Prolog:
„It’s nice to be important, but it’s more important to be nice“. 
Wir wollen das die Erinnerungen an unsere Kindheit immer stark bleiben.
Dann kommt das Leben dazwischen!
Zitat von…?

Es gibt drei Dinge, die man sich nicht aussuchen kann:
Wo man geboren wird, von wem und wann!

Korrekturen, Pressebeiträge, Fotos fehlen noch

Foto „Blau“ – hier auf Startseite, Nele Bendgens, Mallorca Zeitung.

Diese Aufzeichnungen, Pressebeiträge, Fotos & Briefe, gehen ins Archiv des „BVDG – Bundesverband Deutscher Galerien“.

Leben, um davon zu erzählen“. Buchtitel von Gabríel García Márquez, Nobelpreisträger. Anmerkung : Jedes Leben ist es wert, erzählt zu werden!

Dies hier ist die Rubrik „Über mich – Privat“.
Ergänzend dazu, die beiden Rubriken „Begegnungen A – G und H – Z“.
Alles rheinisch offen!
Blicke auf mein Berufsleben – siehe die anklickbaren Rubriken.

Sind die gelisteten Namen hier „namedroping“? Sicherlich nicht. Ohne diese Kontakte und Begegnungen wäre meine private und berufliche Entwicklung nicht so gut geworden. Besonders, als ich noch blond, jung und schön war.
Es gibt auch keinen stilistischen Lärm. Zitat Jan Brachmann FAZ. Es sei denn, meine „rheinische Offenheit“ zählt dazu.

Erst jetzt, nachdem ich schon mehr als sechs Jahre Rentner bin, Reifeflecken habe, erzähle ich über diese Begegnungen, diese Namen, diese ungewöhnlichen guten Kontakte. Jahrzehntelang wußte kaum einer, was wirklich los war in meinem guten, sozialen Umfeld, da ich nix erzählte. Ja, ich wollte bescheiden sein. Ich wollte Siegfried Blau sein. Zu stolz war ich, um mich mit solchen Adressen wichtig zu machen. ICH wollte akzeptiert sein. Jetzt kann man es gerne nachlesen, wer will. Jetzt erst, ab 2020! Was heute über mich gedacht wird, gesagt wird, Verzeihung, erreicht mich nicht soooo sonderlich! Vorteile als „Greis“. //
Zitat von Ilija Trojanow, poetischer Chronist, FAZ 01.06.2021, sinngemäß:
Wichtig ist mir auch , das ich nicht meine berufliche Sprache benutze, die unter Galeristen und Künstler manchmal eingesetzt wird: „Termini technici“. Um zu zeigen, wie klug man ist, hihi!? Das finde ich langweilig. Und grenze damit andere aus. Über 90% der Interessenten und Leidenschaftlichen würde ich nicht erreichen.
Zitat Ende.

Vier mit mir befreundete Künstler (siehe „Rubrik Künstler – Private“) und andere, „bedrängten“ mich, Rubriken zu skizzieren, da mir zig Persönlichkeiten begegnet sind, die mich formten, förderten, forderten und prägten, als meine Haut noch jung war. Unbefleckt. Diese intelligenten Kontakte gaben mir Wissen. Sie änderten meine Einstellungen zum Leben. Manches war merkwürdig. Natürlich, meine gesunde Eitelkeit und Stolz schwingen mit.

Rückruf von Künstler Heinz Rabbow am 13.10.2020.
Denn, auch auf sein Band habe ich gesprochen. Ich fragte ihn, ob mein Text über ihn, den ich ihm zusandte, und ob grundsätzlich diese Skizzen hier, okay sind? Rabbow sagte:
Lieber Siegfried, ich danke Dir das du auch an mich gedacht hast.
Und auch ich empfinde alles genau so, wie du es schreibst.
Ich bestätige, ja stütze Dich, Skizzen zu bringen für uns, und für die Öffentlichkeit. Du hast so unglaublich interessante Menschen kennengelernt. Deine Begegnungen bitte festzuhalten. Allerdings, du darfst ruhig mehr Humor zeigen. Mehr von deiner Menschlichkeit offenbaren. Du hast diese Begabung, uns zu erreichen. Denn das war es doch, was mich auch begeisterte.
Bringe Anekdoten und Deine positiven Seiten zum Klingen. Aber auf Papier,
in einem Buch. Nicht nur hier auf der Website“. Zitat Heinz Rabbow Ende.
Siehe Rubrik Begegnungen – Private Künstlerkontakte: Rabbow, Heinz

War ich ein Typ Nr. 1? Nein! Sicherlich war und bin ich ein kämpfender, erfolgreicher Organisator, sagte man, schrieb man. Ein „Architekt“, der was ausbaute. Ein aufblühender Teamworker, ein auffälliger Zuarbeiter, mit Hang und Drang zur Verantwortungsübernahme. Der gerne Tipps gibt. Bis heute.
Bekam ich entsprechendes zurück? Na ja!

Glück wollte ich haben. Doch das bekommt man nur über viel Arbeit,
Disziplin und Umsicht:
Glück ist ein Nebenprodukt anderer Dinge“.
Zitat polnischer Pfarrer Adam Boniecki, 83 Jahre, in 2020.
Belegt mit Redeverbot in Polen – von der katholischen Kirche.
Weggefährte von Papst Wojtyla, Johannes Paul II.
Hand in Hand bewirkten beide Veränderungen im Osten.
Und dadurch auch bei uns!

Besonderen Dank geht an meinen Mentor & Lebensfreund JCB.
Es ist vorstellbar, das ich ihn in über 57 Jahren Weggefährtenschaft,
am nächsten gekommen bin. Und umgekehrt!
Diese Lebensfreundschaft ist gewachsen wie ein Baum.
Langsam, stetig, natürlich. Daher wohl durch nichts zu erschüttern.

Themen bei uns, unausgesprochen, aber erwartet:
Bodenständigkeit, Verlässlichkeit!

JCB selbst zeigte besonders gute Belastbarkeit und Einsatz, um souverän zu werden. Schon als Kind bekam er eine Erziehung zu führen, pflichtbewußt zu sein. Ziel: Mit 28 Jahren das über 200 Jahre alte Familienunternehmen zu übernehmen. Nicht in die Niederungen von verbissenen Dauer-Diskusstierern zu kommen. Anstrengungen zeigen? Niemals!
Einige verwechseln seine Zurückhaltung, mit – den haben wir im Griff!
Falsch. Unter vier Augen kommen klare Aussagen, Analysen und Entscheidungen.

JCB der gepflegte, elegante, hat nie ein Problem, mit unterschiedlichen, sozialen Schichten. Sein „4-Scheiben-Reihen-Haus“ von 1900, aber stark modernisiert,
ist nicht in einem Nobelviertel wie Köln-Marienburg, sondern in einer Arbeiterstrasse, quer zu der traditionsreichen, quirligen Severinstraße. Diese Severinsstraße ist eine bürgerliche, gut funktionierende Geschäftstrasse in der Kölner Südstadt. Gerne läßt er den „Mann auf der Straße“ an sich heran. //
Seine ersten Jahrzehnte, ab seinem 20. Lebensjahr, in seiner Davis-Cup-Spielzeit,
in den 50.ziger Jahren, waren schon „anders“! Seine Zeit mit Smoking und eleganten, weißen Smoking-Hemden, mit eingesetzten Saphire-Knöpfen und Manschetten. Immer Krawatte, typisch damals. Es war seine Zeit mit Maß-Hemdenschneider für seine schönen, hellblauen „fil á fil-Hemden“ aus München, Leopoldstrasse. Geblieben sind bis heute die gelochten „Budapester-Schuhe“!
Smoking: Der linke, aufgeklärte Heinrich Böll, sagte 1972, als er den Literatur-Nobelpreis bekam: Ich habe nix gegen Smoking. Aber ein Smoking mit weißem Rollkragenpullover wie manche in meiner SPD tragen, ist grausig! Kluger Mann!

Kontakte. Siehe beide „Rubriken Begegnungen“.
Während meiner jungen Jahre, waren JCB-Kontakte meistens über ihn gekommen. Oder es gab gemeinsame Kontakte. Meine Freude: wachsen zu einem Kommunikator. Das half mir auch selbständig zu werden. Meine rheinische Einstellung dazu: „Leben und leben lassen“. //
Seine privaten, späteren „Neben-Kontakte“ nach seiner Tennisspielzeit, nach der Davis-Cup-Zeit mit Gottfried von Cramm, nach den vielen Oberschicht-Begegnungen, etwa in St. Tropez oder auf Sylt – Ostern und Pfingsten war „man“ auf Sylt – waren anders. Es begann die Neugierde auf Ibiza. Eher ohne elegante Garderobe, nur mit schwarzen Jeans und Tages-Jacket oder schwarzer Lederjacke. Krawatten trug JCB nur noch beruflich. Diese im wahrsten Sinne, „heiße“ Insel Ibiza, war neu. Das lag auch an den „68ziger Jahren“. Und an den Hippies, die sich dort aus allen Ländern einfanden. Die Zeit der sexuellen Aufklärungen und Neugierden auf alles. Lockerheiten wurde gezeigt, Sex freizügig gelebt. Einen Tripper haben wir alle kennengelernt. Man nahm Tabletten und nach drei Tagen ging es weiter. Bei uns ohne Drogen, die mochten wir nicht. Ich schon mal garnicht. Ein Widder muß doch alles bewußt erleben. Bis heute. // Es hieß weg von dem Obrigkeitsdenken. „Das tut man nicht“ war Tod. Konflikte mit Eltern, mit der Familie häuften und klärten sich. Ibiza wurde ein internationaler Treffpunkt für alles, was Gott erschaffen hat! //
Ab seinem ca. 45. Lebensjahr waren auch seine „entdeckten“ Freunde, die Bekanntschaften manchmal überraschend. Schwierige Charaktere nervten ihn nie. Flegelhafte Typen aus anderen Orten waren geduldet. Manche traten auf, nach einiger Zeit der „Anwärmphase“, mit teilweise ziemlich rüdem Umgangston. Souverän lies er einiges, auch Aufwendiges an Wünschen zu. Wir engsten Freunde stöhnten. JCB sagte sich, was soll´s. Nächstes Thema.

JCB, der Westfale, ein innerlich großer Mensch! Eine Persönlichkeit.
Ein Gentleman. Geachtet von vielen. Und dabei auch noch gut aussehend.
Auch im Reifefleckenalter!
Diese Art Persönlichkeit ist an Büchern, Bildung, Kultur und guter, auch humorvoller Unterhaltung interessiert, statt an gezeigtem Luxus, aufdrängende Prominenz oder Medien-Öffentlichkeit!

