Vorab, 1945 war ich noch nicht geboren. Zum Jahrestag „Kriegsende 08.05.1945“. Skizziert am 08.05.2020, 75 Jahre später:

1945. Januar. Königsberg-Lötzen/Ostpreußen. Evakuierung meiner Mutter mit meinen beiden kleinen Brüdern und meiner Oma. Die Vier wurden zugeteilt auf das – leider berühmt gewordene Schiff „Wilhelm Gustloff“. Ein russisches Torpedo versenkte das Schiff am 30.01.1945. Zwischen 4000 und 9.000 Menschen kamen ums Leben. „Eine der verlustreichsten Schiffskatastrophen der Menschheitsgeschichte“. Zitat Wikipedia.

Doch es kam anders:

Als ein Offizier, alles unter Zeitdruck, weil die Russen kamen, zu meinen „Vier“ sagte, sie gehen auf das Schiff „Gustloff“, sagte meine Oma – nein! Ich mag das Schiff nicht. // Glück gehabt, ein Offizier erlaubte, das sie auf ein anderes Schiff durften. Daher war es möglich, das ich Jahre später gezeugt und geboren wurde! Wahnsinn! // Bitte, es hört sich merkwürdig an, aber meine Mutter war ja eine schöne, groß gewachsene Frau. Sie trug damals ein breitkrämpigen Hut. Sie sah gepflegt aus, so später meine Oma zu mir, als ich 12 Jahre alt war. Doch diese Bestimmtheit meiner couragierten Oma, „Nein“ zu sagen zum Schiff Gustloff, war sicherlich ausschlaggebend. // An Bord gab meine Mutter positive Signale an einen zuständigen Offizier: Sie wusch meine kleinen Brüder zweimal täglich, mit kaltem Wasser mit der Aussendusche, die damals an Bord nur vorhanden waren. Das Geschrei meiner kleinen Brüder überhörte sie. // Sie wurde angesprochen. Der Offizier sagte: Sie erinnern mich an meine Frau. Und ausserdem gehören Sie hier zu den Müttern, die regelmässig ihre Kindern pflegen, sich kümmern. Ergebnis: meine Mutter wurde mit zusätzlicher Verpflegung heimlich bevorzugt. // Dann folgte das Drama mit diesem Konvoi: Die im Geleit mitfahrende „Gustloff“ wurde getroffen, per Torpedo versenkt. // Krieg ist sehr, sehr grausam, liebe junge Menschen!!!

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Kindheitserinnerungen, Tagesausflüge.

Per Strassenbahn. Etwa fuhr unsere Familie oft Sonntags, mit der Strassenbahn von Wuppertal-Vohwinkel nach Düsseldorf-Benrath. Zum Rhein. Zum Baden. Dort lernte ich schwimmen mit fünf Jahren. Der Rhein war damals noch sauber. Aale wurden dort etwa gefangen. Beliebt waren dort zig kleine Aal-Räuchereien. Darauf freuten wir uns. // Noch heute esse ich gerne Aal. Längst ist der Aal eine Delikatesse. So im Sterne-Restaurant „Gut Lärchenhof“, Pulheim. Dort strahlten wir am Samstagabend den 23.05.2020 über eine der Vorspeisen: Aal und Hummer. Aufgereiht, jeweils Teelöffelgroß natürlich. Tja! // Zurück nach Benrath: Den Kartoffelsalat haben wir mitgebracht, na klar. Oder es gab Rauke-Salat dazu. Nix Neues für uns. Heute heißt er Ruccola. //

Zu Fuß: Fast jeden Sonntag machte unsere Familie „endlos lange“ Mittagsspaziergänge. Eher Wanderungen. In unsere Umgebung. Zu Nachbarorten. Rauf und runter. Ich rede ja vom Bergischen Land! Das schafft kräftige Beine! Und Willensstärke. Heute weiß ich das! // Irgendwo ging es hin, wo es dann auch – manchmal – ein kleines Essen gab. // So war es ebenfalls jahrelang üblich, egal wie das Wetter war: Heiligabend gingen wir mit unserem Vater, zu Fuß, von Vohwinkel zu dem romantischen Nachbarort Solingen-Gräfrath. Zum Weihnachts-Gottesdienst. Eine Strecke dauerte eine Stunde! // Zurückgekommen gab es ein leckeres Heiligabendessen. Meine Mutter hatte es zwischenzeitlich vorbereitet: Immer selbst gemachten, roten Heringssalat und Kartoffelsalat mit Mayonnaise. Jeder bekam ein Brühwürstchen und ein Mettwürsten. Heute noch mache ich mir das – „heimlich“! Ab und zu. //

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Reisen nach Jahreszahlen:

1959. Venedig. Mit 12 wurde ich von meinen Eltern, in Düsseldorf in einem Reisebus gesetzt. Der Fahrer wurde informiert, das ich alleine bin. Er wies mir die erste Reihe rechts zu. Das fand ich klasse. Ist doch von dort alles besser zu sehen. Neben dem Fahrer sass noch eine junge Reiseleiterin. Eine „graue“ unscheinbare Person. Keineswegs war ich ängstlich, als ich alleine reiste. Unsere Erziehung hatte immer ein Ziel, selbständig durchs Leben zu kommen. // Alleine ging auch deswegen nur, da wir mit der familiären Möbelfirma, wirtschaftliche Probleme hatten. Siehe Rubrik „Über mich“. // Meine Eltern sagten, alles was sie in ihrer Jugend nicht erleben konnten, wegen lange Kriegsjahre, Wiederaufbau und so weiter, das sollst Du wenigstens erleben. // Was für eine Reise! Venedig mit 12! Traumhafte Bilder sind in meiner Erinnerung. Dazu muß man wirklich nichts sagen. Doch eines schon: es formte mich. Machte mich weiterhin Reiseneugierig. Bis heute. Waren meine Eltern ängstlich, besorgt? Nie!

1963. Polen-Auschwitz-Reise. Mit 16 setzten mich meine Eltern wieder mal vorne zu dem Fahrer eines Reisebusses: Er ist alleine in dieser Studiengruppe! // Mein Vater vermittelte diese Studentenreise nach Polen über die Gewerkschaft IG Chemie, bei Bayer Wuppertal. // Über Lódz nach Warschau. Das Studentenhotel war sehr schlicht. Ein Essen war unangenehm: Hammel! Sorry. Nein! Aber sehr angenehm waren alles unsere Begegnungen mit den Polen. Herzlich, uns drückend, egal ob Mädchen oder Jungen. // IN war damals Jazz. Zig Lokale ermöglichten Live-Musik. // Ein Restaurant war besonders bekannt: das „Krokodyl“. Gibt es immer noch, sehe ich in 2020. Ist aber wohl nicht mehr DAS Restaurant. Auch Präsident Kennedy und andere Staatsgäste waren dort essen. Wir allerdings mussten zahlen. Damit wir es konnten, verkauften die Mädchen ihre Nylonstrümpfe. Wir Jungen unsere Nyltesthemden. Alle dies war neu und beliebt bei den Polen. Unsere Taschen waren voller Zloty! All dies war verboten. Aber als junger Mensch scheut man sich nicht! // Treff mit einer russischen Studentengruppe im Hotel: Geschenke wurden getauscht. Wir bekamen einen „Sputnik-Modell“. So nannte man damals die ersten russischen Satelitten. Rußland war führend als Weltraumnation, sehr erfolgreich. Der Westen stöhnte, fühlte sich bedroht! Unser Geschenk habe ich vergessen. // Nicht vergessen habe ich den Warschauer Kulturpalast. Ein Riesengebäude, Geschenk aus Rußland, im „Zuckerbäckerstil“. Kein Kommentar. Aber, es gab dort jeden Tag vor den Eingangstüren, einen Büchermarkt. Man muß wissen, die Polen „lieben“ Bücher. Sie waren und sind ein belesenes Volk! Überall sahen wir lesende junge Leute. Und ich erwarb dort ein Buch von Anna Seghers „Das siebte Kreuz“. (Bekanntlich spielt die Zahl sieben, eine große Rolle im Christentum). // Dann kam der Schock: Besuch in Auschwitz. Ich war doch noch so jung. Konnte es nicht fassen, was uns der Museumsführer, ein ehemaliger Blockwart, ein damals inhaftierter polnischer Jude, erzählte, erklärte. Ohne auch nur etwas von Hass zu zeigen gegen uns Deutsche. Wahrlich eine Größe, eine Persönlichkeit. // Unsere Augen, feucht! Kaum einen Satz konnten wir sagen. Auch jetzt beim Schreiben atme ich wieder tief durch. Wie konnten nur solche millionenfache Morde von uns Deutschen geschehen! // Es gab zum Abschluss der Führung, vom dem wunderbaren Reiseführer – ein Wodka für jeden. In der Flasche war ein Grashalm. Kann ich auch nicht vergessen. Mein Start zum Alkoholtrinken. // Und der Bus? Voller Staub. Mit Schmierereien: Nazis raus. Wir waren betroffen. Zufällig war ein TV-Team vom Südwestfunk dort. Sie filmten dies. Aber eben auch, das eine Polin wortlos aber weinend mit einer Schürze kam. Sie versuchte, den Schriftzug zu verwischen. Wieder verschlug es uns die Sprache. Wir waren gerührt. // Weiter. Bustour nach Krakau. Was für eine schöne Stadt! Unzerstört. In letzter Minute wurde dies ja verhindert, erklärte man uns. // Unvergessen, der Marien-Altar von Veit Stoß, 15.Jahrhundert. Ein Highlight in der Kunstgeschichte. Nur wenige Mal wird er geöffnet. Wir hatten Glück und sahen staunend die prachtvolle Arbeit des Flügelaltars. Sagenhaft! // Mein Mitbringsel aus Krakau, aus den Tucherhallen: Ein roter Teppichläufer. Siehe Foto von meiner ersten Wohnung, unter Rubrik „Über mich – Privat“. 

