Seite. Sollte es mal zum harten Sozialismus kommen, fahre ich halt rüber in die Schweiz! Dort besitze ich auch ein Landhaus. // Gerling fürchtete immer, es könnte mal so kommen, Enteignungen. // Jahre später machte es ja der sozialistische Präsident Mitterand in Frankreich, die Enteignung etwa der Rothschild Bank usw. Furchtbar! Längst korrigiert. // Wir besichtigten sein Schweizer Haus. Ein relativ großes Landhaus. Nicht auffällig. Die Lage, wieder mit direktem Bodensee-Zugang. Daher sind wir mit seinem Motorboot hingefahren.

Gerling & Bodensee-Nachbarin, die berühmt-berüchtigte Umfragetante, Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann, die „Pythia vom Bodensee“, Gründerin von Allensbach-Umfragen, schaute schon mal vorbei, zum Tee. Eine aparte, hochgebildete Person. Mit amüsanten Beschreibungen, über Politiker, die ich hier nicht erzählen werde, claro! // Oft sind Gerling und ich essen gegangen ins Restaurant von Bertold Siber und seinem Freund, in Konstanz. Später wurde Siber eine Adresse auch für Könige und Weltstars. Zitat aus www.ahgz.html vom 31.07.2004.

Gerling & Mein erster Festpiele-Bayreuth-Besuch. Gerling war ein großer finanzieller Förderer der Festspiele. Dafür durfte seine Frau und er in einer Loge sitzen. Wie alle dort oben in der Logen-Etage, wurden sie von Wolfgang Wagner persönlich zum Platz geleitet. // Nun durfte ich Gerlings Karten benutzen. Mit meinem Kumpel Jürgen Kleiber, Geschäftsleitung Wenzel-Lüdecke-Film, Berlin, traten wir auf, ohne Smoking. Das war damals selten. Schon garnicht auf der Etage der Logen! Wolfgang Wagner sah uns, fragte wer wir sind: Herr Wagner, sagte ich, herzliche Grüße von Dr. Hans Gerling. Soeben ist er mit dem Hubschrauber aus geschäftlichen Gründen zurück nach Köln geflogen worden. Da rastete Wagner aus. Sagte, dann hätte ich doch seine Karten jemanden anderen geben können. Ich: Diesen Satz sollten Sie mir, als engster Freund von Hans Gerling, nicht zumuten! Wo sind unsere Plätze, Herr Wagner? Später erzählte ich Gerling das verunglückte Auftreten von Wolfgang Wagner: Er amüsierte sich herzlich darüber. Er mochte missglückte Situationen. Bei anderen. // Kurz vor Opernbeginn, kam DIE Begum. In einem champagnerfarbenen, mehrteiligen Sari. Eine Dame, weltbekannt, groß gewachsen, schön, Top-Make-Up, toller Schmuck. Lächelnd. Sie gab auch uns die Hand. Ihre Begleiterin, eine Gräfin. Sie sassen in der Reihe 1. Daneben Franz Josef Strauß mit seinem Stiernacken, stark schwitzend, mit Ehefrau. Wir sassen in Reihe 2 hinter der Begum. // Es gab Parsifal. Sprich, fünf Stunden Konzentration auf schlechten, harten Stühlen sitzend, mit schlechter Luft. Bis heute gibt es kein Airkondition. Albern! // Parsifal, und das beim ersten Mal für mich in Bayreuth! Diese Wagner-Musik verstand ich damals nicht. Meine Vorbereitung hatte ich eher versäumt. // Interessant, das sich die Begum mit der Gräfin, die Hände hielten und damit rumkrabbelten!!! Nanu, dachte ich….Das erinnerte mich an die Erzählungen von Gerling über Greta Garbo. Sie waren befreundet. Beide besassen in New York im gleichen Hochhaus ein Apartment. Auch Greta Garbo wusste, das ihr Frauenhände gut tun! // Begums Auftritt in Bayreuth. Unvergessen, da selbstbewußt, mit großer Ausstrahlung. Auch in Erinnerung, das ihr Vater ein Strassenbahnfahrer war. Gute Entwicklung von ihr, sozusagen. // Meine Mutter strahlte über diese Begegnung. //

Gerling & Festpiele Bayreuth mit mir. Im folgen Jahr gab es eine unangenehme Begegnung. Ich entdeckte in der Opernpause eine mir sehr nahe stehende Freundin, Christiane Nagorny. Mit einem jungen Begleiter. Gerling sah, das ich beide kannte – und er zog mich in eine andere Richtung. Was ist los, fragte ich? Gerling sagte, es gibt den ersten Eindruck. Mir liegt dieser Typ nicht. // Jetzt erst, im Jahr 2020, in meinem Alter mit Reifeflecken, habe auch ich mich korrigiert. Den Kontakt beendet. Freundeskreise verändern sich halt. Die letzten ca. zehn Jahre waren oft unangenehm. Nicht nur für mich! Ein älterer Mensch, ohne Selbstkontrollvermögen. Gesteuert von Neid und Mißgunst. // Die Übernachtungen ließ Gerling organisieren. Na klar. Natürlich waren wir in keiner Pension. Sondern jeder hatte ein Zimmer im schönen Schloß Eremitage. // Nagorny – Siehe dazu auch unter Begegnungen.