JCB Geschenke – mit Einfluß auf meine Entwicklung.
Entsprechend dem Stil von JCB gab es auch keine übertriebenen, oder gar häufigen Geschenke für mich, dem jungen Spund: Zum 2o. Geburtstag erhielt ich aber eine anspruchsvolle, aber schlichte Edelstahluhr, mit schwarzem Zifferblatt von TISSOT, von Bucherer München. Nach bestandenem Examen als Maschinenbau-Techniker, schenkte mir JCB Manschettenknöpfe aus Weißgold und Silber. Eingefasst von einem zierlichen Flechtkranz waren Mondsteine, von Juwelier Kern, Königsallee. Das waren damals schon große Werte. Aber nix „Lautes“, nix dramatisch auffallendes. Stilfragen! Tatsächlich blieb es auch so. Bis heute. Selten beschenken wir uns zu Geburtstagen, zu Weihnachten usw. Sondern immer mal wieder gab es wunderbare Aufmerksamkeiten, wenn wir nicht damit rechneten. Oft dabei, Hemden für JCB. JCB hat ein Hemdentick – immer schon. Für mich, der seit dem 30. Lebensjahr keine Krawatten und Hemden mehr trägt: Polohemden. Sportliche oder für die Oper etc., feingewirkte. Natürlich in Schwarz…..mit Ausrutscher, italienisches Dunkelblau. // Mit 27 Jahren wurde ich zum Verkaufsingenieur ernannt. Ich beschenkte mich mit einer Rolex Datejust! Natürlich aus Stahl. Und wieder mit einem schwarzen Zifferblatt. Ja, ja, das war damals was Besonderes. Und wenn ich heute in 2021 die Preise davon im Schaufenster sehe, also, lassen wir das. Während meiner Düsseldorfer Kunsthandel-Selbständigkeit trug ich sie nie. Nur Plastik-Armbanduhren, die meine Künstler entworfen hatten: VK-Preis – schlappe 100€. Es wurden Sammleruhren. Immer die gleiche Aussenform, aber andere, farbliche Entwürfe mit Applikationen. Auf Mallorca holte ich die Rolex wieder raus. Das war gefühlt okay dort. Seit Januar 2019 trage ich eine Apple, Serie 5. Sie paßt auf mich auf, sagte der Verkäufer…

Die schreckliche Coronazeit seit Februar 2020, gab mir die Idee, die Zeit,
dies hier aufzuzeichnen – und noch mehr Bücher zu lesen!
Jedes Jahr reiste JCB und ich sehr viel. Doch alle unsere Reisen wurden storniert. Und nun auch noch der Tod von Verpackungskünstler Christo
Anfang Juni 2020! Daher ist auch Paris im September 2020 nicht mehr im
Reise-Kalender. Sondern verschoben auf 2021, Ende September: Objekt
„Arc de Triomphe„. Gebucht haben wir das Hotel „L´Hotel“, in Saint-Germain, dem Kunstviertel. Und Tickets haben wir online bestellt, in der „Fondation Cartier“. Architekt Jean Nouvel. Ein spektakuläres Museumsgebäude. 1994 eröffnet. Von dem Künstler Lothar Baumgarten wurde ein Garten dazu entwickelt. Wir werden dort eine sehr große Präsentation von Damien Hirst sehen. Riesige Formate, 3×2,5 Meter, zeigen „Kirschblüten“! Vernissage war am 06.07.2021. Sofort denke ich an Vincent van Goghs Blütenzweige. Dieses Muster haben wir auch als Bettwäsche. Googelst du. //
Schade, das etwa all die jährlichen, klassischen Musikaufführungen in Salzburg, Bayreuth, München, Wiesbaden, oder manchmal Barcelona, Paris und Brüssel, nach 2021 verschoben sind. Wenn es denn dabei bleibt…// Aktuell: Seit Mitte des Jahres 2021 beginnen zögerlich wieder Veranstaltungen mit Corona-Auflagen, na klar! Erschreckend: Manche vollgepfropften Stadien bei der EM-Fussball-Meisterschaft. Besonders bei den Autokraten Orbán & Putin. Dumm weil gefährlich! Die EM 2020 wurde ja verschoben aus Pandemiegründen auf 2021. Unsere leidenschaftslosen Jungs flogen raus gegen England. Und somit endlich auch dieser muffelige, mysteriöse , teuerste National-Trainer (3,5Mill./ano).
Ein jahrelanger Versager seit 2014, mindestens seit 2018, wie auch der gesamte Vorstand des DFB einen jahrelangen, jämmerlichen Eindruck zeigt.

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Mein Weg im Telegrammstil:
Evangelisch – im katholischen Kindergarten. // Einschulung Grundschule.
Klassensprecher in allen Klassen. // Gymnasium nicht möglich. Wirtschaftliche Schwierigkeiten. Wegen Verkauf unserer Firma. // Lehre Maschinenbau bei Bayer Wuppertal. // Gewerkschaftsmitglied IG Chemie. Delegierter Jugendgruppe Wuppertal. // Bester Lehrling bei Bayer. Auszeichnung: Lehrgang Hanseatische Yachtschule Glücksburg. // Vorsitzender aller Lehrlinge Bayer Wuppertal.
Bayer-Jahreskonferenzen in Leverkusen. // Delegierter bei der IG Chemie
für Lehrlinge. // Mit 16 Jahren aus der Kirche ausgetreten. // Eingezogen für die Bundeswehr. Rückwirkend auf zwei Jahre verpflichtet (Z2). Stubenältester als Jüngster und Kleinster. Vertrauensmann der Kompanie. Die Bundeswehr bzw. der Kompaniechef beschleunigt mein Erwachsenwerden. Auch mein Körper wuchs aufeinmal. // Maschinenbau-Techniker-Studium in Solingen. Sprecher der Studentenmitverwaltung. // Angestellten-Anstellung in Wuppertaler Maschinenfabrik/Zahnradwerk. Erfinder und Leiter der Service- und Reklamationsabteilung. // Ernennung zum Verkaufs-Ingenieur. NRW-Gebietsverkaufsleiter. Umsatzbeteiligung. // Erste Eigentumswohnung in Düsseldorf mit 27 Jahren. Und kauf meiner Rolex. Damals was besonderes. //
Mit 20 geplant, Selbständigkeit mit 30. So geschah es, als Kunsthändler. //
Stellv. Vorsitzender, Pressesprecher „Freundeskreis Heinrich Heine“ Düsseldorf. //
Januar 1999 Galeriepartnerschaft mit Theofilos Klonaris.
Umzug September 1999 nach Palma de Mallorca. Mit Klonaris, und mit Freund Dominik Graf von Stauffenberg. Wir wohnen alle in Palma in meiner Drei-Schlafzimmer-Etagenwohnung, in einem historischen Palast, am Plaza Santa Eulália. // Berufliche Trennung von Stauffenberg nach 8 Monaten. //
Mai 2004, Trennung von meinem Galerie-Partner Klonaris nach fünf Jahren. //
Juni 2004, Frontalzusammenstoß auf Mallorca. Auto „tot“, ich lebe. Sinnkrise. // September 2004. Galerie-Mieterhöhung soll um 33% sein! NO!
Daher, Ende als Galerist September 2004.// Start als selbständiger Kundenberater bei der Mallorca Zeitung/Diario de Mallorca. // Beginn als selbständiger – „kleiner“ Kulturredakteur beim Inselradio Mallorca. // Nach neun Jahren habe ich gekündigt bei der Mallorca Zeitung. Als bester Neuvertragsverkäufer. Über 500 Werbe-Verträge in diesem Jahr! Konzernrekord!// 2014 offizieller Umzug zu meinem Weggefährten und Lebensfreund JCB: „Wir passen aufeinander auf“.
Im Mittelpunkt für beide, Kultur, Restaurants, Reisen, Freunde und Freude.

Ende Telegrammstil

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Einzelheiten:

Siegfried Blau, evangelisch, erzogen im katholischen Kindergarten in Wuppertal-Vohwinkel. In Erinnerung, die Nonnen „liebten“ mich! Oft sagte ich,
ich möchte Ihnen was ins Ohr flüstern. Sie beugten sich zu mir und – ich küßte sie! Die folgenden Kichereien höre ich noch.

Grundschule. Der Fußweg dahin dauerte von unserem alten Fachwerkhaus
30-40Minuten. Zur Einschulung, mit Lederhose und übliche Einschultüte, die gefühlt so groß wie ich war. Siehe später dazu ein Foto. Begleitet wurde ich von meinen Eltern. Danach nie mehr. Immer mußten wir drei Söhne selber auf uns aufpassen! Meine schwarze Katze „Möhrchen“ begleitete mich oft bis zur Hauptstrasse, die Gräfratherstrasse. Dann kehrte sie laut miauend um. Hundeverhalten. // Im Winter hatte ich oft keine Strickmütze auf. Habe ich deswegen nie eine Mittelohrentzündung gehabt, wie andere Schüler? Nie hatte ich eine Erkältung, nie eine Grippe. Bis heute. Lag es auch an meinen teilweise ostpreußischen Genen mütterlicherseits? Diese Menschen von dort gelten ja als besonders widerstandsfähig, belastbar. Zitat Klaus Zeumer in 2018:
Blau ist ein „Stehaufmännchen“. Siehe unter Rubrik Begegnungen „Zeumer“.

Wurde ich nach meinem Berufswunsch gefragt, im Vorschulalter, sagte ich:
Quatschmacher im Rundfunk, Pfarrer, Architekt oder Bürgermeister von Wuppertal, meinem Aufwuchsort. Vorbild, der umtriebige Junggeselle, Oberbürgermeister Johannes Rau, damals. // Bekam ich zu Hause von Besuchern keine Aufmerksamkeit, tat ich so, als liefe ich mit dem Kopf gegen eine Wand. Dann hörten sie mir zu. Oder ich fing an zu kochen. Als Kleinkind! Noch heute ist das so. Leider auch, wenn ich ab 22.30 Uhr alleine noch auf bin, Netflix gucke
. Na ja, so ungefähr. Lese ich allerdings Bücher, wozu ich seit 2021 noch mehr Lust habe, nachdem JCB gegen 22 Uhr zu Bett geht, komme ich nicht auf die Idee zu essen. Fettflecken in meinen Büchern? Nee, die gibt es nicht. Ein Glas Wein ist immer dabei. Einen Apfel allerdings esse ich schon. Das war immer so, seit meiner Kindheit. //

Schlüsselerlebnis 1:
Zur Kindergartenzeit nahm mich meine Mutter mit aufs Feld, zum Kartoffel auflesen. Bei unserem Bauer um die Ecke, in Wuppertal-Vohwinkel. Es mußte eine Reihe gebildet werden. Meine Mutter bekam einen Metallkorb wie die anderen auch. Neben mir quälte sich eine ältere Frau. Sie kam nicht mit. So warf ich Kartoffel auch in ihren Korb. Sie lächelte dankend. Aber meine Mutter war sauer. Sie gab mir eine Ohrfeige mit den Worten:

„Du mußt nur an uns denken“.
Nicht die Ohrfeige tat mir weh, sondern diese Aufforderung, anderen nicht zu helfen! Nie habe ich das meiner Mutter verziehen. Es stabilisierte mich, andere zu unterstützen. Bis heute, wie man weiß. Seit zehn Jahren helfe ich etwa JCB. Bin extra von Palma zu ihm gezogen. Er war alleine, brauchte tägliche Unterstützung. Ich war ohne Bindung. Also passte es:

Wir passen aufeinander auf.