1964. Sylt. Mit 17 Jahren lernte ich JCB kennen. Trotz meiner Freundin Elisabeth M. aus Remscheid. Siehe Rubrik „Über mich“ und „Begegnungen“. // Für JCB war es normal an die angesagten Ferienorte von Westeuropa zu reisen. Ewa Sylt. Immer fuhren wir jahrelang nach Sylt, zu Ostern, zu Pfingsten. Immer trugen wir damals rote Pullover. „Man“ trug sie! Wie auch gelbe oder blaue „Ölkleidung“ bei schlechtem Wetter. Sprich, gummierte Regenjacken mit Kapuze. Jeder hat sie im Schrank, wenn er ein Haus oder wie JCB, dort eine ET-Wohnung besitzt. Schließlich ist bekannt, das Wetter auf Sylt ist, nun ja, wechselhaft. Trotzdem sind die Spaziergänge an den Stränden angenehm. Egal welches Wetter sich zeigt. // Doch rede ich nicht von den Nacktstränden. Die finde ich doof. Langweilig. Spannend ist es doch, jemanden auszuziehen. So existieren Striptease-Lokale, mit Recht! // Unvermeidbar war es auf Sylt, Promis zu sehen, oder kennenzulernen. Immer tauchte dort etwa von der A-Klasse, der Edelplayboy Gunter Sachs auf. Ohne Brigitte Bardot. Bescheiden. Das er auch arbeitete, war eher nicht bekannt. Oder Werner Höfer, der TV-Onkel des Frühschoppen, glaubte, es wäre seine Insel. Von Axel Springer, den ich als 68.ziger „bekämpfte“ und all die anderen Größen der Wirtschaft, den TV und Filmleutchen, also, da muß ich mich nicht weiter auslassen. // Wo diese Herrschaften sind, sind die auf der Pyramide nach unten, auch da. Die C-Klasse. Normal für JVB und für mich. So setzt sich doch auch unsere Gesellschaft zusammen. Immer ist die Gesellschaft amüsant, wenn man nicht allzu viele Dummköpfe von „Unten“ und „Oben“ begegnet. // Ob Arndt von Boden & Halbach dumm oder klug war, weiß ich nicht. Gesehen habe ich ihn aber mehrmals in einer eher männerlastigen IN-Bar, dem Kleist-Casino in Westerland. Ich erschrak! Feminin bewegte er sich, was egal ist. Doch er war so schrecklich stark geschminkt! Die – aufgesetzten – Augenlieder flatterten. Zierlich war er. Wie eine Puppe aussehend! Und neben ihm, seine ebenso sich „biegenden Elfen“. Wie sie ihn anhimmelten! Nun ja, schön für ihn. Auch das gehört zu Sylt. Natürlich guckte ich hin. Schließlich kannte ich seinen wirtschaftlichen Lebenslauf aus dem Wirtschaftsteil der FAZ. Da hat der clevere Herr Generalbevollmächtigte Berthold Beitz wohl einiges richtig organisiert. Für Krupp! // Es entwickelte sich aber eine neue „Wirk- und Darstellungsstätte“: Ibiza! Siehe 1970.

1964. Sant Tropez. Neben dem deutschen Hotspot Sylt, mit doch eher reiferen Gästen, war die absolute internationale IN-Adresse Sant Tropez. Da ich so jung, blond und schön war – haha, passte ich natürlich gut dahin, dachte wohl auch JCB, der ja ebenfalls besonders gut und auch noch sportlich aussah und gerade mal über 30 war. // Über Gunter Sachs erzählte ich bereits über Sylt. Selbstverständlich war er auch öfters des Jahres, wie wir, in Sant Tropez. Brigitte Bardot lässt grüßen! Beide sahen wir sie dort mehrmals. Dort, wo „man“ ausgeht, oder sich tagsüber am Strand der Sonne hingibt. Nicht vergessen kann ich am Strand die leckeren Cocktails. IN war damals „Pimm´s No 1“. Sooo lecker! Gurkenschalen schmißen wir in Wuppertal oder in Köln, weg. Hier landeten sie gekringelt, hauchdünn, im hohen Trinkglas. // Ebenso auffällig waren die Kleidungen in St. Tropez. Damals überhaupt kein Ort für Neckermann-Kunden & Co. kein Massentourismus. das kam alles erst Jahre später. // Nochmals bemühe ich Gunter Sachs, denn er war nun mal damals eine gesellschaftliche Lichtgestalt. Sein Stil: Er kreierte für abends, Blue Jeans, darüber ein dunkel-blaues Jackett mit Einstecktuch, offenes Hemd. Meistens war es – schneeweiß. Gutes Schuhwerk, ohne Socken. Tennisschuhe damals – nie! Wirklich klasse. Und – besonders schön, damals die Frauen. Desto vermögender, desto „verrückter“. Sprich, lockerer. Todschicke Kleider- Keine Jeans. Pfui Teufel, das doch nicht! Sommerfummel, weit geschnitten ab der Taille, keine Schuhe an. Auch legendär, der Start dort mit der damaligen „Gipsy-Mode“. Zigeunermode, darf ich ja heute nicht mehr sagen, aber damit wird es für viele erst klar, um was es geht. Wild durcheinander die Muster, die Formen. Superlässig getragen. Oben herum wie jeder wollte. Natürlich trug Brigitte Bardot immer „oben“ eng. Ihr Busen drängte zu unseren Augen! // Die junge blonde, dicklippige, französische „National-Heilige“ ergatterte ausgerechnet ein Deutscher, hieß es bei vielen damals. Besonders in Frankreich.

1969. Paris. Im April.Der knorrige, überholte Präsident Charles de Gaulles mußte zurücktreten. Mit seinem mit seinem positiv berühmt gewordenen Kulturminister André Malraux. // JCB&ich waren ausgerechnet in Paris während der Studentenrevolte. Der deutsch-französische Daniel Cohn-Bendit war der berühmte Anführer der Studentenproteste. Bei der Wahl zur Nationalversammlung gab es in unserem Hotel-Viertel, Quartier Latin, nahe der Universität, massive Polizeieinsätze. Auf dem Boulevard Saint- German näherten sich beide Gruppen aufeinander zu. Nähe Métro-Station Saint-Germain-des-Prés. Vor dem berühmten Bistro „Café de Flore“. Damals die Adresse für Künstler & Intellektuelle. Ob Picasso, Sartre oder etwa Lagerfeld, der in der Nähe wohnte. Sie gingen dort ein uns aus. Entdeckt wurde dort die spätere Top-Sängerin Juliette Creco, als, nun ja, zunächst, junges aber leichtes Mädchen….// Wir sahen, das die „Flicks“ (Polizisten) zuerst Tränengas-Handgranaten warfen auf die Studenten, um sie zu provozieren. Dann erst reagierten die zig tausende Studenten aggressiv. Wir liefen weg, mit gereizten Augen und vielen Tränen, in unser Hotel um die Ecke. Beim Frühstück vorher sagte uns die Concierge, stellen sie ihren Mercedes-Sportwagen, mit deutschem Kennzeichen! in die Tiefgarage. Sie werden sonst sofort ausgewiesen. Sprechen Sie auch kein Deutsch. Gut das JCB fließend Französisch beherrschte! So nah an unruhigen Zeitgeschehen wollten wir eher nicht sein. Bei allem Interessen an der Politik. // Aber missen möchten wir es auch nicht. Schön zum Erzählen! //

1970. Ibiza. Der Start in die Sonne! Dort ergatterte JCB eine schöne Terrassenwohnung. Die Musterwohnung einer neuen Terrassenanlage, von einem jungen, französischen Architekten clever entwickelt. 15 Minuten Autofahrt, ausserhalb der Stadt Ibiza. In den Bergen. In der Urbanisation „Can Furnet“. Immer noch eine DER Adressen! Der Blick auf die Altstadt von Ibiza, so schön! Acht Parteien übereinander gebaut. Dank großer Terrassen, kann keiner den an deren beobachten. Und nicht gut hören. Das macht Sinn! // Aber auch auf Ibiza gibt es Grenzen: Es ist eine Sommerinsel. Vier/fünf Monate sind klasse., Davor und danach – langweilig. Ziemlich alles geschlossen. Das ist der große Unterschied zu der „Ganzjahresinsel“ Mallorca. Nun ja, Palma hat über 400.000 Einwohner . Da tut sich was. // Doch Ibiza ist aufregend. Die Strände, alle klasse. Ob einsame oder weite Strandabschnitte. immer tut sich was. fürs Auge oder in den Büschen. Tatsächlich. Einige Male sahen wir, wie Polizisten in den Büschen Pärchen beim Sex beobachteten. immerhin nichts unternahmen! das war mal anders, als Ibiza 1968 anfing berühmt zu werden. Da klaute die Polizei die Schuhe von Frauen, ohne BH am Strand: Können sie sich heute Abend auf der Polizeiwache abholen. Gegen (kleines ) Strafgeld! // Lockere, sehr lockere junge Pärchen mit oder Kinder, bewegen sich auf Ibiza in weißen, aber auch farbigen, engen, knapp sitzenden Stofffetzen an den Stränden oder nachts, in den weltberühmten Discos. Ja, es sind Pilgerfahrten vorhanden, im Juni, wenn diese Riesenkästen, mit zig Tausenden die Saison eröffnen. Unglaublich. Auch ohne Drogen ist die Stimmung prächtig. Die Musik sitzt. Animiert immer und immer wieder zum tanzen. Leider geht es erst ab Mitternacht richtig los, sage ich heute, mit Reifeflecken. Egal. Ich habe meine wilde Zeit genossen. Vieles mitgemacht. Ob trinken, Sex oder tanzen. Oder lieber alle drei Vergnügen gleichzeitig. Das reicht ja dann auch mal. Nun spielt das Ausgehen in die Restaurants eine größere Rolle. Normal! hihi!