Gerling & Herstatt Bank Konkurs. Mehrheits-Eigner: Hans Gerling. Grösste Bankpleite bis dahin, in Europa. 26.06.1974. Vormittags ging ich zu Hans Gerling, in sein Büro auf der Prinz-Regentenstrasse, München. Das Telefon klingelte. Anruf von seinem Direktor Wagner. Danach sagte Gerling: „Siegfried, Du mußt gehen. Morgen liest Du in allen Zeitungen, Medien der Welt, das ich ab sofort viel Arbeit habe“. Gerling drückte mir einen großen DIN A A4-Umschlag in die Hand. // In meinem Hotel Deutsche Eiche sah ich, das dort, nun ja, keine „Pfennige“ drin waren! Und das schenkte er, in seiner sehr, sehr harten, finanziellen Crash-Situation, wie am nächsten Tag die Welt erfuhr?! Dank und Respekt noch immer, Sir! // Als Kunde/Sponsor blieb er trotz seiner Unternehmerkrise, positiv wirkend. Schließlich verlor er „nur“ 51% seines Weltkonzerns. // Interessant: der Betriebsrat, die Mitarbeiter, standen hinter Gerling. Machten dies deutlich in den Medien. Berichteten über die guten Gehälter, weit über Tarif. Gerling dazu: sie erwirtschaften doch mein gutes Leben! Auch positiv für die Herstatt-Kunden: 99% der Einlagen wurden Jahre später an die Kunden zurückgezahlt. // Statt mit Chauffeur in seinem dunkelbraunen, damals schrecklich großen, kantigen Mercedes 600, fuhr Gerling selber mit seinem dunkelblauen Ford Capri (Sonderanfertigung, u.a. mit extrastarkem Motor, Leder natürlich, Autotelefon usw.) zu privaten Treffen. // Etwa in seinem Landhaus, im Bergischen Land. Dort wo seine Familie sich aufhielt während des Krieges. Wo Akten und Aktien und Geld&Schmuck vergraben waren. // Oder er fuhr mit dem bescheidenen Capri zu mir nach Düsseldorf-Derendorf. In mein kleines Penthaus mit großer 100m/2 Terrasse, 5Etage, im Münsterpark. Zum Gin-Tonic, oder zum Essen, bei immer dem selben guten Italiener „La Capannina“, Frankenstrasse, in der Nähe. Dort sassen wir auf einer kleinen Bank an der Bar. Gerling wollte nie im Mittelpunkt sein. Nie! Dem Restaurantleiter Paulo, gab Gerling immer 50DM Trinkgeld. Egal wie groß die Rechnung war. // Gerling, der Melanchoniker, kam auch zu mir, um sich vor der Öffentlichkeit, vor der Presse zu verdrücken. Er brauchte halt viel Ruhe zum Nachdenken. Um seine bedrückte Stimmung zu ordnen. Daher hatte er meinen Wohnungsschlüssel. Den nahm er mit ins Grab. // Den Konzern-Teilverkauf an Friedrich Karl Flick, per Handschlag (!), wurde nach Jahren von Hans Gerling rückgängig gemacht. Wie mit Flick abgemacht: „Hans, wenn Du wieder so weit bist, verkaufe ich wieder an Dich“. Natürlich gab es auch zusätzliche Komponente über einen langen Zeitraum. // Gerlings Sohn Rolf, in Zürich lebend, geschieden, konnte 2019 auf ein bisserl Vermögen gucken. Laut Forbes: 1,4 Milliarden. Was Gerlings Töchter machen, habe ich keine Ahnung. Eine dramatische Geschichte dazu: Ein Schwiegersohn wurde seinerzeit von Gerling in seinem Konzern, auf einen Direktorenstuhl „gesetzt“. Diesen Druck hielt er nicht stand. Selbstmord.