Schlüsselerlebnis 2:
Erstes Schuljahr, für mich und für meine junge,
fraulich-schöne Lehrerin Fräulein Hübel.
Wir waren ihre erste Klasse nach ihrem Studium.
Alle Schüler „liebten“ sie und ihre Kleider. Hosen trug kaum eine Frau!
Ist nicht auch ein Rock erotischer?!

Mal-Aufgabe:
Schneewittchen mit den sieben Zwergen. Mit Haus und Garten.
Fräulein Hübel beugt sich über mich und sagt: Das Bild ist fertig?
Aber Siegfried, Du hast ja Schneewittchen vergessen zu malen!
Ich drehe mich um: Ja bist Du den dumm? Die ist doch im Haus!

40Jahre später erzählte sie mir bei einem Klassentreffen diese Geschichte.
Wir lachen. Sie sagte, sie hätte sehr lange gebraucht um ihren Anfänger-Schock als Lehrerin damals zu überwinden. Sie zweifelte, ob der Beruf Lehrerin für sie richtig sei. Ihre Mutter sagte: Durchhalten. Meine Eltern informiert sie damals:

Siegfrieds Reaktionen, Fantasien und Gedankensprünge sind manchmal überraschend. Sie sollten mich „laufen lassen“. //

Thema Lehrer-Vertrauen.
Für diese wunderbare Fräulein Hübel, durfte ich – heimlich – Zigaretten kaufen. Viererpackungen. Das gab es damals. Sie war gerne eine Raucherin. Das guckte ich mir ab. Meine Mutter erwischte mich zuhause. Sie sagte, heute Abend sprechen wir darüber. Gräßlich, ich mußte vor meinen älteren Brüdern und meinem Vater, zeigen, wie ich rauche. Doof fand ich das. Ich schämte mich, da ich doch noch so jung war, na klar. Weinend ging ich aus dem Zimmer. Nie wurde ich zu einem Raucher. Obwohl alle anderen von meiner Familie, Raucher waren. Toll gelöst, liebe Eltern!// Einmal erwischte ich Fräulein Hübel, als sie ihren Freund bei einem Ausflug der Klasse, hinter einem Baum küßte. Wohl Start für mich, gerne zu (zu)gucken! Ein etwas kleinerer, sportlicher Typ, der uns beeindruckte mit seinem Adler-Motorrad. Schnell verzog ich mich. Sicherlich bemerkten sie mich und sagten – nichts. Klasse!
Thema Grundschul-Klasse, Selbstbewusstsein.
Immer war ich ja ein Klassensprecher. Siehe oben – ich mochte gerne Einsatz für andere, Zusammenarbeit koordinieren, Verantwortung übernehmen. So erhielt ich einmal eine Ohrfeige. Der hagere, nervöse Lehrer, den kaum jemand mochte, gab sie mir: Im Namen der Klasse stand ich als Klassensprecher mal auf und sagte,
wir mögen nicht, das Sie zwei Schülerinnen (hübsche, aber auch besonders kluge, schon mit leichtem Busen) immer wieder bevorzugen! Er kam zu mir und knallte mir eine Ohrfeige. Ohne Reaktion zu zeigen, ging ich sofort zu unserem Direktor. Der Lehrer schrie hinter mir, stehen bleiben usw. Riesenwirbel. Denn solch eine Art von mir, das zeigte man damals noch nicht. Zivilcourage kannte, zeigte kaum jemand. Obrigkeitsdenken! Der Direktor holte diesen Lehrer, Herrn Schweden,
in sein Büro. Der Lehrer mußte sich entschuldigen. Somit erging er wohl einer Disziplinarstrafe. Einfacher wurde es dadurch nicht für mich. Mir war klar, nun mußte ich mehr Leistungen zeigen. Der Typ würde mich hart benoten. Kein Problem. Sprach ich mit meinen Eltern darüber? Nein. Für mich war das Thema durch. Typisch Wider, sagte Jahrzehnte später meine immer noch Freundin Schotti, (Siehe Rubrik Begegnungen Schott) bei meiner Art der Bewältigung von Konfliktfällen: Sofort klären und dann abhaken. Nie wäre ich nachtragend. //
Es gab immer wieder von anderen Lehrern, Ermunterungen, oder Bestätigungen, das ich wohl auf dem richtigen Weg war. Ein an der Schule gefürchteter Lehrer, Gustav Drewes, nahm mich einige Male mit auf Wanderungen in Wuppertal. Dabei seine aufmerksame, lächelnde Ehefrau. Dieser Tage in 2020, habe ich ein Foto entdeckt, als mich auf einer dieser Tagesausflüge, eine Biene stach, ich aufschrie, mein Unterschenkel anhob. Frau Drewes hatte zufällig auf den Auslöser gedrückt. // Dieser auch aggressive Lehrer neigte zu spontanen Wutausbrüchen. Mehrmals schmiß er zu nicht aufmerksamen Schülern, schon mal Kreide an deren Köpfe. Einmal warf er sogar ein Tischglocke. Puh! Doch ich mochte ihn. Diese Erinnerungen bestätigte schriftlich im Januar 2021 Helga Kümpel, meine ehemalige, und immer noch sehr geschätzte Klassenkameradin. Mein Gerechtigkeitssinn traf in meinem Leben öfters auf Widerstände. Das machte mich alles stark. Dazu gehört wohl ein inneres Kraftwerk? Fußballspieler trainieren Torschüsse. Ich trainierte Sätze, Aussagen, Verhalten. Auch intuitiv. Formulierungen von anderen wiederhole ich auch noch nach Jahren. Gehört das alles zur Selbstbildung?

Bildung:
Starken Einfluß nahmen auf meine Entwicklung im Kindesalter und
als Heranwachsender, diese Politik-Kabarett-TV-Sendungen:
Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Berliner Stachelschweine und das Köm(m)ödchen, Düsseldorf. Zig Jahre später lernte ich die Inhaber Kay&Lore Lorentz als Galerie-Kunden in Düsseldorf persönlich kennen. Deren Tochter „heulte“ sich bei mir in der Galerie so einige Male aus, wie kniepig ihre Mutter sei. So erzählte die längst reife Tochter, verheiratet mit einem Werbefritzen, vom Kaffee-Einkauf bei Tchibo für Ihre Mutter. Streng wollte die Mutter immer die wenigen Pfennige Rückgeld haben. Pfennige!
Meine ganze Familie, politisch stark interessiert, saß immer zusammen, mit besonderem Essen, um deren Produktionen zu genießen. Daraus entwickelte sich bei mir eine offene, konstruktiv-kritische, schlagfertige, schnelle und mehrdeutige Denk- und Redeweise, die für einige wie Verletzungen wirkten? Nee! Scharfe Pointen brachten nervige Typen zum Schweigen. Manche sagten, ich erinnere sie an Karl Lagerfeld. Ach was! // Früher wollte ich sicherlich manchmal Unsicherheiten bei anderen erreichen. Im Sinne von geistigem Wettkampf. Demokratie halt. Manchmal dachte ich auch laut. Das war sicherlich eher nicht so gut! Sarkasmus war mir wohl auch nicht fremd. Bescheiden war ich trotzdem. Nie abgehoben. Oder anmaßend. Ohne Engstirnigkeit. Keine Fassade. Eher humorvoll. So beschrieben mich die anderen in meiner Nähe. Aber, als Widder läuft man ja bekanntlich sowieso durch Wände! // Begeistert war ich auch von dem Wiener Kabarettisten Georg Kreisler. Sein bittersüßer „Wiener Schmäh“, herrlich! Oft trat er mit seiner Frau Tobi Küpers im Fernsehen auf. Seine stark umrandete schwarze Brille, der uns anspringende Schädel, seine giftige Vortragskunst am Flügel, unvergessen . Dümmer wurde ich damit nicht. Aber sicherlich skurril komischer manches Mal. //
Seit meinem 15.Lebensjahr hatte ich ein Abo. von den Monatsmagazinen „Theater heute“, und „Psychologie heute“. Sowie ein Abo „Die Zeit“ und „Der Spiegel“. Ich kündige zu meinem 30.Lebensjahr mein Abo „Die Zeit“ mit diesen Sätzen: Sie haben großen Einfluß auf meine Entwicklung gehabt. Danke. Doch mit Beginn meiner Selbstständigkeit als „Kunstvermittler“ 1978, fehlt mir die Lust und die „Zeit“ , ihre seitenlangen Beiträge noch zu lesen. Auch gefällt mir ihr unpraktisches Riesenformat nicht mehr. // Daher blieb es beim handlichen
„Der Spiegel“ – bis heute. Und dank JCB, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ. So wie auch immer wieder das lesen von Bücher. Mein Hobby halt.
Die Erkenntnis seit der Pubertät, seit dem Verkauf unserer Firma: Nur mit Wissenanhäufung, Weiterbildung habe ich private und berufliche Chancen.
Ich mußte, wollte wenigstens über das Zeitgeschehen viel wissen. Wissen über das, was wohl kommen würde. Daher liefen schon damals relativ gut Gespräche mit sogenannten Intellektuellen. Ich war „Sattelfest“.
„Verschlungen“ hatte ich ab 1968, in den „wilden“ Jahren der politischen und sexuellen Aufklärungen, Änderungen – keine Micky Maus Magazine, keine Comics, kein Medium über Autos oder Fußball, sondern ein Abo von der „Wirtschaftswoche“, jeden Freitag. Das erschien im Handelsblatt-Verlag, Düsseldorf. Ein Pflichtblatt für die Börse. Und ich las auch das Düsseldorfer Handelsblatt selbst. // Als Galerist lernte ich dann die Führungsriege von denen kennen. Derer Verlag lag am Ende meiner Kunsthandelsstrasse, der Hohe Straße. Dazu kam jahrelang, zeitgleich, das monatlich erscheinende Wirtschaftsmagazin „Capital“, aus dem Hamburger Verlag Gruner&Jahr. Keine Frage, das intensive Lesen in diesen Fach-Medien, brachten mich weiter. Auch den späteren Chefredakteur von „Capital“, 1974 bis 1980, Johannes Gross, lernte ich bei meinem Freund Hans Gerling kennen. Mehrere Treffen dort waren ein großes, anregendes Vergnügen! Gross war ein quicklebendiger Zeitgeist. Fast schon brillant! Seine „Napoleongröße“ wurde nach den ersten Sätzen schnell vergessen. Wie auch so manches Mal das Essen!