1972. Marrakesch. Der französische sprechende JCB unternahm ja immer wieder Auslandsreisen für seinen Textilfirma. Diesmal durfte ich mit nach Marokko. Zunächst ein Flug nach Tanger. Geschäftsgespräche von JCB tagsüber. Währenddessen ging ich, wie immer bei solchen Reisen, die Städte zu Fuß erobern. Von Tanger habe ich nix behalten. Bis auf diesen widerlichen Vorgang. Vor dem Hotel-Eingang standen 10-15.jährige Jungs und riefen jedem Ausländer zu: Ficki Ficki? // Dann wurden wir – dank Geschäftsebene – mit einem Privatflugzeug nach Marakech geflogen. Extra flog der Pilot immer mal wieder ganz tief über die Wüste. Beeindruckend! Dann sahen wir Marrakesch. In Entfernung das Atlasgebirge, mit Schneegipfel. Wir wohnten im – auch damals schon – sehr bekannten Palast Hotel Mamounia. Das berühmteste Hotel von Marokko. Seit den 20.ziger Jahren wohnten hier Winston Churchill, Marlene Dietrich, Alfred Hitchcock, Catherine Deneuve, Nelson Mandela. //Internationale Gäste schlenderten durch die Gänge, in den Hallen und besonders gerne, in dem hinter dem Hotel liegenden, großen, wunderschönen Park. Wirklich überall blühte irgendwas. Auf den Terrassen servierte man kühle Getränke oder Essen. Also, umwerfend schön, das Ganze. // Nervositäten gab es bei JCB und besonders bei mir dank meiner Naivität. Auf dem zentralen großen Platz, vor der Media, der Altstadt, waren alle möglichen Gaukler, Unterhalter. An einem Tischlein gab es Hütchen-Trickspieler. Das kannte ich nicht. Als sie mich, den blonden jungen Ausländer entdeckten, wurde ich schnell angesprochen. Irgendwie konnte ich mich nicht erwehren. Und machte mit beim Spielen. Sofort standen sicherlich 40-50 Marokkaner um mich herum und palaverten, lachten, freuten sich, während ich immer ernster wurde. Der Druck der Menge war mir sehr unangenehm, da sie mich auch körperlich bedrängten. JCB suchte mich. Fand mich, wühlte sich durch und riß mich, den bleich gewordenen, weg unter dem Gegröle der harmlosen Marokkaner, was ich aber nicht einschätzen konnte. Meine Güte, das tat mir körperlich und mental richtig weh. Ich hatte Ängste! // Ein sportlicher Amerikaner, Geschäftsmann, so Mitte dreißig, nahm zu uns Kontakt auf. Die Chemie passte! Die Gespräche liefen. Mehrmals gingen wir Drei essen, trinken oder wir unternahmen so einiges, was auch locker war. Dabei angenehm, das er sich in Marrakesch auskannte. So bekamen wir viel mehr zu sehen, als normalerweise ein Tourist entdecken kann. // Immer wieder ist festzuhalten, mit welchem Charme viele aus den USA auf Menschen zugehen. SmallTalk können. Dumm, so was mit Oberflächlichkeiten abzutun. Alles was wir mit dem blonden Burschen erlebten, ist unvergesslich!

Anmerkung: Das Hotel Mamounia wurde von der Königsfamilie erworben, für über 300 Millionen Dollar umgebaut! Neueröffnung war 2009. Trotzdem ist es nicht mehr das teuerste Hotel in Marakech. Im „Grand Riad“ kann das Wohnen auch für 40.000 Dollar gelingen. für eine Nacht!

1974. New York – Twin Tower. World Trade Center. Die Neueröffnung war am 04.04.1973. Damals das höchste Gebäude der Welt. // Doch es gab zunächst einen anderen Anlass in New York zu sein: Ich besuchte meinen Wuppertaler Arbeitskollegen Milo Rasovic. Bei ihm und seiner Frau, wohnte ich auch, in New Jersey. Sie kam aus einem „guten Stall“. Ihre Eltern waren Aktionäre von einem TV-Sender. Milo und sie – ein richtig gut aussehendes Paar! // Milo und ich waren vorher in Wuppertal zur Auswahl gekommen, in New Jersey unsere Zweigstelle zu leiten. Unsere Firma startete mit uns einen Vorbereitungskurs. Mit Englisch-Unterricht. Milo war nur in einem Fach der bessere als ich, im Englischen. Daher wurde er ausgewählt. Bedauerte ich das? Nein. Mein Ehrgeiz ließ mich teilhaben an der Prozedur. Ob ich tatsächlich nach Amerika gezogen wäre? Nein. Schließlich schwirrte längst heimlich im Kopf bei mir die Idee, eine Selbständigkeit mit 30 Jahren als Kunsthändler. So kam es auch 1978. Außerdem gab es ja eine gewachsene, gute Nähe zu JCB. Niemals wollte ich weit weg sein von ihm. Das war mir immer klar! // Mein Arbeitskollege Milo und ich verstanden uns gut. Daher besuchte ich ihn. Das zahlte meine/unsere Firma! Bedingung: Einen Reisebericht schreiben. Mit unterschiedlichen Aspekten. // Mit seinem alten, braunen Cadillac Cabrio fuhr ich jeden Tag tagsüber rüber nach N.Y. über den Hudson River. // Einmal fuhr ich falsch ab (Amsterdamer Straße?) und ich landete in Harlem. Das war nicht lustig! Nun fuhr ich gefühlsmäßig weiter, um aus Harlem wieder raus zu kommen. Es gab ja noch kein Navi. Dabei wurde ich naß: Kids spritzen mich, grölend, lachend, mit Wasser aus Hydranten. Oh Mann! Hauptsache nicht anhalten, dachte ich. //

Nun also der Besuch der Zwillingstürme. Beeindruckend das Äußere und das Innere. Ich habe helles Lila in Erinnerung. Auch der Aufzug zur Besucherplattform war so ausgestattet. Nie zuvor fuhr ich mit einem Aufzug so samtig weich, ohne den Start und das Anhalten zu bemerken und so schnell, wie dieser große Besucheraufzug! Der Firmennahme, seitdem in meinem Kopf: OTIS! // Oben angekommen – ein fantastischer Rundblick! Die hohen Sicherheitsgitter waren nicht direkt an den äußeren Hochhauswänden. Mein Glück. Überhaupt nicht gerne gucke ich an einer Hochhauswand direkt herunter. Schon im Film gucke ich weg. // Es gab die Möglichkeit von dort oben zu telefonieren. So rief ich meinen Kollegen Milo an und auch JCB. Immerhin vom höchsten Gebäude Welt! //

Der Terror-Anschlag. Zerstörung Nordturm 11. September 2001, 8.46Uhr. Zerstörung Südturm 9.02 Uhr N.Y.-Ortszeit. // Zufällig sass ich vor dem Fernseher in Palma, wartete auf die 3-Uhr-Nachrichten. Und so sah ich das erste Flugzeug live in den Nordturm krachen. Sofort rief ich Theofilos an, der in der Galerie war, er solle schnellstens per Taxi nach Hause kommen. Schreckliches wäre passiert. Ohne das Galerie-Sicherheitsgitter runterzukommen lassen kam er. Dann sah er das zweite Flugzeug in den Südturm fliegen. Beide saßen wir nebeneinander und zitterten vor Aufregung. Wir sagten zunächst nichts. Unsere Augen war feucht. // Dann sagten wir, die Welt wird sich verändern. Die USA werden sich das nicht gefallen lassen. Gefallen lassen dürfen. Und wir als Nato-Partner werden auch helfen, uns anders aufstellen in der Weltpolitik. So kam es. // Bis in den späten Abend wechselten wir die Sender. Von CNN aufs deutsche TV usw. Hin und Her. // Sicherlich war das für mich einer der bedrückendsten, öffentlichen Momente in meinem Leben, dieser 9/11!