Gerling und der türkische Bursche „B„. Meine Kontaktherstellung. Ein Türke aus Izmir, nicht Türkisch sprechend. In Köln aufgewachsen. Bei Ford am Fließband stehend. Sympathisch. Und – sehr gut aussehend. Mit Dackelblick. Ihn entdeckte ich beim Spazieren am Kölner Militärring, in Kreidestreifenhose. Sein Lächeln – umwerfend. Sein „türkisches“ Kölsch auch. Von mir ein Treffer. Gerling mochte ihn leiden. // Jahre später bat ich Gerling um eine Reise in die Türkei. Mit dem türkischen Burschen. In Izmir waren wir Gast von seiner Familie. Na klar, mit überschwänglicher Bewirtung. Kaffee gab es keinen. Es herrschte damals dort Knappheit! Die türkische Bewirtungs-Kultur ist klasse. // Köln. Wir trafen uns zu Dritt immer nur in Gerlings Landhaus, im Bergischen Land, bei Immekeppel. Gerlings Personal brachte vorher das Essen und frische Blumen. Oder es wurde gerne mit Azaleen dekoriert. Oft wurden dort gemeinsame Spaziergänge gemacht. Es wurde viel geredet. Die Umgebung im Wald war wunderschön. Die ganze Zeit sah ich Hans Gerling mit glühenden „Kinderaugen“. Die beiden gingen ins Haus und ich fuhr zurück nach Düsseldorf. // Gerling hatte auch was Jugendliches, auch albernes. Ungemein gut lachen konnte er, wenn andere dumme Fehler machten. So erlebten Gerling und ich ein Boulevard-Stück im Theater „Komödie“, im Hotel Bayerischer Hof, München. Story: Ein hochrangige Mitarbeiterin eines Konzern erklärt einem wichtigen Kunden, ausholend Dieses und Jenes. Die Mimik des Kunden wirkt immer fragender, die Körpersprache unruhiger. Dann fragt er: Haben sie eigentlich überhaupt eine Ahnung, um was es geht? Sie sagt – Nein! Gerling lacht als einziger im Theater laut los. Irritation bei allen anderen. Das fand er halt sehr komisch. Und ich auch. Dann erst begriffen auch die anderen Besucher, wie witzig diese Szene war. // Trotz seiner schlaksigen Körpergröße wirkte er privat fast, nun ja, jugendlich flott, nie langweilig. Wenn da nicht die gebügelten Blue-Jeans wären…Statt beruflich wie sonst, mit königsblauem Jackett, trug er in seiner wenigen Freizeit, eine schwarze Lederjacke. Oder eine braune Wildlederjacke. // Der türkische Bursche wollte nach einer gewissen Zeit weg vom Fliessband. Er wollte eine Herrenbotique. Nicht vorstellbar für Gerling und für mich. Also überredeten wir ihn, zum Autohandel, seine Fachrichtung halt. Gegründet wurde, unter meinem Namen, und Gerlings guter Unterstützung, der Autohandel B&B. (Blau&B). Auf der Kölner Venloerstrasse 362. Mein/unser Werbespruch: „Bei uns haben nicht nur die Reifen Profil“! Auch klar: Lange existierte der künstlich am Laufen gehaltene Laden nicht. Weil dem jungen Burschen die Lust ausging….(Noch heute gibt es dort die Wand rechts, verspiegelt). // Später gab es Treffs auch in einer Mietwohnung, die der junge Mann organisierte, auf der Aachenerstrasse 261. Vorher musste ich für Gerling klären, ob es die richtige Adresse für Begegnungen sei. Gerling bezahlte die Miete. Zufall: Im Garten hinter dem Mehrfamilienhaus war ein schöner grosser runder Marmor-Brunnen. Den Stil erkannte Gerling: Er lachte. Das Haus gehörte der Gerling-Gesellschaft! // Irgendwann, da war ich schon nicht mehr in deren Nähe, gab es den Kontakt Gerling/Türkenbursche nicht mehr. Das sympathisch schlichte Wald-Landhaus soll danach in Flammen aufgegangen sein.

Gerling, Hans: „Geistkapital“. Es gab Gespräche mit dem Chefredakteur von Capital, Johannes Groß. (1974-1980. Ab 1980 Herausgeber). Der konservative Gerling akzeptierte meine eher linksliberalen Positionen. Genoss mein Zahlengedächtnis, meine rhetorischen Spitzen gegen träge Entscheidungsträger. Meine positiven Ideen, das nach Vorne blicken. Lösungen immer suchend. Nie aufgeben. Er nannte mich ein unkonventionelles, geistiges Urgewächs. Wäre Gerling vielleicht selber ein bisschen gerne so gewesen? War das auch die Basis unserer Freundschaft? Wie auch so bei JCB teilweise?! Sucht man nicht oft was bei anderen, was man selber nicht hat? Jedenfalls sagte Gerling nach Jahren zu mir: Nicht ich bin der richtige Freund für Dich, JCB ist es. Stimmt! Daran hatte ich ja nie gezweifelt. JCB war und ist mein wichtigster Freund, mein großes Vorbild, mein emotionaler und intelligenter Ratgeber. Mehr als herausragend. Gerling war es auch. Etwas. Beide prägten mich.


2019 – Mentor & Weggefährte JCB wurde im November 88 Jahre jung. Durch ihn wurde ich „Siegfried Blau“. Ihm verdanke ich geistig fast alles. Auch hörte ich zweimal den klugen Satz als ich 20Jahre alt war: „SCHAU NICHT SO ZU MEINEM PORSCHE! DU MUSST SIEGFRIED BLAU WERDEN!“ Mit dieser, seiner Weisheit, die ich befolgte, hatte ich als junger Mensch prägendes Glück gehabt!