Es folgte eine differenzierende, ruhigere Ausdrucksweise mit meinem wachsenden Wortschatz und zunehmender Reife.

Interessant, mit 13/14 Jahren stotterte ich!
Glaubt mir heute keiner. Doch es war so. Es sprudelte immer alles so aus mir heraus. Freute mich über das, was ich sah, was ich wußte. Wollte es unbedingt mitteilen. Meine Eltern waren zunächst ratlos. Siehe dazu Grundschule, erste Klasse, Schneewittchen malen: Siegfried laufen lassen.
Wie habe ich das Stottern wegbekommen? Jede Minute, jede Stunde, jeden Tag las ich mir immer wieder laut vor. Wäre ich eingeschüchtert gewesen, also, ich denke, meine Entwicklung, diese Zeilen hier, diese vielen positiven Aussagen in meinen – derzeit über 120.000 skizzierten Wörtern, über 400 Buchseiten, so die Technikinfos hier, wären nicht geschrieben worden: Man kommt raus aus einem Tunnel oder nicht!

Mein Geburtshaus in Norderfeld/Flensburg: Der Bauernhof von Onkel Carstensen.
Zweinmal im Jahr war er Richter/Beisitzer am Bundesgericht in Karlsruhe.
Auch während des 2.ten Weltkrieges ging es meiner Familie in Norderfeld nicht schlecht,
wurde mir erzählt. Trotz Nachkriegszeit und sehr vieler Flüchtlinge, die mein Onkel aufnahm. Meine Erinnerungen als 2/3-jähriger: Ausritt mit meiner Mutter. Wir stürzten und – lachten. Unvergessen auch dies: Meine älteren Brüder beschmißen mein schwarze/weisses, kleines ziehbares Holzpferdchen mit Vogeleier. Vögel nisteten ja in den Stallungen. Ich weinte fürchterlich! Als ich drei Jahre alt war zogen wir um nach Wuppertal-Vohwinkel. Heimatort meines Vaters. Sehe noch die Abfahrt zum Bahnhof Flensburg, mit seinem schwarzen Nachkriegs-Mercedes. Heute wäre diese Kiste ein „Juwel“. Es gab keinen Kontakt in Wuppertal zu seiner Familie, zu anderen Verwandten. Nie!
Meine sportlichen Eltern, Emmi & Otto. Zu der Zeit, als sie an Nachwuchs dachten.
Das Ergebnis…!
Meine Mutter Emmi. Im 21 Jhdt. wieder ein IN-Name! Sie war die jüngste von drei Schwestern. Und es gab noch einen Bruder. Gustl, ein Zöllner. Ein Guter, mit tollem BMW-Motorrad mit Beiwagen. Die mittlere, Trude, wurde eine unangenehme, bigotte Pfarrerin. Ihr Sohn wurde auch Pfarrer. Ein verklemmter! Die älteste Schwester meiner Mutter, Minna, lebensfreudig, wurde Haushälterin bei Gustaf Gründgens in Berlin. Meine verständnisvolle Lieblingstante. Leider wurde sie im Alter blind. Sie kam in ein Altenheim in Bremen. Und – immer hatte sie einen dicken Knüppel unter dem Bett:.
Falls die Nazis kommen, sagte sie.

Mein Vater Otto Blau.
Er war Mitinhaber einer mittelständischen Möbelfabrik in Wuppertal-Vohwinkel, Gruitenerstrasse. Sein Bruder war Mitinhaber und Schreinermeister.
Mein Vater der Geschäftsführer als gelernter Kaufmann. Sie zerstritten sich. Besser, die leider kranke und dadurch schwergewichtige Ehefrau meines Onkels mit meiner Mutter Emmi. Meine Tante war schrecklich eifersüchtig auf meine –
ja, sehr schöne Mutter! Alles wurde verkauft an Firma Fudikar Möbel.
//
Mein Vater fing ganz unten wieder an – bei den Wuppertaler Bayer-Werken.
Als Pförtner, in einer Nebenstelle in Wuppertal-Sonnborn.
Nach 8 Monaten war er Leiter des gesamten Werkschutzes bei Bayer-Wuppertal. Dazu gehörte: Die Tag- und Nach-Organisation der vielen Werkschutzmitarbeiter. Die Buchführung/Kontrolle der Gehälter. Einstellungen und Entlassungen. Das ganze Programm halt einer nicht unwichtigen Abteilung. An sein großes Büro erinnere ich mich noch. Oft besuchte ich ihn. Bewunderte, wie er Zahlen „malte“. Unvergessen auch sein jahrelanges Training mit mir,
mit Zahlen und Kopfrechnen. Bekannt war er für seine Charme-Auftritte. Das Entknoten von Problemen. Das hab ich wohl alles übernommen. Respekt und Dank, lieber Vater! Und das alles bei ihm ohne Führerschein. Gerne erzähle ich auch noch, das er in der Schule eine Klasse überspringen durfte. Und – das er in Bielefeld mal Stadtmeister im Schach war. Nun ist klar, weswegen ich so blitzwach und analytisch wurde. Haha! Einen Nagel in die Wand schlagen, das allerdings lag meinem sportlichen Vater nicht. Aber meiner Mutter. Sie war der Anker.
Sie war liberal für die damalige Zeit! Porno-Heftchen unter unseren Kopfkissen wurden übersehen von ihr. Auch warnte sie mich vor ersten Mädchen, das es sich nicht um Liebe handelt, sondern um erste Neugierde und natürliche Entwicklung. Meine Freunde suchten oft ihre Nähe. Aufklärung, Offenheit kannten sie nicht bei sich zuhause. Apropos Bettenmachen: Nie wurden mir von meiner Mutter die Schuhe geputzt, mein Schrank aufgeräumt. Jeder mußte von uns, in unserem Fachwerkhaus auf dem Land, in Wuppertal-Vohwinkel, im Haushalt helfen. Besonders ich mußte einkaufen gehen, als Kind! Zig Kilometer entfernt. Auch lernte ich Knöpfe annähen, kochen, Dinge reparieren, einen Haushalt führen, Verantwortung zu übernehmen, und, und, und. Ausserdem durften wir uns schmutzig machen beim Spielen, oder beim Obstklauen…Oder wir bauten Baumhäuschen und Erdräume. Will sagen, das war wohl der Weg zur entspannten Selbständigkeit. // Nicht angenehm: ich durfte mit unserer toll aufgebauten Märklin-Eisenbahn, auf einer Tischtennisplatte, nicht spielen. ich sei zu jung, so mein Vater. Meine beiden älteren Brüder verdrängten mich. So kam es auch zu deren Schachspielen. Bis oft weit nach Mitternacht. Zur Erinnerung, mein Vater war mal Stadtmeister von Bielefeld. Gnädig brachte er mir die Regeln bei. Mitspielen durfte ich – nie! Ich war wütend. Daher meldete ich mich auf der Grundschule bei einer Schachspielgruppe an. Es arbeitete in mir….Euch werde ich es eines Tages zeigen! // Auch Fussballspielen gelang mir nicht. Mein sportlicher Vater sorgte dafür, das meine Brüder als Jugendliche im WSV, Wuppertaler SV spielen konnten. In Erinnerung: Der damalige Star, Horst Szymaniak. (1934-2009). Er spielte beim WSV von 1955-1959. Noch heute Staunen. Er schoß für den WSV 91 Tore! Bei keinem anderen Verein waren es mehr. Der Liebling von allen. Wie Lukas Podolski heute, um 2020, immer noch, sogar als Fussballrentner. Szymaniak war u.a. Europas Fußballer des Jahres durchgehend von 1957-1961. Super guter Spieler. Es reichte bis zur Nationalelf. Damit wurde er Vierter. Siehe Wikipedia.
Ein Netter, der auch half beim Reinigen des Stadions, sich viel mit Kindern beschäftigte, damit sie auch mal Erfolg haben. Nun ja, ein bisschen schlicht war er im Kopf. Bei Vertragsverhandlungen gab es einmal dies: Horst, du wirst immer berühmter und teurer, kannst viel selber entscheiden. Möchtest du 1/4 der Einnahmen oder ein 1/3? Horst: Wenn schon, dann natürlich mehr, also 1/4……

Wir waren keine Familie mit Verwandten, Opas und Omas.
Es gab überhaupt keinen Kontakt zu denen. Außer zu meiner Oma Wedeleit,
die Mutter meiner Mutter. Sie besuchte uns immer wieder. Schlief bei mir im Bett. Und da meine Hände zwischen meinen Beinen was entdeckten, spielte ich daran rum. Normal. Die Oma aus Ostpreussen sagte: Pul nicht, Siggilein.
Nun, das machte mich erst richtig neugierig. Zeitlebens!//

Als ich ca. 14 war, stritten sich meine Eltern oft.
Nun fehlte mir, dem Lieblingssohn, der angenehme Vater, mit seiner „Schulter“,
da er auch oft nicht nach Hause kam. Mein Vertrauen bröckelte, was Ehe-Bindungen angeht. Bis heute. Siehe Rubrik Begegnungen, unter Frauen –
Die Amsterdamerin. Dann gab es den Vater/Sohn-Konflikt:
Zum ersten Mal, ohne Ankündigung, kam ich nicht nach Hause. Mit 17 Jahren.

Es war die erste Nacht mit JCB in einem Düsseldorfer Hotel, auf der Oststraße! Am nächsten Tag sprach mich aufgeregt mein Vater an. Ich war ja sein Lieblingssohn, um den er sich Sorgen machte. Da ich keine richtige Antwort gab, nicht geben konnte, gab er mir eine Ohrfeige. Das war äusserst selten.
Sofort gab ich ihm auch eine Ohrfeige. Er war irritiert und weinte. Ich auch.
Das war meine Öffnung zum Erwachsenen. Unser Kontakt blieb ab da ruhig. Seltener gab es ab diesem Zeitpunkt ein Zusammensitzen.
Jeder ging mehr oder weniger seinen Weg. Anmerkung: Erst 1994 verabschiedete der Bundestag den Paragraphen 175! Damals allerdings
wußte ich nix von Verboten, von diesen oder jenen Sexvorlieben.