1975. Portugal, Lissabon. Nachdem die „konservativ-autoritäre Diktatur mit klerikal-faschistischen Zügen“ (Wikipedia) von Antonio de Oliveira Salazar nach über 30 Jahren Machtausübung, von der „Nelkenrevolution“ 1974 weggefegt wurde, sind wir auf Vorschlag von den Kölnern Freunden Albin Hänsereoth und Dietrich Hainz, mit ihnen nach Lissabon geflogen. Und danach drei bis sechs mal pro Jahr, in den folgenden Jahren. // Salazar war sehr geschickt. Diplomatisch. Daher gab es zu unseren und anderen europäischen Ländern, gute Beziehungen. // Die Geheimpolizei kümmerte sich nur um die Portugiesen. Ausländische Besucher wurden in Ruhe gelassen. Daher besaßen schon nach dem Weltkrieg, Familien wie Henkel, und ähnliche Gewichtsklassen, Villen in Lissabon. Viele abgesetzte Könige und Staatsführer, ruhten sich dort aus, vor ihren Vertreibern. // Immer schon galt und gilt das portugiesische Volk als sehr angenehm. Zur Melancholie neigend, aber doch nicht traurig. Berühmt – der in die Tiefe sinkende „Fado-Gesang“. Die populärste Fado-Sängerin immer noch, ist Amália Rodrigues. JCB hat sie zweimal live erlebt – in Paris.// In Bars und Restaurant wird auch heute noch Fado-Gesang, unterschiedlicher Qualität, in Portugal angeboten. Ein MUSS wer es noch nie erlebt hat! // Nicht lustig allerdings war etwa dieses Erlebnis: Da der Wechselkurs für uns sehr günstig war, gingen wir nicht nur in die typischen, lebensfreudigen „Holztisch-Restaurants“, sondern auch in drei Nobel-Adressen. Natürlich waren wir gepflegt angezogen, aber nur mit dunklen Pullover. JCB hatte, wie immer, ein Jackett an mit Einstecktuch. So kennen wir ihn heute noch. // Die anwesenden, eher älteren portugiesischen Männer, trugen dunkle Anzüge und Krawatte. Deren Frauen, elegante Kleider. Keine Hosen. Diese Emanzen-Welle kam erst später über uns…// Irgendein Menue-Gang kam. Natürlich waren wir alle trainiert, mit Messer und Gabeln zu essen. Doch muß ich so ausholen, da plötzlich ein Service-Typ zu mir kam, mir mein Besteck aus den Händen nahm und sagte auf Englisch: So wird gegessen! Dann ging er wieder. Wir guckten uns an und sagten – kein Wort. // Wir denken, die neue politische Situation, unsere „Ausländerköpfe“, die dann doch eher normale Kleidung, stießen auf: Man war nicht mehr unter sich, so dachten sie wohl. Tja, die Welt dreht sich, nicht wahr. // Unser Anliegen war im Übrigen auch deswegen oft nach Portugal zu reisen, da dieses tolle Land als das „Armenhaus“ von Europa galt. Unsere Ausgaben schienen uns hilfreich. //

Lissabon 2019. Nach über zwanzig Jahren Unterbrechung, sind wir wieder vom 30.12.2018 bis 06.01.2019 in Lissabon gewesen. Zum Jahreswechsel und zur Geburtstagsfeier unserer Freundin Petra Alberts am 05.01. Ihre fast komplette Familie war dort. Und wir tauchten auf mit unseren Freunden Volker Schmidt & Bernd Grün, mit denen wir oft und sehr gern unterwegs sind. // Klasse waren unsere drei Hotels – jede „Partei“ hat halt seinen eigenen Rhythmus. Herrlich, das Sonnen-Wetter, die gemeinsamen Essen, mittags und abends und die ausführlichen Besichtigungen und Ausflüge. Und immer wieder die Menschen „auf der Strasse“, die uns gefallen! Mit Englisch kommt man bei der jüngeren Generation gut weiter. Bei den „Reifeflecken-Menschen“ reicht ein Lächeln. Und es wird prompt auch mit einem Lächeln geantwortet!

Portugal. Film-Empfehlung „Land im Sturm“, von 2018. Prämiert. Sahen wir am 11.06.2020 auf ARTE. Kurzweilig! Thema, die Verarmung einer Großgrundbesitzer-Familie – und der Arbeiterklasse, in den Umwälzungen nach dem Weltkrieg über die Nelkenrevolution 1974, bis in die 90.ziger Jahre.

1976. New York. Broadway-Musical „A Chorus Line“. Premiere 1975. Aus dem Stegreif wurde es ein Welterfolg. Wirklich in jedem Käseblatt las man darüber. Natürlich wurde auch ich neugierig. Erzählte es Hans Gerling – mit Dackelblick. Sprich, ich bat ihn zu klären, ob man nicht doch Tickets des immer ausverkauften Stücks organisieren könne. Er lächelte und sagt, ja. // Sein Office in N.Y. wurde angewiesen, mir den Eintritt zu verschaffen. Dies gelang. Mein Flug und Hotel wurde gebucht. Abholung erfolgte am Airport von einem seiner Direktoren. Und ich konnte es kaum abwarten, das Aktuellste, wichtigste Kulturstück von damals zu erleben. Gefiel es mir? Nein. Eher nicht. Zu zäh und weinerlich. Natürlich wurde sehr gut getanzt, gesungen. Die Ausbildung der Showstars in den USA ist hart und gut. Doch die Story? Nee. Aber ich war dabei!

1977. Paris. „Viertel Marais“. Es folgte nach de Gaulles Rücktritt 1969, der Genießer und kulturinteressierte Staatspräsident Georges Pompidou. Er hinterließ ein modernes Museum, auf dem ehemaligen LKW-Parkplatz des ausgesiedelten Großmarktes, der berühmten „Les Halles“! Unvergessen, jahrelang vorher, dort zu bummeln, zu gucken, zu essen, rund um den Gebäude-Markt-Komplex. Es gab damals noch zig Bistros. Und immer ähnlich von Innen: Mir Leder bezogene, rote oder grüne Bänke an den Wänden. Darüber umlaufende Spiegelfriese, dami ein Gast nicht nur gegen eine Wand, oder nur sein Gegenüber sah. Und – immer saß man eng. Herrlich! // Das Museum heißt in Kurzform „Centre Pompidou“. // Der Staatspräsident Pompidou wollte „aufdrehen“ gegenüber der damaligen, führenden Welt-Kunstmetropole New York. // Ein für mich, hässlicher Bau, aber hocherfolgreich. // Neueröffnung 1977. Die Pariser sprechen von der „Raffinerie“. // Mit Hans Gerling war ich zur Eröffnung dabei. Wir waren entsetzt! Daher verschwanden wir trotz vorteilhafter VIP-Situation und gingen essen. // Heute ist das ehemalige, arme, heruntergekommene „Viertel „Marais“, im 4.Arrondissement, ein Arbeiterviertel, IN! Das Museum und die angeschlossenen Bibliothek, Musik-Institut mit Probiersäle, für den weltweit geachteten Dirigenten und Komponisten Pierre Boulez, hat in Frankreich die meisten Besucherzahlen! Es bleibt: ich finde es schrecklich! // Dank unseren engen Freunden Volker Schmidt und Bernd Grün, Köln, haben wir das Viertel auch als Adresse für Hotel-Übernachtungen und Ausgehen entdeckt. Seit ca. 2010. // Junge Mode, junge, internationale Menschen. Alles ist dort quirlig und kurzweilig. Mit kleinen, guten Bistros und Bars. // Davor und immer wieder noch, genossen und wohnen JCB&ich in Paris, jahrzehntelang, in unserem „Kunsthandel- und Intellektuellen-Viertel, Rive Gauche“. // Dort nahm ich ja die Idee her, auch in Düsseldorf in der Carlstadt, ein Kunstzentrum zu gründen. Ein Werbeverein für sechzig Kunsthändler. Und für die Stadt! Parallel, hinter der Bankenseite der Kö. // Drei Jahre war ich deren Gründungs-Vorsitzender. // Örtlich identisch: Im Quadrat angeordnet, parallel verlaufende Straßen. Militär-Viertel ursprünglich.

1980 New York. Zufällig traf ich dort Rainer Werner Fassbinder und seine Clique auf der Christopher Street. DIE Strasse für Künstler, Lebeleute und alle, die auch Skurriles vertragen. Männerlastig. Halt alles tauchte dort auf, was Gott geschaffen hat. Das ist auch heute noch so, 2020. // Wie es manchmal so sein muß, trafen wir dort auch den Filmemacher Rosa von Praunheim. Er begrüßte mich. Fassbinder und Co, blieben einfach nur so stehen. Fassbinder und Praunheim waren zerstritten. Fassbinder mochte ihn anfangs sehr. Arbeitete mit ihm und für ihn. Später mochte er ihn nicht mehr. Weil von Praunheim zu sehr seine Schwulität vermarkten würde. Andere damals „outete“. Die Gesellschaft war aber mehrheitlich noch nicht so weit. // So outete er Praunheim den hocherfolgreichen, beliebten Alfred Biolek. Entsprechend groß war der überregionale Medienrummel. Biloek, ein netter kluger Kerl, war entsetzt, völlig unsicher geworden. Doch wirklich keiner entzog ihm Sympathien. // In New York konnte ich erreichen, das Fassbinder und von Praunheim sich wieder die Hand gaben. Das ist halt mein Ding, das entknoten. Es gelang, weil ich es ja auch mit beiden gut konnte. Na bitte. Geht doch! // // // Jahre später. Als ich mal in Köln von Praunheim traf, mit einer – für mich – hässlichen Stone-Washed-Jeans, ihn damit aufzog, kam es zu einem langen Bierabend und so. Er war ein hübscher, interressanter Bursche! (1942 wurde Praunheim als Holger Radke in einem Zentralgefängnis in Riga geboren. Seine Mutter verhungerte 1946 in einer Psychiatrie).

