Hier auch noch alles ohne Korrekturen, Fotos etc.

Leben, um davon zu erzählen“. Buchtitel von Gabríel García Márquez, Nobelpreisträger.

Viele Künstler präsentierte und betreute ich im Laufe von 26 Jahren. Siehe Rubrik Künstler. Und zwar sehr gerne, mit viel Leidenschaft. Doch nur zu wenigen habe ich auch enge, private Kontakte. Bis heute, 2020. Dies ist bei den meisten Galeristen ähnlich. Wie sagte Prof. Jörg Immendorff wohl ironisch zu mir: Herr Blau, Künstler hassen Galeristen. Und Galeristen hassen Künstler, so meine sofortige Antwort. Daraufhin gaben wir uns lächelnd, professionell, die Hand.

Erzählungen zu jedem dieser, mir nahestehenden vier Künstler folgen unten. In 2020 fällt mir erst wieder auf, das es auch diese großen Vier sind, von denen ich am meisten Werke verkauft habe. „Abgeben konnte“, wie wir Kunsthändler sagen. Diese Verkaufserfolge sind natürlich kein Kriterium für Freundschaften. Das wäre ein Missverständnis. Keine Seite hätte das akzeptiert!

Irgendwie fange ich heute an, am 30.09.2020, diese starken Persönlichkeiten zu skizzieren. In alphabetischer Reihenfolge.

Horst Becking, Hagen, geb. 1937.

Ohne seine schöne, charmante und intelligente Ehefrau Sigrid kann ich mir Horst nicht vorstellen! Auffällig bei beiden: sie reden auch nach Jahrzehnten sehr viel und immer entspannt miteinander. Das habe ich eher nicht so oft bei Ehepaaren mit Reifeflecken bemerkt! Und unsere Dreier-Kommunikation ist ja auch die Basis unseres privaten Verstehens. „Weltthemen“ beschäftigen uns alle Drei. Wir sind erstaunt, wieviel Dummheit uns begegnet. Wir sind erfreut, was wir alles erlebt haben, genoßen haben. Unsere Erzählungen tragen wir mit ziemlich viel Humor und Gelassenheit vor. // Vor unserer ersten Ausstellung 1997 in Düsseldorf, lernten wir uns kennen und schätzen. Ein Sammler zeigte mir zwei Arbeiten von Horst Becking. Ich war begeistert. Und – veröffentlichte diese mit Künstlernamen in der überregionalen „Kunstzeitung“. Das entdeckte Horst Becking. Daraufhin rief er mich an. Und wie Horst mir vorhin erzählte, am 02.10.2020 per Telefon, war es langes, leidenschaftliches Gespräch. mit vielen Erkenntnissen und Übereinstimmungen. Ab da arbeiteten wir zusammen. Dabei blieb es. // Für Medien war ja eher ich zuständig. So vermittelte ich ein Studiogespräch beim Mallorca-Fernsehen für uns beide. Die Moderatorin Stephanie Drevsen – lustig, sie nannte sich selbst, das Gesicht von Mallorca! – war nicht überfordert, aber doch stark beschäftigt, beeindruckt über unsere einengende Dynamik. Unseren Auftritt gibt es noch auf DVD oder auf einer CD, so Horst heute Vormittag, am 02.10.2020. Gestern telefonierte ich ja mit dem Künstler Udo Dziersk. Alles wegen diese Skizzen hier. Und er war begeistert von Horst und seinen Werken. Udo erwarb eine prämierte Grafik von Horst seinerzeit. Die vom internationalen Grenchen-Preis, Schweiz. Heute sagte Horst, bitte grüße Udo herzlich. Auch er hat beste Erinnerungen an Udo. Na bitte. Gute Charaktere , die beiden! // Gute Eigenschaften hat auch der Sohn von Sigrid&Horst mitbekommen: Dominic ist ein mit viel trockenem Humor auftretende Zeitgröße. So nebenbei: Er ist Professor, Doktor der Informatik, an der Fachhochschule Bielefeld!.

Horst Becking: Von Anfang an gab es eine ziemliche Offenheit. Ein Vertrauen. Oft trafen wir uns an gemeinsamen Orten im In – und Ausland. Auf Kunst-Messen. Auf den Riesen-Ausstellungen, die man für Horst einrichtete. In Hagen etwa. Und immer wieder gerne führten uns die Wege in Restaurants. Ja, ja, lieber Horst, ich weiß, Du hast zu meinem ehemaligen Galeriepartner und immer noch Freund, Theofilos Klonaris mal gesagt, ich sehe gerne dem Blau bei seinem eifrigen Essen zu! // Ungeordnet sind auch noch diese Zeilen hier. Doch jetzt schon dies: Sigrid hat einen Schuh-Leidenschaft! Herrlich! Ihre Pumps – super, mit viel Geschmack, oft stark individuell. Ein Genuss, liebste Sigrid. Und auch deswegen habe ich Dir ab und dann auch die Füße in der Öffentlichkeit geküßt. Übertrieben, wie ich manchmal sein möchte. Apropos Küße.