Mit 17 Jahren machte ich den Führerschein. Zugelassen wurde er mit 18Jahre. Mein erstes Auto: Ein gebrauchter DKW 1.000S. Tomatenrot mit weissem Dach. Ein schnelles Auto für damalige Zeiten. Damit fuhren meine Eltern und ich noch einige Male zusammen. Doch dann uferte der Streit zwischen meinen Eltern aus. Mein Vater fand jede Kellnerin sexy. Meine Mutter schäumte. Sie fühlte sich verletzt. Leider wurde sie manchmal sehr laut. Ich schämte mich, auch wegen der Nachbarn. Ich war unglücklich.

Mein Vater zog aus. Eine Scheidung gab es nicht.
Das hat mich alles stark beschäftigt, irritiert. Ich stürzte mich wieder mehr auf Bücher. Und auf Freundschaftspflege. Bis heute. Meine Mutter wollte nun noch mehr Nähe zu mir, dem verständigen Sohn, da meine Brüder längst aus dem Haus waren, mit Unterstützung unserer Mutter. Ich konnte und wollte nicht zuhause bei meiner Mutter leben. In Erinnerung war doch ihr guter Satz: Meine erwachsenen Söhne müßen mit 18 Jahren das Elternhaus verlassen. Was auch bei uns Brüdern geschah. Sie unterstützte uns doch auch dabei! Sie war stolz auf uns.
Leider übertrieb sie mit Ihren Einschätzungen über sich. So erzählte sie mir, das ihr Busen schlaffer wurde etc. Nee, das mochte ich nicht. Ich empfahl ihr eine Freundin zu finden, oder einen Freund. Nein, sagte sie. Dann schickte ich sie, der politisch interessierten, zu der Partei „Grauen Panter“ in Wuppertal. Die waren da noch sehr populär, offen für politisch interessierte Frauen. Leider wurde meine Mutter nach Monaten gebeten zu gehen, da sie zu viel Privates loswerden wollte. Traurig. Jahrelang gab ich finanzielle Hilfen bis zu ihrem Tod, trotz guter Rente der Bayer-Werke, von meinem Jahre vorher verstorben Vater. Gelder überwies ich auch manchmal meinem Bruder in Australien, nach dem er angerufen hatte.
Aber auch nur bis zum Ableben meiner Mutter: Nun sind wir wirklich Erwachsene, sagte ich, wir müßen jeder selber zurechtkommen! Danach gab es keine Kontakte zu meinen Brüdern. Auch, weil der mittlere Bruder eher simpel war: seiner Frau verwehrte er den Führerschein, etwa. Ich fühlte mich immer mehr ausgenutzt. Damit war nun Schluß!
Damals schon war mein gleichaltriger Nachbar Knut Seipold eine Stütze für mich. Viel Zeit verbrachte er mit mir, um mich, tja, ausweinen zu lassen, zuzuhören, mir Mut zu machen. Das werde ich ihm nie vergessen. Siehe unter Begegnungen, Seipold, Knut. Ein wunderbarer „Sandkasten- und Fahradfahrenfreund“. Bis heute haben wir guten Kontakt. Und kräftige Oberschenkel.

Nochmals, es gibt drei Dinge, die man sich nicht aussuchen kann:
Wo man geboren wird, von wem und wann.

Blau – Karriere ohne Abitur. Wegen Geldsorgen. Pech!
Unsere Familienfirma musste ja wegen Familien-Streit, verkauft werden. Besitzer waren mein Vater und sein Bruder. Ohne Abitur bin ich in bester Gesellschaft: Wie u.a. Karl Lagerfeld, Thomas Mann und Gerhard Hauptmann – Nobelpreisträger, Rolf Hochhut, Hermann Hesse, Wilhelm Conrad Röntgen, Joschka Fischer, Klaus-Michael Kühne (Spediteur, 25 Milliarden Umsatz, 85.000 Mitarbeiter), Frank Elster, Iris Berben, Johannes Rau, Bundespräsident.
Oder wie einer meiner Lieblinge, Weltstar Anja Silja, Opernsängerin. Blutjunge, 20.jährige Freundin des damals viel älteren, verheirateten Wieland Wagner, 43 Jahre alt, in Bayreuth. Es folgte eine erstaunliche Sängerinnen-Weltkarriere von Anja Silja. Eine „Weltkarriere“ hatte ich allerdings nicht!
Aber ich könnte ein Beispiel sein, das man ohne Abitur sehr wohl Karriere machen kann, liebe junge Leser und Eltern!

Verliebt war ich erstmals mit 17Jahren, in Elisabeth Müller aus Remscheid, Bruderstrasse 60. Das kann ich nicht vergessen! JCB war damals 32, als er mich mit 17 entdeckte, Nähe suchte. Das war 1964 gesetzlich verboten!
JCB wäre ins Gefängnis gekommen. Seine Angst war entsprechend groß. Besser, sein Vorsicht. Drei Jahre kannte ich seinen Familiennamen nicht!
Doch ich wurde neugierig auf diesen, gepflegten, gut aussehenden, ruhigen, sportlichen, eleganten Mann. Immer mit sonnengefärbter brauner Haut. Erklären konnte ich mir das nicht. Mir fehlte einiges an Erfahrungen. Ich alberte ihm zu, schwärmte: Du siehst aus wie Jean Connery mit seiner behaarten Brust. Wie ein richtiger Mann, so ich, als blonder Typ, völlig haarlos und bleich! Wie oben schon geschrieben: Erst 1994 verabschiedete der Bundestag den Paragraphen 175! Damals allerdings wußte ich nix von Verboten, von diesen oder jenen Sexvorlieben. Ich machte einfach so einiges mit. Wie in meiner Pupertät, mit Kumpels beim Doktorspielen, vergleichen usw. JCB bedrängte mich nie.

Ja, keine Weltkarriere bei mir, aber eine sehr gute Lehre als Maschinenbauer
bei den Wuppertaler Bayer-Werken – mit Auszeichung.
Damals hieß es ja auch noch „Handwerk hat goldenen Boden“!
Dies sagte auch mein Vater zu mir, um mich zu beruhigen, mich zu ermuntern. Ausserdem würde ich meinen Weg gehen, sagte er. Auf dem Land, wir wohnten ausserhalb in Wuppertal-Vohwinkel, war es ja auch noch selten, wenn man damals studierte, sagte er. Nun ja! Diese Aussagen dienten wohl meiner Ablenkung. // Als bester Bayer-Werke-Lehrling durfte ich entweder an einen „Gleitsegelfliegen-Kurs“ oder einen „Segelkurs auf der Hanseatischen Yachtschule“ in Glücksburg teilnehmen. Entschieden hatte ich mich für die Yachtschule. Abschlußrennen: Dritter Platz mit einem „Dingi“.//
Lehrlings- Delegierter wurde ich von allen Bayer-Lehrlingen in Wuppertal.
Das Gute: Einmal im Jahr wurde ich zur Hauptversammlung aller Bayer-Lehrlings-Deligierten, zur Zentrale nach Leverkusen gefahren. Mit Mercedes-Chauffeur! Das fand ich toll, als junger Bursche. Zeigen durfte ich auch das nicht. Damals bemerkte ich schon, ich habe ein Umfeld mit Neider und Missgünstigen! Weil es bei mir immer wieder gut lief. Auch meine schnelle Auffassungsgabe und meine „flinke“ Zunge störte so manchen. Zitat vom Bundeswehr-Kompanie-Chef und vom „Welt am Sonntag“ Journalist Michael Georg Müller, Jahrzehnte später.

Während der Lehre wurde ich Gewerkschaftsmitglied der IG Chemie.
Und dort schnell verantwortlicher Delegierter der Jugend Wuppertal.
Einer der Hauptthemen damals, die Einführung der Mitbestimmung.
Das leuchtete mir ein. Nicht klar kam ich mit der Doppelmoral meiner Gewerkschaft. Auf meine Frage bei einem Kongress, an hochrangige Vorsitzende, warum sind wir nicht Vorbild? ( Die Nerven zu haben, aufzustehen, Fragen zu stellen, war mir gegeben. Hätte ich doch Politiker werden sollen?! ). Die Frage von mir: Warum führen wir in den Gewerkschaftsbesitzungen wie etwa beim Konzern Konsum Lebensmittel oder bei der Bank für Gemeinschaft,
keine Mitbestimmung ein? Vorbildlich also. Darauf bekam ich – keine Antwort. Ich gab sie mir: Ich zerriss mein Mitgliedsbuch. Austritt aus der IG Chemie!

Hat jemand mit Abitur mehr Qualität? Sicherlich nicht automatisch.
Wundere mich, welch mangelhafte soziale Intelligenz mancher in meiner Umgebung trotz Abi hat. Jetzt, in meinem Reifefleckenalter erkenne ich das. Beleidigungen, Besserwissereien, Arroganz erlebe ich manchmal. Hat diese Art Auftritt mit deren Scheitern zu tun? Möglich. Spielen Neid und Missgunst eine Rolle? Denkbar. Vielen Deutschen unterstellt man, sie wären neidisch auf den Erfolg bei anderen. Zu dumm! Anstatt sich mit denen zu freuen!!!
Habe ich trotzdem „die Kurve bekommen“? Ja!
Die anderen glaubten, ich hätte Abitur.

Habe ich jemals behauptet, ich habe Abitur? Nein.
Natürlich bildete ich mich immer weiter! Bekanntermassen bin ich ein Vielleser. Was man ja merkt…haha! Lehrgangsteilnehmer bin ich oft gewesen. Weiterbildungswege fand ich immer gut. Bis heute.