1980-1995. London. Da ich mit Antiquitäten und moderner Kunst gleichzeitig anfing, in 1978, war es wichtig, früh aufzustehen. „Kunst“ – von Ware sprechen wir in diesen Kreisen nicht, suchte ich wie viele andere Händler, auf den Floh- oder Antikmärkten, in Paris, Brüssel, Namur und in London. // In Bayreuth lernte ich während der Wagner-Festspiele einen Burschen namens Volker Zeitler kennen. Mit seinem Schäferhund vor einer Bar sitzend. Ihn fragte ich, wo denn hier was los ist in Bayreuth, um Frauen aufzureißen. Na, nicht einfach, sagte er. Aber ich treffe morgen meine engen Freunde, Inge&Hanjo. Dort nehme ich Dich mit, da Hanjo auch Antikhändler ist. // So kam es. Und es entwickelte sich, bis heute, 2020, mit dem Ehepaar Fritzsche eine enge Freundschaft. Egal, ob man sich nur einmal im Jahr trifft, wir haben guten Kontakt behalten. // Hans Joachim, „Hanjo“ mochte meine rheinische, lockere, offene Art meiner Erzählungen. Unser Wissen ergänzte sich, für gut laufende Gespräche über Kunst. // Er lud mich ein, zu seinen Geschäftstouren nach London, mitzufahren. Das fand ich klasse. Auch, weil ich von ihm lernte: ER ist der geborene Händler! Clever, wissend, belastbar, kreativ. Und lustig. Nie waren unsere Treffs langweilig. // London: Sein Fahrstil, mit seinem Lieferwagen, morgens um 5.00 Uhr, quer durch das leere London – beängstigend. Mit einem Affenzahn sauste er durch den Linksverkehr. Und er lächelte, weil mir fast schlecht wurde. // Wir erreichten den berühmten „Bermondsey-Market“ etwa. Mit Taschenlampen wühlen sich Interessenten dort durch. Hier werden Millionen morgens umgesetzt, ob Angebote auf der Bodendecke oder an klappbaren Tischen, wußte Hanjo. // Da ich ja nicht nach Juwelen schaute, sondern nach Art Deco und Jugendstil-Dinge, oder nicht wie Hanjo, „Deutsches“ aus dem 18.Jahrhundert, trennten wir uns. Wir verabredeten uns in einer bestimmte Teebude zum Frühstück. // Und dann kam es: Hanjo strahlte, zeigte mit zwei Pistolen und sagte: Siegfried, diese Tour bist Du zu allem eingeladen. Ob unsere Hotel-Zimmerchen, Essen, oder Benzinanteil. Gleich fahren wir nach Sothebys mit diesen Dingern. Dort liefere ich sie ein. Das reicht mir dann für einige Zeit, um „Miete“ zahlen zu können…! Er hatte aus der bedeutenden „Büchsenmacherei-Familie Johann Jacob Kuchenreuter“, 18. Jahrhundert, Handfeuerwaffen ergattert! Die Kunden von denen waren, Napoleon, Zaren, Kaiser und Könige, Fürsten wie Thurn und Taxis! Sagenhaft! // Hanjo, Deine kleinen blauen, strahlenden Augen, haben oft „Großes“ entdeckt!

1980 – Ägypten. 11x war ich dort! // In meine Kunsthandlung kam fast lautlos herein, ein Bursche, wohl 24 Jahre alt etwa. Er stellte sich als ein ägyptischer Student vor, der sein Studium mit Verkäufen mitfinanzierte. Begleitet wurde er von einer Studien-Freundin, wie er vorstellend sagte. Sie war bildschön, rassig, pechschwarze Haare, prägnante Wangenknochen, Brille, die sie besonders interessant machte. Leider verstarb sie noch als Studentin. Ihr Vater war der Präsident der Abgeordnetenkammer in Kairo, hörte ich danach. // Karim hatte etwas nicht Fassbares. Weder sah er Deutsch aus, noch Exotisch. Unruhe verspürte ich nicht, sondern ein Vertrauen, Neugierde. // Er zog aus seiner großen Sporttasche Messingleuchter heraus. Bot sie an. 5DM das Stück. Sie sahen weder alt noch neu aus. Aber für mich verkaufbar. Also erwarb ich einige. So ging das Monate weiter. Denn, diese Dinger gingen weg wie Semmel! Verkaufspreis 35DM – 70DM! // Langsam taute er auf. So traute ich ich mich Fragen zu stellen. Woher kommt er genau her? Geboren in Dortmund, die Heimat seiner Mutter. Aufgewachsen in Kairo. Deutsche Mutter, Vater Ägypter. Zwei Pässe. // Nun studierte er in Dortmund. Wie auch seine Freundin. // Mehr als vier Sätze ließ er anfangs nie raus. // Doch dann fragte er mich, ob ich schon mal in Ägypten war? Nein. Dann lade ich sie dazu ein. Er würde sich um den Flug und das Hotel in Kairo kümmern. Seine Familie sind Reiseunternehmer. Bums! Das überraschte mich. // 3 Wochen später war ich in Kairo. Organisiert von Karim, für mich und seine deutsche Freundin Wera, eine hübsche Polospielerin. // Mit Egypt-Airline flogen wir. Ohne Karim. Er würde eine Woche später nachkommen. Wie ich erfuhr, mit Lufthansa! // Abgeholt wurden wir in Kairo von seinem „kleinen“ Bruder Sherif und einem Chauffeur. Keine Zollkontrolle. Ein Offizier führte uns seitlich an allen Touristen vorbei. Nett! // Gast war ich bei seiner Familie. Sie wohnen in ihrem Hotel Victoria. Eher unbedeutend aussehend. Doch es ist ein legendäres Hotel. Zig berühmte Schriftsteller wohnten dort im 19. und 20.Jahrhundert. Jedes Zimmer trug den Namen eines Schriftstellers. // Die oberste Etage bewohnt die Familie. Personal schwirrte herum, immer lächelnd, in blauen, sauberen Kitteln. // Wera und ich wurden 5Tage auf eine „klassische“ Besichtigungstour gesetzt. Jeden Tag was an anderes. Organisiert war vorher alles von Karim. Daher reiste er später an. Denn keinesfalls wollte er zum zigsten Mal diese auch anstrengende Tour mitmachen! Aufstehen um 5Uhr morgens ist sowieso nicht sein Ding. Viel Arbeit sehr wohl! Clever war alles gut organisiert. Mit Staunen sahen wir unfassbar tolles Historisches. Immer so um 4-5.000 Jahre alt. // Es gab ein Begrüßungsessen mit der Familie, in deren weitläufige Terrassenwohnung. Interessant die Sitzordnung an einem sehr langen, rechteckigen Esstisch: Vor Kopf der Vater, mit seinem typisch arabischen Kopf, mit grau-melierten krausen Haaren. Immer freundlich lächelnd, mit wachen Augen und intelligenten Gesichtszügen. Immer ruhig. Seine deutsche Ehefrau saß rechts daneben. Karim saß am anderen Tischende vor Kopf, als ältester Sohn und Nachfolger. Und ich, mittlerweile sein Freund, rechts daneben. Karims Freundin Wera saß links von ihm. Die anderen beiden jüngeren Brüder, Armin und Sherif, saßen halt an den Längsseiten. // Wera weinte! Sie konnte nicht verstehen, das erst dem Vater das Essen serviert wurde, dann Karim, dann mir, dann seiner Mutter, und danach erst Wera. Alle guckten Wera nicht an, wie Tränen die Wangen runterliefen. // Nach dem Essen nahm ich sie beiseite und sagte ihr: Du hast nichts über die Kultur von Ägypten gelesen, richtig? Nein, sagte sie. // Obwohl ich Karim und seine Familie ja überhaupt nicht näher kannte, war ich nun in Kairo! Doch JCB sagte vorher zu mir, also, er wäre ja zig mal in Ägypten gewesen, als junger, beruflicher Tennisspieler mit Tennispartner und Freund, Gottfried von Cramm. Wenn jemand so auftritt, ist das sicherlich seriös. Es gebe dort nur „Oben“ oder Unten“. Leider gebe es keine Mittelschicht wie in Deutschland. // JCB gab mir vorsichtshalber eine Telefonnummer mit. Von jemnanden, der zur ehemaligen Königsfamilie von Faruk gehörte. // Wie bereits erwähnt, wurde ich nicht angstvoll erzogen, sondern selbständig. Was konnte mir also schon passieren. Nur Gutes. // Und so war es auch. // Elfmal war ich in Ägypten. // Heute noch bin ich mit Karim eng befreundet. Kenne seine Entwicklung zum Inhaber des Familienbetriebes, wie auch sein Privatleben. // Zur Hochzeit mit seiner Miriam aus Hamburg, war ich selbstverständlich daher eingeladen. // Deren zwei Kinder, aktuell studierend, entwickelten sich richtig gut. Sie sehen blendend aus. // Leider kam es zur Trennung von Miriam und Karim. // Nach Jahren sprachen wir über unsere Entwicklung unserer Freundschaft. Und auch, wie er sagte, wie ich ohne Preisverhandlungen, diese Messingdinger abnahm. Ich: Lieber Karim, mir war klar, ich wollte den Kontakt. Was Du und Deine Familie im Laufe der Jahrzehnte an Summen für mich ausgeben habt, also, ich habe unternehmerisch richtig gehandelt. Lachen bei beiden! // Oft bekam ich von seinem Vater ein neues Auto in Kairo, damit ich Ausflüge machen konnte. Ein Peugeot 504 war damals oft das Modell. Robuste Kiste, mit der ich viel erlebte….Alleinige Nachtausflüge in Vordörfer von Kairo etwa. Nur Bier und Zigaretten nahm ich mit. Lustige, neugierige junge Ägypter waren ausgesprochen einfühlsam. Eine Gruppe junger Burschen spielte nachts, auch wegen der starken Tagestemperaturen, Tischtennis. Dabei, ihr Lehrer. Doch der verzog sich immer als erster. Das war hilfreich…Oft machten wie zu fünft Autonomeren zu der Giseh-Piramide. Parkten und freuten uns, wie schön das Leben ist. Und immer wurde auch viel gelacht. // Seit Jahren geht das alles nicht mehr. Einige religiöse Fanatisten erschrecken nicht nur die Ausländer. Die Attentate nahmen zu. Alleine nachts durch Kairo, durch die Altstadt, in die 24-Stunden-Cafes heute, 2020? Unmöglich! damals empfahl ich meiner Kölner Freundin „Schotti“ alleine nach Kairo zu fliegen. Auch sie konnte als Frau, morgens um fünf Uhr, alleine zu Fuß ins Hotel gehen. Die auch engen Altstadtstrassen waren nicht gerade mit Licht überflutet! // Über Kontakte konnte die Gute, mutige, auch nicht klagen. // Hartes gab es aber auch! Einen Sandsturm auf dem Rückweg von Alexandria nach Kairo. Das ist keine amüsante Sache! Es wurde plötzlich dunkel. Es knisterte und prasselte Unmengen Sand gegen unseren Peugot 504. Besonders gegen die Frontscheibe! Die vielen LKW,s die uns entgegen kamen, blendeten auf, statt ab: weil einige Fahrer oft einschlafen!!!! Man sieht nix mehr! Als Ältester fuhr ich. Auch, da Karim und andere, leicht beschwipst waren. Ich sollte die Verantwortung halt unternehmen, da ich nie so viel trinke. Und sie wußten, durch unsere verrückten Sanddünen-Ausflüge mit Vierradantrieb-Autos, einfachste Kisten, das ich beherzt und gut fuhr. Verstand, das man nicht beim rauffahren auf die Sanddünen, nicht steckenblieb. Im richtigen Moment halt schalten, und Gas geben, das war es worauf es ankam! Mühselig kamen wir in Kairo an. Am nächsten Tag wurde, veranlasst von Karims Vater, die Frontscheibe ausgewechselt. Normal, sagte man mir. // Gerne noch dies: Damals entwickelte sich Hurghada am Roten Meer zum Touristenzentrum. Zig Meer-Landstücke hatte seine Familie und die Familie seines Vaters, längst erworben. Hotels wurden gebaut. // Irgendwann war ich mal wieder dort. Da es einen Tag vor der Eröffnung eines weiteren Hotels kommen sollte, natürlich nicht alles rund lief, wurde ich eingesetzt, um Putzkolonnen zu führen. Also, ich zeigte was zu tun ist, sie machten es sofort richtig gut nach. Lachend. Das ägyptische Volk gilt als klug, schnell aufnahmefähig. Daher wurden Arbeiter oft für viel Geld in andere arabische Länder vermittelt. // Die Eröffnung kam. Präsident Mubarak auch. Karims Vater war mit dem Tourismus-Minister befreundet. Daher dieses „Theater“. //