Jeder Jeck ist anderes, sagen die Kölner. Horst begrüßt einige Männer mit einem Kuß auf den Mund. Horst ist nicht schwul. Er ist halt kulturell anders drauf. Auf den Mund küßend begrüßte mich auch immer Joseph Beuys. Becking war u.a. bei ihm Meisterschüler. Männliche Russen und Männer aus osteuropäischen Ländern tun dies bekanntlich auch. Sofort denken wir an das Foto Breschnew/Honnecker. Ein paar andere Hetero-Freunde sind auch so unterwegs. Etwa der Zimmermann Ralf Adler, Leverkusen-Schlehbusch. Siehe unter Begegnungen Adler. Oder Lauritz Koch aus Düsseldorf. Andrea und er haben zwei tolle Kinder. Und Andrea sagte anfangs: Lauritz, Du küßt den Siegfried auf den Mund! Das wiederholte sie. Lauritz: Andrea, die Zunge ist für Dich!

Horst Becking. Internationaler Preisträger, Grenchen Schweiz, wie vorher u.a. Gerhard Richter, Günter Uecker, Roy Lichtenstein, Per Kirkeby, Antonio Tapies und wie Beckings Lehrer Ruprecht Geiger.

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Udo Dziersk, Wuppertal, geb. 1961, Gelsenkirchen.

Mein Torwart! Mein Professor“. Damit Udo Kunst studieren konnte, spielte der Ruhrgebietskumpel aus Gelsenkirchen Torwart, im STV HORST EMSCHER, ein Gelsenkirchener Traditionsverein. Zu seiner Zeit Amateuroberliga, höchste deutsche Amateurliga. Ein kleiner Zusatzverdienst. Immerhin konnte damit seine Malfarbe bezahlt werden. Udo ist ein Teamspieler. Mit besonder Verantwortung, als Schlussmann im Tor. Zitat Udo. Toll! Übrigens war damals sein „Vorstopper“ Peter Neururer. Später wurde er der bekannte Trainer. Neururer nannte Udo, den Torwart, seinen Schnapper. // Natürlich habe ich das auch den Medien gesteckt. Die mögen ja das Besondere, individuelle. Will auch sagen, der Udo weiß, was Niederlagen sind. Und was Niederlagen bedeuten: Wieder aufstehen, weitermachen. Das verband uns von Anfang an. // Udo trat an mich heran, da war er noch in der renommierten Galerie Ilverich/Meerbusch, bei Paul. Der Beuys-Galerie. Auch bekannt, das Wolfgang Paul und seine Frau Angela, die Künstler nie oberflächlich nur als Bild-Produzenten ansah. So wie ich auch nicht. Zitat Udo Dziersk. // Udo bewunderte meine veröffentliche Medienarbeit für meine Künstler. Siehe fünf Aktenordner Pressebeiträge. Bzw, guckst Du unter den Rubriken Presse hier. Klar, jeder Künstler will berühmt werden! Mindestens bekannter. Doch wechseln wollte er nur zu mir, wenn ich ihm versprach, alsbald eine Museumsausstellung. Das tat ich. Und es gelang mir 1997, in Warschau. // Mit Udo lässt sich über so manches richtig gut reden. Er hat einen klaren Menschenverstand. Weiß, was er nicht will. Und immer braucht er die Übersicht, was mit ihm und seinen Werken geschieht. Ein trainierter, disziplinierter Profi. Ebenso stark sind unsere Einschätzungen zum Thema Fußball. Hier besonders zum FC Schalke 04, in seinem Geburtsort Gelsenkirchen. Dort, wo die eingewanderten Söhne von Bergleuten aus Polen spielten. Auch zur Nazi-Zeit! // Dank Udo war ich auch „auf Schalke“. Doch mein Blick ging nicht nur aufs Spielfeld, oder auf die Pausen-Bratwurst, mit Bierchen, sondern auch nebenan von unseren Sitzplätzen aus, zur Nordkurve. Manch hitziger Bursche prügelte sich dort blutig. Das war alles neu. Und aufregend.