Blau-Traum Schauspieler.
Noch keine zwanzig, da sagt ich zu JCB, ich möchte Schauspieler werden.
Seit zig Jahren hatte ich ein Abo – „Theater heute“. Oper kannte ich eher nicht. Schallplatten aus dem Bertelsmann-Leser-Abo, brachten etwas Hör-Nähe.
Mein Interesse galt dem Sprech-Theater. Dieses Monatsmagazin verschlang ich! Regisseure wie etwa Peter Zadeck fielen mir angenehm auf. Seine wilden Bremer Inszenierungen sorgten für Mega-Diskussionen. Für Ablehnung und Begeisterung. Ich war total interessiert, angesteckt worden, so etwas will ich machen. Mitmachen. Als Schauspieler! Die ernüchternde Reaktion von JCB:
Wenn Du daran glaubst, es willst, dann mach es. Doch solltest Du wissen,
das Du eventuell dann in Bielefeld für 600 DM spielen wirst. Und JCB schob nach: Wäre es nicht klüger, Du gehst in die Wirtschaft, in den Verkauf?
Dein Typ wird Erfolg haben. Dann bekommst Du mit deinem Einkommen und mit deiner Sprachbegabung Schauspieler und Intendanten in deine Nähe.
Rums. Das saß!// Es folgte der Erfolg in der Wirtschaft. Und so ist es dann auch gekommen, mit den Nähen dieser „Leutchen“. Es gab viele Kontakte, Freundschaften. Bis heute. Siehe Rubrik Begegnungen. Aber ich wurde trotzdem ein kleiner Laien-Schauspieler. In Düsseldorf. Über einen VHS-Kursus, Theaterstücke lesen, kam ich zu Mr. Ernest in seine Laienspielergruppe.
Bei zwei Aufführungen wurde ich eingesetzt: In „Publikumsbeschimpfung“
von Peter Handke 1966/67, auf der Prinz-Georg-Strasse, in einem städtischen Gebäude mit Bühne. (Uraufführung war 1966). Und ein anderes Mal spielte ich den russischen Schriftsteller „Joseph Brodsky“. Aufführungen waren in einem Düsseldorfer Altstadt-Saal. Davon habe ich noch Fotos. // Dezember 2020: Gerade entdeckt, Fotos von der Grundschule. Auch dort spielte ich Theater. Süß, ich als verkleideter, verschmutzter Schornsteinfeger! Na bitte! //

Blau-Traum Journalist.
Parallel zu meinen Schauspiel-Träumereien, gab es auch noch den Alternativ-Wunsch, Architekt zu werden. Zig Zeichnungen belegen, was ich an Wohnhäusern entworfen hatte. Als Kind! Doch ein Journalist wollte ich auch werden. In unserer Familie war es ja ein MUSS, politisches Kabarett zu gucken. Das setzte voraus, wir lasen viel. Nicht nur Bücher, das war normal, sondern auch Zeitungen lesen und Radio hören. Unser Gerät, ein Grundig, mit grünem Auge! So waren wir schon als Kinder immer nahe dran am Zeitgeschehen. Den „Spiegel“ las ich ab dem 15.Lebensjahr. Sammelte alle Magazin jahrelang im Keller. Jedes Jahr über 50 Magazine! Das fand meine Mutter überhaupt nicht lustig!
Noch heute, im Jahr 2020, lese ich jeden morgen die FAZ mit JCB, und den Spiegel als Printausgaben. Alles andere lesen wir auf dem Smartphone oder sehen
ARD & ZDF-Nachrichten. Aber keine „RTL-Blut-News“.
Also, irgendwie packte es mich, das ich auch Journalist werden möchte.
Als JCB das mitbekam, als ich 18/19 Jahre alt war, schleppte er eines Tages einen Stapel Bücher an: Fachliteratur zum Journalismus, Werdegänge, Biografien über bedeutende Journalisten, wie Heinrich Heine, Alfred Kerr, Rudolf Augstein:
Nur so kannst Du verstehen, welche Erwartungen Du haben mußt, an Dich,
sagte JCB. Toll mal wieder von JCB!

Natürlich gab es zwischen JCB und mir einige Male heftige Diskussionen,
über Wirtschaft und Politik. Unvergesslich, eine Rückfahrt von Cannes nach Köln. Keiner sprach ein Wort! Ein gesunder Prozess zur Meinungsbildung, Einschätzung, was geht, sein sollte oder nicht. Nicht zu vergessen: ich war ein Jungspund, hitzig, suchend, auch von der IG Chemie zunächst beeinflußt! Doch erkannte ich mehr und mehr, das es kein Schwarz und Weiss im Leben gibt, sondern der Wille und die demokratische Wegsuche zu Kompromissen und Toleranz. Siehe Rubrik Presse – Autor Blau. //
Nie gab ich aber auf, einen Presseausweis besitzen zu wollen.
Erst auf Mallorca gelang es mir, mit 52 Jahren, dank dem Inselradio von Direktor Daniel Vulic, meinen Entdecker als Kulturredakteur, diesen zu bekommen. Ich verzichtete auf Vergünstigungen. Mir genügte ein Presseausweis!
Meine Güte, wie stolz ich war!
Längst hatte ich ja zig Gastbeiträge in Düsseldorf seit 1978 geschrieben. Etwa in der Rheinischen Post, in der Westdeutschen Zeitung WZ und in anderen Publikationen, bis für die renommierte „Weltkunst“. So wie auch danach auf Mallorca im Mallorca Magazin und bei der größeren Konkurrenz, der Mallorca Zeitung u.a.. Siehe Rubriken Presse – Autor Blau.
Befreundet bin ich bis heute, mit vielen Journalisten, Radio – und TV-Profis.
Siehe Rubriken Begegnungen. //

Blau-Traum Politiker.
Ja, ich wollte Politiker werden, als ich so um die 20 Jahre alt war. Und zwar Bürgermeister von Wuppertal. Dort, wo ich aufgewachsen war. Dort, wo auch Johannes Rau dieses Amt hatte. Der ja auffallend angenehm war. Immer. Auch als Bundespräsident. Immer verbindend. Menschlich. Ein begnadeter Erzähler, auch Plauderer. Mit Elefantengedächtnis. Er war mein Vorbild. Wie auch später Willi Brand, den ich wählte – mit FDP Walter Scheel – wegen deren guten Ideen mit der „Ostpolitik“. Was die CDU erst ablehnte, bitter bekämpfte. Aber danach wurden von deren Klientel Millionen dort verdient…! Damals war die SPD für mich wählbar. Und heute in 2021? Ein Trümmerhaufen. Kleinkariert. Und die FDP in 2021? Wieder wählbar. Unvergessen, damals, „meine liberale, moderne“ FDP mit dem brillanten Generalsekretär Karl-Hermann Flach (1929-1973), dem Welt-Intellektuellen Professor Ralf Dahrendorf (1929-2009). Alles habe ich versucht zu lesen, was Dahrendorf von sich gab. Ähnlich wie auch Texte von dem knorrigen, aber guten Wirtschaftsfachmann Graf Lambsdorff. Aber auch so Top-Politiker wie Gerhard Baum (geb. 1932) habe ich bestens in Erinnerung. Gerade wurde mir ein Buch von ihm geschenkt: „Freiheit“. Und na klar, nach wie finde ich Wolfgang Kubicki klasse. Nachdem ich sein Buch gelesen hatte „Sagen, was Sache ist!“, schrieb ich ihm 2020. Und der Vizepräsident des Bundestages antwortete drei Wochen später mit einen freundlichen Brief. Was übrigens auch Christian Lindner in diesen Tagen im März 2021 tat, als ich dachte, ihm schreiben zu müßen: Er solle nicht so hin und her blinzeln, wenn er ein TV-Interview hat. Ein Kompliment schrieb ich ihm ein weiteres Mal: Super, das sie sich nach der kommenden Wahl im September 2021, für nur zwei Kanzler-Laufzeiten einsetzen werden. Das erfreute ihn, das ich seine Vorschläge kannte, schrieb er zurück. //
Meine Eltern, besonders meine Mutter, waren stark an Zeitgeschehen interessiert. Siehe die Begeisterung über die interessanten, klugen, auch unterhaltsamen TV-Übertragungen, jahrelang, von allen großen, politischen Kabarettsendungen. Das Verschlingen von guten Medien. Die vielen Bücher. Die, auch manchmal schwierigen Diskussionen über Wirtschaftspolitik mit JCB und dem Versicherungs-Tycoon Hans Gerling. Wahrlich, beide erfolgreiche Weltbürger! Trotz Größenunterschiede der jeweiligen Familienbetriebe.
Auch die Gewerkschafts-Funktionen steuerten mich zu einem Politikerleben. Überhaupt all die Ehrenfunktionen von der Grundschule an. Doch, doch, ich glaubte, ich kann das beruflich! Aaaber, der Einfluß von JCB war stark. ER wurde ja mein Vorbild, mein Mentor. Ihm glaubte und folgte ich. So weit, das einige aus unserem Umfeld sagten, ich wäre ein „Produkt“ von ihm. Könnte ich als Kompliment so stehen lassen. Doch das trifft nicht das, was er wollte. Und ich auch nicht. Von jemanden lernen, ja klar. Kopieren? Nein! Etwas für sich „übersetzen“, annehmen, ja sicher! Wie war der kluge, folgenreiche Schlüsselsatz von ihm, als ich 20 Jahre jung war: Du mußt Siegfried Blau werden!

Jedenfalls bin ich ein glücklicher, lebensfreudiger, erfolgreicher Bürger geworden. Nehme mich nicht so ernst. Kann mich infrage stellen. Sprache mit Hintersinn finde ich klasse. Schlagfertigkeit liegt mir. Auch Mehrdeutiges. Situationskomik – herrlich. Moralisierend war ich nie. Das überlasse ich einigen Journalisten oder anderen, die sich erhöhen wollen. Mein analytischer – Zitat Dr. Gabriele Schott – und pragmatischer Menschenverstand, viel Fleiß, flotte Auffassungsgabe und Lernlust brachten mich weiter.

Klar ist, Bildung ist das A und O des Lebens. Das fängt im Kindergarten an.
Eine Weiterbildung hört nie auf. Nie!//

Blau & Bücher. (Hier geht es nicht um die von mir vorgestellten Bücher).
Welches Buch beeinflußte mich bis zum 16. Lebensjahr? Die Bibel!
Und die Themen zu Welt-Religionen. // Über meine Oma Wedeleit aus Lötzen/Könisgberg, die uns ja oft besuchte in Wuppertal, lernte ich Kirchen von innen kennen. Wie auch 33 Kirchenlieder. Keine Übertreibung! Jeden Sonntag ging sie mit mir Vormittags in die Wuppertal-Vohwinkler Hauptkirche, auf der Gräfrather Strasse. Nachmittags zum Gottesdienst in die Friedhofskappele, bei uns fast um die Ecke. Auf der Ehrenheinstrasse. Aber auch mein (muskulöser) Religionslehrer und Konfirmationpfarrer Zabel, begeisterte mich zum Liederlernen. Und zum Verstehen von Bibeltexten. Nochmals, ich war evangelisch. Und immer wieder erlebte ich viele Gespräche, Diskussionen über Religion. Bis heute im Reifefleckenalter. Etwa mit Pastor Niemöller während meiner Bundeswehrzeit oder später mit Margot Käßmann in Palma.
Doch mit 16 Jahren durchschaute ich, dank vielen Zeitung – und Bücher lesen,
und Meinungen hören, das Religion was anderes ist, als die Kirche als Firma,
als Machtapparat. Mein Kirchenaustritt folgte. Bereute ich das jemals? Nein.
Fühle ich mich im Alter bestätigt? Ja. Siehe auch unter Rubrik „Begegnungen Religion“, bei Ratzinger, Joseph, sowie das Buch „Sodom“ von Frederic Martel von 2019: Der Vatikan ein Intrigantennest, die größte schwule Gemeinschaft in Europa, da Dreiviertel aller Priester, Kardinäle, Bischöfe etc, dort schwul sind. Versteckt und offen. Mit Kämpfen untereinander. Leider auch Pädophile Priester schonend. Schwule sind keine Pädophie! Nicht verwechseln! Besonders Ratzinger auch als Papst, behinderte Klärungen der Verbrechen. 40 Jahre lang! Buch-Zitat Ende.