1982. Fesselballon fahren. Seit 1978 bin ich ja als selbständiger Kunsthändler unterwegs. Da mein Geschäft hinter der Königsallee-Bankenseite lag, ein paar Schritte von dem beliebten „Tagesmarkt Karlplatz“ entfernt – die Millionenstadt Köln hat dies leider auch nicht! – fielen mir auch illustre Besucher durch die Geschäfts-Türe. Auch aus den Ruhrgebietsstädten. Etwa Essen. Schließlich gilt auch heute noch, Düsseldorf ist eine der attraktivsten Einkaufsstädte in Deutschland. Damals sagte man auch, der Schreibtisch des Ruhrgebietes. Eher eine Angestellten-Direktoren-Metropole statt eine Arbeiterstadt wie das auch angenehme, aber andere Köln. // So lernte ich einen Kunden aus Essen kennen. Ein Arzt, mit seiner Lebensgefährtin. Wir verstanden uns. Daher lud er mich eines Tages ein, mit ihm als Pilot, Fesselballon zu fahren. Gegen einen Unkostenbeitrag von 400DM für zwei Personen. Abweisend reagierte ich: Leider könnte ich keine Höhe vertragen, da würde mir wohl schlecht. Nein, nein, sagte er, da „Oben“ ist es sehr ruhig. Niemals könnte er da was Falsches sagen. Das hätte ja in dem kleinen Korb , mit vier Personen, komplizierte Folgen. Ich glaubte ihm. // Nur einer von meinen engen Freunden, die ich ansprach, wagte es, die Tour mitzumachen: Can Pieer Ekim, damals 22Jahre, Cousin eines Kunsthändlerkollegen und Geschäftspartner. // In Mülheim an der Ruhr ging es Vormittags los. Was für ein toller, romantischer Anblick, dort auf der Startwiese! Wohl zehn bunte Fesselballon warten auf ihren Start. // Der vorgeschriebene Ko-Pilot, ein Freund des Arztes, von beiden habe ich den Namen gerade nicht im Kopf, war ein älterer Bergwerkdirektor. // Wir bekamen hohes, festes Schuhwerk an. Und Lederhandschuhe. Alle stiegen wir in den Flechtkorb. Er war nicht größer als ca. 1,20×1,40 Meter Bodenfläche, mit 1,10 Meter hohen Aussenwänden. Kleine Sandsäcke waren daran innen befestigt, an umlaufenden Seilen. Auf dem Boden lag ein dickes Seil. Das „Landetau“. Oh Gott, dachte ich! // Mitgebracht hatten wir, ein MUSS der Gäste, zwei Flaschen Champagner. Wachteleier und Knabberzeug brachten die Piloten mit. // Das erforderliche Begleitfahrzeug mit einachsigen, kleinen Anhänger, fuhr die Lebensgefährtin. Mit Funkgerät zu uns verbunden. // Unglaublich, der Start! Mit relativ hoher Geschwindigkeit, sauste unser Fesselballon, in einer Bogenlinie, lautlos, in den blauen Himmel. Das war so schön, so angenehm! Besonders dann der Blick, als wir eine gewisse Höhe erreicht hatten. Sagenhaft! Und das Besondere: Es ist dort oben, unglaublich leise. Wir durften nur Flüstern. Sonst wäre es unangenehm laut für uns alle geworden. Und da wir nur einen Gasballon hatten, hörten wir auch in einem Kilometer Höhe, wie sich Kornfelder im Wind, bewegten. // Einen Traktor sahen wir, das heißt, erst hörten wir ihn. Sein Motorengeräusch war unangenehm, unglaublich laut. // Und – es war, wie angekündigt, kein Wackeln, keine unruhige Bewegung des Kobes zu spüren. Nichts! Wir fühlten uns wohl. Genossen dieses Abenteuer. // Jeder Gast wird getauft. Mit Champus. Mein Name: Siegfried von Ascheberg! Weil wir halt über diesen Ort schwebten. Herrlich! Leider erinnert sich Can und ich nicht mehr, wie sein Taufnahme ist. // Natürlich tranken wir den Champus aus, aßen die leckeren Wachteleier. Später machten auch die leeren Flaschen Sinn. Einfach für Männer, Köperflüssigkeiten wieder loszuwerden….// Dann geschah es. Wir trieben in Richtung Hannover. Immer mit Funkkontakt zum Begleitfahrzeug. Schließlich mußten wir ja irgendwo landen, um eingesammelt zu werden, für die Rückfahrt. // Dummerweise tieb uns der Wind über den Flughafen von Hannover. Ein plötzliches Gebrüll aus dem Funkgerät erreichte den Piloten: Verschwinden sie sofort in die Höhe. Hier ist eine Sicherheitszone des Flughafens. Los weg, ganz schnell. Der Pilot handelte. Es wurden einige Sandsäcke geleert. Wir stiegen auf sagenhafte 2,4 Kilometer, wir später auch der Flugschreiber notierte. Bitte, als Laien war das schon komisch. In so einem kleinen Korb, so hoch zu steigen und zunächst zu bleiben. Doch Angst hatten wir nie. Die bekamen wir später, beim Landeanflug irgendwo auf eine Wiese. // Doch zunächst gelang es beim ersten Mal nicht, schnell runterzukommen. Überland-Elektroleitungen tauchten auf. Wir als Gäste hatten wir vorher auf Befehl, das dicke Landetau runtergelassen. Daher die Handschuhe! Doch dann schrie der Pilot: Tau einholen. Schnell, schnell. // Was in Fahrtrichtung geschah, konnte wir beiden Gäste nicht sehen. Wir standen ja immer mit dem Rücken zu den Piloten. // Es folgte nach wohl 10 Minuten Weiterfahrt – man spricht tatsächlich von Fesselballon fahren, der zweite Landeversuch. Der gelang. Fast: Wir Gäste mußten sich wieder niederknien. An umlaufenden Innenseilen, wo auch die Sandsäcke dran hingen, mußten wir uns festhalten. Wie gesagt, mit dem Rücken zu den Ereignissen. Und dann holperte es mächtig, der Korb hob sich, senkte sich, tanzte, rutschte auf dem Boden, in Schräglage über eine nicht glatte Wiese. Can und ich sahen ja nichts, spürten aber mächtige Stöße. Ruhe. Der Korb lag still. Wir strahlten – alle. Das Gesicht des Piloten entspannte sich. Ja, er trägt viel Verantwortung! // Der Ballon war schon ziemlich ein bunter Plastikhaufen. Wir krabbelten aus dem Korb und sahen, er war völlig zerstört, verbogen, aus der Form gebracht. Plötzlich schrie Can: Kühe! Sie rannten auf uns zu. Sie hatten sich erschrocken. Der Pilot sagte nur, stehen bleiben. Nichts tun. Sie werden stehen bleiben, wenn sie nahe genug bei uns sind. So war es. Doch Can rannte bereits weg, unser jüngster. Hihi, lieber Can, nun habe ich dich verpetzt! // Das Begleitfahrzeug kam und Menschen, die uns beobachtet hatten, aus dem naheliegenden Dorf. Fragten, ob wir Hilfe bräuchten. // Nachdem alles verstaut war, stiegen wir ein. Fuhren zu einem Restaurant, welches die Begleiterin längst ausfindig gemacht hatte. Ritual auch das: Sie wurde eingeladen. // Würde ich nochmals Fesselballon fahren? Nein. Einmal auf den Spuren der Gebrüder Montgolfiere von 1783, das reicht. Das war und bleib ein einmaliges, tolles Erlebnis. Eine besondere Kurz-Reise von ca. vier Stunden. Normalerweise ist man um die zwei Stunden unterwegs. // Aber empfehlen kann ich es, das Fesselballon fahren. Keine Frage. // Leider haben Can und ich, unsere Aufzeichnungen, und die Urkunde des Luffahrtamtes von Mülheim, verlegt. Wie auch eine Menge Fotos. Das verdanken wir wohl unseren vielen Umzügen! // Can und ich sind immer noch eng befreundet. Dieses Erlebnis hat uns wohl zusammengeschweisst. Selbst so manche Freundin von ihm konnte uns nicht stören. // Schon garnicht will dies seine Ehefrau seit Jahren, die wunderbare und auch schöne Johanna. Auch JCB und ich, sind eng mit ihr befreundet!