Dziersk – 10.10.2020. An diesem Samstag war ich nach langer Zeit, mal wieder in seinem Wuppertaler Atelier. Udos Einladung zum Brunch. Dazu gehörte die Besichtigung seines völlig restaurierten, modernisierten Privathauses. Super! Es steht auch auf Udos weitläufigen Hanggelände, mit altem Baumbestand. Atelier und Privathaus sind zwei Gebäude einer ehemaligen Schreinerei. // Das Privathaus ist sehr gut größer und schöner geworden. Schwarze Holzverkleidung. Ein umlaufender Farb-Fries in einem abgepuderten Rot, macht es zu einer Augenweide. Nun gibt es auch Terrassen. Mit Blick auf Florenz, sagt Udo. Gemeint ist das erkennen Wuppertaler Kirchen und Dachgiebel. Eine Kirche davon ist ein historischer Ort: Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche. Leider mußte sie 2006 verkauft werden. Nun stehen auch drei Reihenhäuser auf dem – ehemaligen – Kirchengelände. // Herrlich, welche Sichtachsen Udo über Wuppertal hat! Und der Brunch frischte auch meine Erinnerungen auf. Udo korrigierte mich. Nicht er wollte zunächst zur Galerie Blau, sondern ich wollte Dziersk als Künstler haben! Mehrmals rief ich ihn an. Bekanntlich ist es immer gut, hilfreich, wenn jemand was will. Und so kam es dann auch, die klasse Zusammenarbeit über Jahre. Nebenergebnis, eine gute Freundschaft. Obwohl ich seit 2004 kein Kunsthändler mehr bin, besteht unser Privat-Kontakt, wie man an diesem Brunch-Samstag nachvollziehen kann.

Udo Dziersk, seit 2002 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Siehe Wikipedia über weitere Professuren, etwa in China (!), Auszeichnungen etc. Leider sind dort die privaten Galerie-Ausstellungen, nicht aufgeführt. Nur Museums-Ausstellung. Dabei sind doch Galeristen auch eitel…oder haben sich verdient gemacht..haha! Doch in seinem grünen Katalog von 2013 sind auch die Einzelausstellungen der Galerien aufgeführt. Und ein interessantes, großes Interview mit Udo. Kurzweilig!

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Anders Nyborg, Bornholm/Mallorca, 1934-28.03.2020.

Mein Anschieber, mein Ideengeber für den Standort Palma de Mallorca! Mein Hochsee-Regatta-Kapitän. Mein Kunst-Unternehmer. Mein grosszügiger Gastgeber“. Denn, bevor man selber einlädt, hat der Däne Anders, schon wieder alles organisiert, erledigt. Kein Essen ohne einen Schnaps hinterher. Anders ist ein hochbegabter Organisator. Für sich und immer auch für andere. // Die Sammler Petra&Wolfgang Wollert aus Duisburg, vermittelten den Kontakt zu Anders Nyborg. Petra erzählte mir noch gestern, 30.09.2020, das ihr Ehemann damals „brannte“ für den Kontakt Nyborg/Blau. Ich vertraute Wolfgang Wollert. Da hatte ich Glück. Denn Anders ist ein Volldampftyp, mit Opernmusik-Interessen, wie bei mir. Das passte. Anders, der bereits reife Herr, mit vollem grauen Haaren a la Cloney, hatte gute Ideen zu Umsetzungen von Kunst mit Kommerz. Das war schon was gut überlegtes, was Besonderes. So trug er nach unserer ersten Ausstellung in Düsseldorf die Vorstellung an mich heran, das Mallorca für mich ein Schritt nach Vorne (Oben) wäre. Bisher kannte ich ja einige internationale Spielplätze. Wie Sylt und Sant Tropez, über meinen Weggefährten JCB. Doch Mallorca? Also lud er mich und meine damalige Freundin, die Amsterdamerin aus Krefeld, mit der ich zwei Jahre zusammenlebte, nach Mallorca ein. Eine Woche lang. Wir wohnten in seiner großen, schönen Finca. Betreut von seiner charmanten, intelligenten, sechssprachigen Ehefrau Clary, aus Finnland. //

Mallorca. Wir sausten kreuz und quer über die Insel. Fahrer, der wilde Anders. Alles war neu für mich. Von so viel Gutem wußte ich nichts. Gar nichts. So viele deutsche bzw. internationale Finca-Besitzer, (Dritthausbesitzer!), so wunderschöne, verschiedene Landschaften, Restaurants, Hotels, für alle „Schichten“, wurden uns vorgestellt! Es gab nur ein Ergebnis für mich: Umzug nach Palma de Mallorca! Und zwar bereits sechs Monate später. Das ging. Denn in Brüssel waren gerade neue Gesetzte verabschiedet worden: Abmeldung in Deutschland. Anmeldung in Spanien. Punkt. //