Bücher. Mit ca. 16-18 Jahre war u.a. mein Favorit: Kein Micky Maus Magazin, kein Comic. Wurde mir verboten. Sondern Oswald von Nell-Breuning. (1890-1991). Ja, der beschäftigte, ja begeisterte mich total! Dieser Jesuit, Nationalökonom, Sozialphilosoph, Erfinder der katholischen Soziallehre, beriet nicht nur den Pappst Pius XI, den Jesuiten und CDU-Spitzenpolitiker Heiner Geißler, sondern auch mich, den kleinen, evangelischen Halbstarken, als ich unter 20 war, haha! Im Ernst, seine Buchaussagen zündeten bei mir. Alleine schon dieser Satz soll hier genügen: Lohnarbeit und Kapital sind gleichwertig!
Er setzte sich stark für die Mitbestimmung ein. Er hatte Rede – und Schreibverbot während des gesamten Nationalsozialismus. Googelst Du.

1967: Geradezu erschütternd fand ich ich dieses Buch:
„Die Unfähigkeit zu trauern“ von Alexander&Margarete Mitscherlich.
Thema die NS-Ärzteprozesse. Doch seine Dokumentationen von 1949 wurden zwar gedruckt, aber nicht in den Buchläden angeboten! Das schockierte ihn. Daher entstand mit seiner Frau eine Aufarbeitung – und seine „Verabeitung“ –
mit diesem Buch. Und das wurde dann zu einem Bestseller!

Welches Buch mich auch stark beschäftigte, als ich ca. 20 Jahre alt war:
Vita Violenta, von Pier Paolo Pasolini, Autor und Filmemacher.

Kein anderer als „mein“ JCB schenkte es mir mit den Worten:
Das war wohl keine gute Idee!
Nun, wer Pasolini kennt, wer das Buch kennt, wo sehr ausführlich u.a. über die herumlungernden Hetero-Jungs und Männer in Rom erzählt wird, u.a. , der weiß, versteht JCB. Er befürchtete, ich könnte so neugierig werden, das mir dieses andere (Sex) Leben gefiel. War es gefährlich für mich? Nein. Wurde ich neugierig? Ja. Hat mich das zum Schlechten verändert? Nee, überhaupt nicht. Mein Polster vom Lesen half mir, nicht wegzurutschen. Doch Neugierde geschah schon! Und mein Hunger auf Sex stieg auch.

Noch eher ungeordnet in meinem Kopf, was welches Buch wichtig war oder ich gerne gelesen hatte. Doch jetzt in 2021, fallen mir noch die Veröffentlichungen ein von Gerhard Schreiber: Die Wechseljahre des Mannes. Das war damals eine „Bombe“, ein Tabu-Thema. Der Mann wurde erklärt, das eben nicht nur eine Frau diese Phasen kennt, sondern auch der alternde Mann! So mancher Macho stand doof da. Und das wiederum freute mich. Ich war und bin ein Verfechter von Gleichberechtigung usw. usw.

Besonders in Erinnerung, da es mich stark beschäftige, der Wälzer:
Die geheimen Verführer. Von 1962. Der Griff nach dem Unbewußten in Jedermann! Autor Vance Packard. Wie die Werbung uns beeinflußt. Dieses Fachbuch war ein „Renner“ in der Welt. Und bei mir im Kopf.

Eine Bücherliste folgt – vielleicht. Sehr viel Arbeit, da ich hunderte Bücher gelesen hatte. Zu meinem Umzug nach Palma, 1999, schenkte ich meiner Freundin Uschi Hägerbäumer in Düsseldorf über 400 Romane. Fachbücher und andere nahm ich mit nach Palma. Eine Bücherliste: Muß ich mir das auch noch antun…..?

Blau – Selbstbildung!
Meine Entwicklungen, Ausbildungen, meine Berufswege gingen anders.
Ich wurde ein Experte für mein eigenes Leben. Meine Zuwendungen zu anderen Menschen gaben mir Erfolge, ein Zurechtkommen.
Wer ist Schuld für Missstände? Der andere? Oder ich? //

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Nach der Bundeswehrzeitsiehe in Rubrik Begegnungen A – K,
„Blau & Bundeswehr“, studierte ich Maschinenbau-Technik.
Wurde, na klar…haha, Vorsitzender der Studenten-Mitverwaltung. //

Meine erste Berufs-Bewerbung mißlang!
Eine pfiffiger Lehrer der Technikerschule in Solingen, gab mir mehr an Wissen, als das, was man /ich erwarten durfte. Er empfahl mir, in die Verpackungsindustrie zu gehen. Es wäre mit Sicherheit eine Zukunftsindustrie. Womit er recht hatte, wie wir alle heute an den Müllbergen sehen!
Daher bewarb ich mich als Verkaufsassistent, bei 3M-Neuss, bei dem dortigen Verkaufsdirektor. 3M-Neuss, der damaligen Marktführer in Deutschland.

Es wurde ein Flop!
Nicht weil ich zu wenig wußte, sondern weil ich zeigte, DAS ich was wußte,
so danach der Personalchef: Sie haben sich zu sehr produziert, wollten nicht gut, sondern sehr gut auftreten. Damit ängstigten sie den Verkaufsdirektor. Das wäre so, als würde er seinen baldigen Nachfolger einstellen!
Meine Güte, was war ich enttäuscht, erschrocken und – aufgewacht. Nie wieder alles zeigen, was man kann. Sondern die Dinge sich entwickeln lassen. Die Frageformen wählen! Im Auge, na klar, wann schupse ich mich weiter nach „Oben“.
Anmerkung: Dieser besonders gute, drahtige, auch lustige Lehrer, mein Empfehler, nahm mich mit in den Film: „Zur Sache Schätzchen“. Mit der sehr jungen Uschi Glas. Dieser erfolgreiche Film war damals in aller Munde. Und wir sahen „12 Uhr Mittags“ zusammen. Das mochte ich natürlich alles! Typisch war das bestimmt nicht für einen Lehrer! Seine Frau lernte ich auch einmal kennen. Und ich bemerkte, er hatte über mich wohl einiges erzählt. //
Es folgte meine Erstanstellung als Angestellter in Wuppertal. Branche Zahnradwerk, Micro-Finish-Technik, Antriebstechnik. // Ernannt wurde ich nach einiger Zeit zum Maschinenbau-Verkaufs-Ingenieur. Mit entsprechenden Visitenkarten. Das war damals wichtig. Da muß wohl einiges mit meiner Arbeit gut gelaufen sein. Es folgte der NRW-Verkaufsleiter, mit Umsatzbeteiligung. Resultat: Kauf meiner ersten Eigentumswohnung in Düsseldorf mit 27 Jahren! Und kauf einer Rolex. Das brauchte ich damals…// Kreativität, Mitdenken, Zukunftsorientierung, das mag ich. Meine Firma folgte mir, das eine Reklamations- und Serviceabteilung aufgebaut werden soll. Deren Leiter wurde ich. Da saß ich aber schon längst auf der Etage bei der Geschäftsleitung! //
Es erhöhte sich die Anzahl meiner Neider:
Der grauhaarige Inhaber wünschte mehrmals pro Monat meinen Besuch in seinem Chefbüro, am anderen Ende des Ganges.
Unsere Gesprächsthemen: Die Kultur. Vorab seine Anfangsfrage: Wie sieht es mit dem Erfolg in unserer Firma aus? Haben Sie Verbesserungsvorschläge? //
Wie entdeckte er mich als Gesprächspartner? Über die Sekretärin unseres Geschäftsführers, mit der ich es gut konnte. Sie wiederum hatte einen guten Draht zu der „Boss-Chefsekretärin“. Was hörten beide Sekretärinnen oft von mir? Reiseberichte. Kultur-Infos. Denn, ich war ja gut informiert. Die ständige Mitnahme von JCB zu Kulturereignissen etc. , formten mich! Waren ja die Wegbereiter zur späteren Selbstständigkeit als Kunsthändler. Meine Erfahrungen, mein Wissen hatte ich nicht versteckt, sondern zu kurzweiligen, kleinen Unterhaltungen angeboten! So öffnete sich die Türe zu dem würdigen, graumelierten reifen Boss. Ritual: Wegen seiner teuren Teppiche musste man Filzpantoffeln anziehen. // Natürlich wußte er, das ich ein fleißiges Kerlchen war. Erfolgreich war. Reaktionen von Kunden waren meistens positiv. Und da ich gerne ein fairer Teamarbeiter bin, kam auch kein dummes Getratsche aus der Belegschaft. //
Dann sprach mein Firmen-Inhaber mich irgendwann mal an, ob ich nicht seinen Sohn privat mitnehmen könnte in meine Kreise.
Na klar, das tat ich. Der junge, etwas mollige Sohn, wirkte linkisch. Alleine schon, wie er sich seine blonden Haarstränen aus der Stirn strich, also, das sah nicht sexy aus! Er kam einige Male zu mir, in mein kleines erstes Reich, eine Mansardenwohnung in Wuppertal-Barmen. Dort gab ich oft kleine Essen.
Und dann kam dieser Satz von ihm, beim ersten Besuch:
Herr Blau, ich schmiere mir zum ersten Mal auf der Hand, ein Butterbrot!
Er strahlte. Und ich schluckte innerlich. Aber ich wußte längst, wie falsch verwöhnt er war. Dies erzählten mir vorher schon, meine zuständigen für „Dorfgespräche“, sprich Tratsch, das Sekretärinnen-Duo! In seinem Elternhaus, eine herrschaftliche Riesen-Villa, gab es Personal. Keine Wärme von seinen Eltern. Kein starkes Nein oder Ja zu ihm. Oft erzieht ja auch die Strasse die Jugend. Auch zum Guten. Doch die Strasse betrat er nie. Der Park des Elternhauses, der war ihm vertraut. Oh Mann!