1990 – Dublin. Sprachreisen & Guiness-Bier. Weiterbildungskurse – das war mein „Tick“. Im Jahresrhythmus buchte ich 14-tägige Sprachreisen. Entweder in Englisch sprechende Städte oder in spanische Städte. Nun kam Dublin. Meine Mutter vertrat mich in meiner Galerie, wie üblich, wenn ich auf Reisen ging. Sie hatte längst eine eigene Fangemeinde. Ich bat sie, nur nicht so zu tun, als wenn sie vom Fach wäre. Nur sagen brauchte sie: mal schauen, was mein Sohn aufgeschrieben hat. Das kam gut rüber. // Meine gebuchte Sprachreise brachte mich zu einer Familie mit drei erwachsenen Töchtern. Die oft auf Reisen waren. Daher war ein Gastzimmer frei. Sie wohnten außerhalb von Dublin. Ein schönes Haus. Ein wunderbarer, großer, blühender Garten. Aufgebaut, gepflegt von der Hausherrin Ruth. Während meiner Zeit dort bekam sie dafür von der Gemeinde einen Preis! // Ruth ist die Ehefrau eines Managers von – Guiness! Einer der fünf Manager. Er war zuständig für den Geschmack des dunklen Bieres. So lernte ich, das Guiness für den europäischen Kontinent etwa, ein milderes Bier verkaufte. Dies hörte ich bei einer Führung von ihm in seinem Konzern. Klasse, ein Glücksfall, diese Familie. Doch nicht in allen Punkten: Es gab kein Alkohol in deren Haus! Unfassbar für mich. Unvorstellbar. Doch ja, so etwas gibt es. // In dieser zeit hatte eine Tochter Geburtstag. Es gab daher für deren Freunde, ein Abendessen. Ich half Ruth beim Einkaufen. All dies war ja auch gut, um Englisch zu sprechen. Im Discounter drang ich darauf, das ich Wein spendieren wollte für den Abend. Ruth war entsetzt. Und sie sagte, zwei Flaschen reichen. Für acht Personen. Nee, das ließ ich nicht zu. Wäre bei uns peinlich gewesen. Daher nahm ich sechs Flaschen mit. // Ruth fuhr mich in ihrem Mini oft abends zu einer Seemannskneipe. Knallvoll war der Laden. Manchmal spielte jemand Gitarre und sang dazu. Die mehrheitlich männlichen Gäste sangen mit. Schon klar, dort wurde „gesoffen“! // Witzig, wenn die zum Schluß, ich glaube es war damals 22Uhr, kann aber auch 21 Uhr gewesen sein, die Glocke über dem Tresen bimmelte zum „Last Pint of Guiness“. Dann bestellte fast jeder noch ein oder zwei Glas. Ein Glas, etwas mehr als ein halber Liter. Man stellte es vor sich hin, auf dem Boden. // Nicht witzig dann dies: Irgendwann pöbelte mich mal ein Betrunkener laut an. Machte den Hitlergruß und rief auch Deutsch: Heil Hitler! Ich sagte nichts. Sofort kamen zwei Kellner und warfen den Kerl raus. Das fand ich klasse. Die anderen lächelten mich an, fassten meine Schulter. Und schon fühlte ich mich wieder Willkommen. Fünf Prozent Ausfallendes gibt es in jeder Gesellschaft. //

1995. New York. Galerie-Geschäftsreise mit Prof. Elmar Zorn, meinem Vertragspartner als künstlerischen Berater. Auch in N.Y., dabei, Kumpel Maik Hoffmann, der PC-Spezialist, aus Mönchengladbach. Gott Lob, ohne seine damalige, mysteriöse Martina. // Natürlich wollten Maik und ich in ein Broadway-Musical. Ich glaube, es war „Beauty and the Beast“. Die Schöne und das Biest. // Szene vorher: Fast wäre ich vor dem Eingang verhaftet worden. Oder angeschossen! Maik und ich waren vor dem Eingang verabredet. Wir wußten aber nicht, das auf der Theaterrückseite, in der Parallelstraße, auch ein Eingang war. Die Uhr lief. Ich wurde nervös. Alle Zuschauer schienen drin zu sein. Plötzlich tauchte mit relativ hohem Tempo, eine weiße Stretchlimousine auf. Davor und danach, schwere, schwarze SUV,S, Modell Hummer. Bodygards mit Maschinengewehren sprangen zuerst herraus. Sicherten das weiße, hässliche Auto-Ungetüm sternförmig ab. Dann öffnete man die Limousine. Es kam der damalige Bürgermeister „Rudy“ Giuliani. Den erkannte ich, dank Zeitung lesen. Sein Markenzeichen damals: der Schrecken der Verbrecherbekämpfung in N.Y. Mit Erfolg. Indem er Kriminellen auch an den Stadtrand drängte. N.Y. war damals furchtbar mit Krimi-Delikten überhäuft. Okay. // Da ich ein Tourist war, das Promi-Vorfahr-Schauspiel filmreif fand, griff ich mit der rechten Hand in meine Aussenjackentasche, um meine Kamera herauszuholen. Sofort sprangen mich zwei Muskelberge an. Einer dreht mir den Arm nach hinten, entwendete mir die Kamera. Sie kontrollierten mich. Ich hatte Angst. Man stelle sich vor, einer von denen hätte mich sofort ins Bein geschossen und so! Statistisch gesehen, wäre das wohl einem Farbigen passiert. Schließlich war der oberste „Rudi“ der Weltstadt, der bekannte Schrecken der Verbrecher-Banden. // Der Bürgermeister guckte mich an und grinste. Warum blieb er stehen, ging nicht ins Theater? Weil seine Frau zurück ins Auto kroch, um ihre Brille zu holen, wie ich sah. Wie gesagt, ich stand vor dem Eingang. Alles war ziemlich nahe. Längst war Maik aufgetaucht, sah, was Sache war. Wie reagierte Maik? Auch er grinste, weil es absurd komisch aussah. Nun ja. Ich war nervös und still geworden. // Das Ehepaar ging hinein. Wir natürlich mit Abstand hinterher. Dafür sorgten seine bewaffneten Jungs. Und wie es der Zufall so will, sassen wir auf dem Balkon in der dritten Reihe, und in der ersten Reihe, der „Rudy“! Er sah uns, weil wir die letzten waren, die rein durften. Wieder grinste er mit seinem „magenkranken“, faltigen, bebrilltem Gesicht. // Wie alle Welt weiß, ist er heute, 2020, der Anwalt, der „Dobermann“ von dem Präsidenten mit gelber Fönfrisur. Von beiden werden wir noch viel juristisches Zeug lesen, wenn diese Präsidentschaft vorbei ist. Wetten!