09.10.2020. Heute erreichte ich die wunderbare Clary telefonisch. Die Gute sagte, Anders wäre am 28.03.2020, einen Tag nach meinem Geburtstag, gestorben. Warum nur habe ich nicht öfters angerufen! Bin ich so stark eingespannt mit Hilfe für JCB? Abgelenkt von Corona? Oder war es eher mein Wissen, das Anders seit über zwei Jahren nicht mehr gut formulieren, nicht mehr schreiben konnte? Er selber schrieb in seinen letzten Zeilen an mich, in mühselig gefundenen Worten: Siegfried, es geht leider nicht mehr. // Nun ist er tot. In Verehrung und mit Dank schreibe ich diese Zeilen. In Verehrung für Clary, schriebe ich auch ihr: alle wissen, wie sie seit „ewiger“ Zeit einigen starken Belastungen ausgesetzt war. Doch sie blieb an seiner Seite. Wie Anders letztendlich auch bei ihr blieb, der ehemalige „Bornholmer Löwe“! Danke Anders für alles. Danke Clary für Deine Unterstützung, die auch mich weiter brachte. Wir bleiben in Kontakt. Selbstverständlich . Alles Gute Dir. Und – vorhin gab es einige Sätze von mir, die Dich zum Lachen brachten. Du wirkst wie früher. Toll!

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Heinz Rabbow, Berlin, geb. 1940.

Leider sehen wir uns nicht mehr so oft in den letzten Jahren. Verhinderungen. Stört das unsere Nähe? Nein. Doch kommt es zu einem Treffen, ist dies überaus herzlich. Ja, ich möchte von Wärme reden. Unsere Telefonate sind sehr menschlich. Vor Komplimenten haben wir uns nie gefürchtet. Selbst der eher stille Heinz nicht. Druckreif kann er einfühlsame Gedanken formulieren. Emotionen spüren wir beide. Wir bedeuten uns was. Entsprechend waren unsere gegenseitigen Arbeits-Aufwendungen, Einsätze. Empathie ist für uns beiden kein Fremdwort. // Heinz ist ein feiner Charakter! Und so ist es ein Glücksfall für ihn, das er eine so tolle Lebensgefährtin, wie Claudia an seiner Seite hat. Das freut auch seinen Galeristen a.D. , Blau. // Verständnisvoll, belastbar, setzt sich Claudia für ihn, den Künstler ein. Steht er doch lieber, immer schon seit Jahrzehnten, stundenlang, tagelang an seinen Malwänden. Seine komplizierte Renaissance-Technik ist zeitaufwendig. Auch mit Einhaarpinsel muß manchmal gemalt werden! Ein Bild fertig malen, heißt, logistisch denken. Bis halt Farbschichten getrocknet sind, wird an einem anderen Werk weiter gearbeitet. Gearbeitet, das ist richtig formuliert. // Merkwürdig. Es gibt Menschen, die sieht man wenig, und doch sind sie einem vertraut. Jede Begegnung startet mit einer langen Umarmung. In diesem Moment fließt alles zwischen uns hin und her.

Rabbow, Rückruf von Heinz am 13.10.2020. Denn, auch auf sein Band habe ich gesprochen. Gefragt, ob mein o.a. Text über ihn okay ist. Rabbow sagte: Lieber Siegfried, ich danke Dir das du auch an mich, Rabbow, gedacht hast. Und auch ich , Rabbow, empfinde alles genau so, wie du es schreibst. Ich bestätige, ja stütze Dich, Skizzen zu bringen für uns, und für die Öffentlichkeit. Du hast so unglaublich interessante Menschen kennengelernt. Begegnungen bitte festzuhalten. Allerdings, Du darfst ruhig mehr Humor zeigen. Mehr von deiner Menschlichkeit offenbaren. Du hast diese Begabung, uns zu erreichen. Denn das war doch, was mich auch begeisterte. Bringe Anekdoten und Deine positiven Seiten zum Klingen. Aber auf Papier. Nicht nur hier auf der Website. Zitat Rabbow Ende. Ach lieber Heinz, ich bin gerührt! Danke. Dein Künstlerkollege Horst Becking sagte das mit einem Büchlein, Genaus so. Mindestens im Selbstverlag soll ich es produzieren lassen. Würde nicht viel kosten heute.

Nun ihr guten langjährigen Freunde, danke für Eure Ermunterungen, Eure Ideen. Denn auch Udo Dziersk drückte sich ähnlich aus. Findet meinen Aufzeichnungen klasse. Doch zunächst muß ich ja mir im Klaren sein, was fehlt, wo sollte ich anderes formulieren. Mit mehr Humor, wie Hein Rabbow sagte vorgestern. Eine noch große Aufgabe liegt vor mir. Herrlich!