2010 Thailand & Co. Fünf mal waren wir in den folgenden Jahren dort. Zunächst ging es immer nach Chang Mai. Dort lebte ein Freund, ein Thai in seinem schönen Reihenhaus, im Januar und Februar. Dann ging er zurück nach Amsterdam , zu seinem Thai-Restaurant. // Von Chang Mai startete unsere Freundesclique Touren in die Nachbarländer: Laos, Kambodscha, Vietnam, Myanmar. // Kleine Erinnerungen hier: Immer erlebten wir in all diesen Ländern, sehr viel Freundlichkeiten. Immer! Die Tour in Vietnam war besonderes interessant.

Start war im Norden, in der Hauptstadt Hanoi. 6 Millionen Einwohner. Kaum Autos. Zu 90% Fahrräder und leichte Mopeds. Das Besondere: Der Reiseführer sagte, bitte gehen sie mit mir mit gleichbleibenden Tempo, über die sehr breiten Strassen. Lohne nach Rechts oder Links zu gucken. Bloß nicht stehen bleiben! Dann wird’s gefährlich. Wir gaben uns einen Ruck und folgten ihm. Und siehe da, wie jesus fühlten wir. Nicht Wasser teilte sich um uns herum, sondern der Megaschwarm der Fahrräder und Mopeds. Wirklich, so war es. So ist es dort. Nichts passiert. einfach die Straßen überqueren. sagenhaft!!! Die Hauptstadt Hanoi erinnerte mich an Köln. Will sagen, eher Arbeiterstadt, Kleinbürgerlich. // Mit dem Bus ging es weiter nach Saigon / Ho-Chi-Minh-Stadt, ist das Gegenteil. Wie Düsseldorf. Einwohnerzahl um 9 Millionen. Der wirtschaftliche Mittelpunkt. Es pulsiert dort anders: Viele Autos und Ampeln. Viele Krawattenträger und Frauen in hübschen Kleidern. Ganz andere, auch elegante Hotels und Restaurants.

Myanmar – früher Burma. Ja, das gab es damals noch. Vor Ende des Militärregime. Ein ganzes Land ohne eine einzige Plastiktüte, ohne Plastik. Fast keine Straßen. Hauptsächlich Wasserwege. Flache Boote mit laut knatternden Motoren. So gut wie keine Hotels. Alles schlicht, sehr sauber, sehr höflich. Übernachtung 10€. // Gechartert war ein großes Boot, auch laut, na klar, wo wir alle auf Stühlen saßen. In der Mitte ein Tisch. Mit gestickter Decke. Blumen, gut eingedeckt. Das Essen wurden serviert. Jeder Wunsch wurde schnell erledigt. Unbeschreiblich, wie lieb das alles war! Vom Hotel aus, mieteten wir immer „Tuk-Tuks“. Die Flitzer bestehend aus Mopeds mit Sitzbank dahinter. Herrlich. Und immer witzig, albern waren die Burschen. Sie freuten sich über uns, die Besucher, diese Bleichgesichter. Immer hatten sie Ideen, wo was los war an festen und feiern, Märkten. Geduldig warteten sie. Gaben Tips, mit Händen und Füßen, denn Englisch sprach kaum jemand. Das war eine der tollsten Reisen. // Jahre später flog Präsident Obama hin, mit Konzernbossen. Ja, nun wird es sicherlich auch Plastik dort geben!

Anmerkung: Bis 2014 gab es guten, jährlichen Kontakt zu den beiden Organisatoren, die auf Ibiza leben. Gut von denen vorbereitet, erlebten wir wunderbare Reisen. Außergewöhnlich und interessant. Dank an die Organisatoren, ein Dr. jur. mit seinem dänischen, langjährigen Freund, ein ehemaliger Banker. Das soll aufzeigen, es handelt sich um keine Dummköpfe. Doch was heißt das schon! Leider neigte der Dr. jur. zur Kniepigkeiten. Die Restaurantrechnungen wurden, wie besprochen, immer durch alle geteilt. Oft wurde uns aber von ihm vorgehalten, das unsere Weine teurer sind. Im Gegensatz zu deren Bieren. Irgendwann knallte es. Dr. jur. war nicht bereit das länger so zu handhaben. Kein Problem für uns andere. // Doch wir nahmen eine Restaurantrechnung mal mit nach Hause. Rechneten nach, wer was bestellt hatte. Wenn ich schon so anfange, wird jedem klar, das es peinlich wurde für unseren Dr. jur: Die beiden mit Ihren Bieren und mit den vielen Countreaus hinterher, waren 20% teurer als unsere Weine! Das habe ich mit lieben, witzigen Worten, allen per Email mitgeteilt. Mit der Bitte, doch keine Vorwürfe mehr zumachen. Die Folgen: Dr. jur und der Däne benendeten meine Freundschaft zu ihnen. Und zwar überhaupt nicht elegant: Zum 60. Geburtstag des Dänen, am 13.10.2014, wurde nur JCB schriftlich eingeladen. Ich nicht. da dachte ich, ein Versehen. Per Email fragte ich zurück, das nur JCB eingeladen ist? Ja, antwortete schriftlich der Däne. Das fanden JCB und ich megapeinlich. Keiner ging also hin. Das wars dann. // Natürlich informierte ich alle anderen über diese Entwicklung. Deren Kommentare gehören hier nicht hin! // Also einmal wollte ich hier Dorftratsch abliefern. Nur deswegen, weil der gute Dr. jur. vor Bildung überquillt, es gerne zeigte, und doch so kleinkariert ist, oder wie man das bezeichnen soll. Witzig, das Ganze. Kreise verändern sich. Normal! Und noch mehr Thailand-Reisen oder ähnliches, wollten wir sowieso nicht mehr machen. Das passt alles gut zusammen. Doch lustig fanden auch die anderen diese Art und Weise, überhaupt nicht!

2012. 21. Februar. Bangkok. Einladung ins Restaurant „Lord Jim“, im weltberühmten Hotel „Mandarin Orientel“. // Auf Mallorca bekam ich als Galerist guten Kontakt zu Roland Trettl. Er war Spitzenkoch mit Stern, im Ort Sóller, im Restaurant „Cas Xorc“, auf der Isabel-Strasse. Trettl, damals noch blond, ein Freund von Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann, bzw. sein Geschäftspartner. Dank diesen Tirolern durfte ich mich vorstellen, bei dem Restaurant-Gesamtleiter im Orientel, mit 120! Angestellten, Direktor Norbert Kästner. Sofort kam eine Email, mit seiner Einladung. // Nichts ahnend ließen JCB und ich, uns per Hotel-Fähre von von unserem Hotel Peninsula, dem modernen Wettbewerber, auf der anderen Flußseite, zum Orientel fahren. Doch dieses ehrwürdige, alte Traditions-Hotel hatte in den letzten Jahren zig Millionen investiert. Müßen! Klar, die Wettbewerber waren in Sichtweite aufgebaut worden. // Wir wurden statt auf der Terrasse draußen gerne sitzend, ins Hotel gebracht. Wir folgten dem Restaurantleiter vom „Lord Jim“. Ein langer Gang, mit blitzsauberen, nicht hohen, aber ebenso langem Aquarium führte in ein Panoramablick-Restaurant. Halbbogen. Alle Glas. Und genau in der Mitte am Fenster war für uns gedeckt. // Peinlich, sagte JCB, wir haben nur einen schwarzen Pullover an. Alle anderen Gäste saßen in bester, dunkler Kleidung, mit Anzug und Abendkleidern dort. Mit einem kräftigen Hallo, und einer großen Kochmütze, einer Kochjacke, gesteift und sehr sauber, kam der Boss Norbert Kästner um uns zu begrüßen. Alle guckten zu dieser Höflichkeit. Und er sagte: Sie bezahlen die Getränke. Wir das Essen! Bums. Da staunten wir. Er lächelte, hieß uns herzlich Willkommen, und verschwand. // Vielleicht waren es sechs oder acht Gänge? Ich weiß es nicht mehr. Doch in Erinnerung, es war eines der besten Essen, die ich bzw. wir erlebt hatte. Mit einem guten, professionellen, geräuschlosen Service! // Es kam Norbert Kästner – zum Schluß. Mit einer Hand hinter dem Rücken. Er lächelte und sagte: Hier habe ich aus meiner Heimat Tirol eine Flasche Latschenkieferschnaps. Davon trinken wir nun gemeinsam!