Gute Umgangsformen bekam ich von zuhause.
Seit meinem 17.Lebensjahr habe ich von JCB zusätzliche Stilthemen, ein geschliffeneres Auftreten angenommen. Wohl damals und heute positiv wirkend. Ob bei (Hetero) Arbeiterkontakten, die ich suchte, gut und erregend fand, oder bei Oberschichten-Typen, die ich auch an mich heranließ. So ist dies immer bei mir: Keine Berührungsängste! Aber gesunde Neugierde. //

Kunsthändler Blau:
Meine Leidenschaft für Kunst trieb mich im Alter von 30 Jahren zur Selbständigkeit: Vermittler von Kunst & Kultur, trotz einer recht erfolgreichen, komfortablen Angestellten-Leitungs-Position. Mit guten Verkaufsprovisionen! So konnte ich mit 27 Jahren bereits meine erste Eigentumswohnung im Münsterpark Düsseldorf kaufen. Verkäufer, der Bauherr und Architekt Walter Brune. Dieses Münsterparkprojekt, war sein Durchbruch. Später war er der Bauherr der immer noch renommierten Kö-Galerien.
Und ich konnte mir erlauben, eine Weissgold-Stahl-Rolex. In Zürich auf der Bahnhofstrasse erworben. Seinerzeit war die Bahnhofstrasse noch angesehener als die Kö. Ja, ja, das war damals wichtig für mich. Damals war eine Rolex noch eine Rolex, kein Massenprodukt! Diese Uhr trage ich immer noch. Seit Januar 2020 benutze ich lieber eine AppleWatch, Serie Nr.5:

Stürze ich, habe ich Herzprobleme, dann würde sie, schreibt Apple, einen Notarzt rufen. Meistens! Aha!

Blau & Zukunft.
Bereits mit 20 „schwor“ ich meinem Freund und immer noch Weggefährten & Mentor JCB, das wir Erstens, zusammen Alt werden. Und Zweitens, dass ich mit 30 selbständig sein will. Vorbild, Beispiel war JCB und seine Familie.
Seit über 200 Jahren gab es deren Erfolgsgeschichte. JCB steigerte die positive Firmenentwicklung 40 Jahre lang als Geschäftsführer und Inhaber.
Und außerdem „versprach“ ich JCB: Das ich mit 50 in Barcelona leben würde. Alles ist so gekommen. Wenn auch erst mit 52 Jahren – Mallorca.
Diese so nahe an europäische Hauptstädten gelegene Ganzjahresinsel war richtiger, einfacher statt Barcelona. Eine Empfehlung meines erfahrenen Künstlers Anders Nyborg, Bornheim/Mallorca.

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Westdeutsche Zeitung: Offenes Porträt über Siegfried Blau, vom 19.01.1999.
Über 20 Jahre später lese ich es wieder zum ersten Mal, am Rosenmontag, den 24.02.2020.
Lese, das ich schon damals erzählte, nur Grundschule. Und – ich bin erstaunt. Und ja, stolz auf mich!
Meinen Erfolg erkenne ich auch an die Anzahl meiner Neider und Missgünstige…

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Der Einfluß von sozialen Kontakten

Gerling, Dr. Hans, Köln (1915-1991).
„Entweder man befindet sich auf der richtigen Seite der Geschichte ,
oder auf der falschen!“ Zitat Hans Gerling.

Hans Gerling, mein „Freund und Entwicklungshelfer“, geistig, und wirtschaftlich.
Auch dank starker Kunst-Verkäufe an ihn, ab 1978, meinem Kunsthandelstart.
Damals war der Kölner der grösste Industrie-Versicherer der Welt.
10.000 Mitarbeiter. Und halt ein sehr enger, langjähriger Freund von JCB
.
JCB stellte mir Gerling vor. In einem Cafe, am Gereonshof, im Kölner Friesenviertel. In „seinem“ monströsen, aber edlen Gerling-Viertel.
JCB: heute Abend stelle ich Dir einen Freund von mir vor, eine bekannte Persönlichkeit. Bleib wie Du bist. Das wird er mögen.

Gerling Freundschaftsdauer.
Acht Jahre fuhr ich zu seinem privaten, schlossartigen Herrensitz,
der „Marienburg“, im Kölner Süden. In diesem großen, schönen stattlichen
25-Zimmer-Gebäude, kam es zu Gesprächen, Diskussionen mit Abendessen, einmal pro Woche. Manchmal mit weiteren, eher jungen, männlichen Gästen. Und – zum Musik hören. Ob Pop (gerne die Beatles) oder Klassiksinfonien. Besonders führte Gerling mich in die Kammermusik ein.
Adresse Parkstrasse 55, Köln-Marienburg. Den Kasten gibt es immer noch.
Siehe Wikipedia.

Gerling & Blau-Rituale auf seiner „Marienburg“. Keine Villa. Eher ein Schloß!
Fuhr ich durch das große, schmiedeeiserne, schwarze, zweiflügelige Park-Tor, hörte ich über die Aussenlautsprecher, manchmal Kammermusik zur Begrüßung. Etwa das berauschende Werk von Franz Schubert: „Der Tod und das Mädchen“. Mit unfaßbaren Hochtönen, die an die Schmerzgrenze gehen. Oder Pink Floyd, Harry Belafonte oder die Beatles.// Oper lag ihm eher nicht. Er: Zu strukturlos die Handlungen und das „Sänger-Gebrüll“ dazu. //
Treff war immer der moderne, 1969 angebaute, 100 m/2″ große Sommer-Wintergarten. Eingerichtet von seiner Ehefrau Irene Gerling, mit bequemen, zeitlos schönen Sesseln. Mit modernen, kleinen, runden, gläsernen Beistelltischen. Ein Sidebord vor Kopf an der Hauswand. Eine Musikanlage, mit damals üblich, schlanken hohen Lautsprechern, Kühlschrank etc., mit Ablageflächen für die Bewirtung, moderne Malerei und Bücher. Der große Glaskasten war umgeben von vielen blühenden Sträuchern. Etwa die gelbblühende „Zaubernuss“. Besonders gefielen uns beiden die Strauch-Rosen-Sorte „Schneewittchen“. Immer üppig, wild, blühend. Es gab freie Sichtachsen durch den Park, von dem Star-Landschaftsgärtner Roland Weber angelegt. Vorbild die berühmten englischen Parks. Rechts hinten, im 50.000 m/2 Park, weit weg, hinter Hecken, war die hauseigene Gärtnerei. // Roland Weber war schon gerne bei der „Oberschicht“ DEREN Gärtner!
Etwa auf der Ebene von Familie Waschmittel-Henkel, Banken, Schlösser, Stadtparks, Konzerne oder auch bei meinem JCB, entwickelte er Parkanlagen. Siehe Düsseldorfer Stadt-Museumskatalog 1983, Anhang. Siehe Rubrik Begegnungen Weber, Roland. //

Immer begrüßte Gerling mich höflich auf dem Rasen, vor dem Sommer-Wintergarten. Das setzte voraus, ich war pünktlich. Es wurde erwartet! Mobiltelefone gab es noch nicht. Stau von Düsseldorf nach Köln war möglich. Also fuhr ich rechtzeitig los, na klar! Nie war der Begrüßungsweg in die herrschaftliche Marienburg durch die mächtige, ebenso schöne, schwarze, schmiedeeiserne, doppelflügelige, verglaste Haustüre. // Gegessen wurde in der relativ kleinen, rechteckigen Teeküche, innen, Nähe zur Terrassenschiebetüre. Es gab halbe Weinflaschen. Immer unser Lieblingsgetränk danach, Gin-Tonic. Das livrierte Personal baute vorher alles auf. Nur wenige Male während des Abends, durften sie erscheinen. Über Anruf per Haustelefon. Gerling zeigte mir auch das goldene Essbesteck. Und er fragte, das ich damit hoffentlich nicht essen möchte. So war es. // Wollten wir mal woanders hinfahren, verabredeten wir uns vor dem Herrenhaus, ein paar Ecken weiter, in der Germanicusstrasse. So brauchte Gerling sein Personal nicht extra fürs öffnen der Parkanlagen-Flügeltüre bemühen, oder deren Neugierde füttern. //

Bei Gerling begegneten mir auch Künstler, Journalisten, Wirtschaftsleute und Studenten, die wie er und JCB (bis heute), Mitglieder des renommierten Wirtschaftsclub „Copierpresse“ waren, auf der Dürenerstrasse. Gerling gab Spenden. Nahm mich dorthin mit als Gast. JCB spendet heute noch regelmäßig für die Wohnheime der auswärtigen Studenten. (Und für Ärzte ohne Grenzen).

Begegnungen gab es auch mit politischen Entscheidungsträgern. Auch Vorsitzende von Parteien. Sie „baten“ um Spenden. Still durfte ich daneben sitzen und – zuhören, was etwa FDP Walter Scheel, SPD-Ministerpräsident Heinz Kühn und andere von der CDU so vortrugen. Sprich, ich lernte.

Gerling & rote „Mao-Bibel“.
Als ich noch „blond, jung und schön“ war, politisch interessiert, wie heute auch noch, immer als Wechselwähler, schenkte ich Gerling eine rote „Mao-Bibel“. Dieses kleine Büchlein erhielt ich von dem Kölner „Roter Baron“. Einem dann und wann auftauchenden, privat guten Typen. Von ihm wußten wir auch, das so einige, die später zur RAF gehörten, schwul sind. Wie etwa Andreas Baader. Siehe Wikipedia. Also, unser netter „Roter Baron“ war politisch krass Links, aufklärerisch, wild, wenn auch gut aussehend. Studentenunruhen halt.
Rudi Duschtke Zeiten. Dutschke, den ich interessant und ja, angenehm fand!
Gerling bat ich dieses Leitbüchlein der Linken zu lesen auf seinem Geschäftsflug nach Kanada. Viele in Gerlings Umgebung hätten das nicht gewagt. Doch meine Position zu ihm war anders. Er mochte ja meine Neugierde, das Suchen nach guten Veränderungen! Reaktion nach seiner Rückkehr:
Mit meinem aufgeklärten, sozial engagierten Kapitalismus, bin ich richtig. Das andere werde ich mit allen Mitteln bekämpfen. Das ist pure Lust am Untergang. Anarchie. Das hatten wir schon mal, auf der anderen (rechten) Seite.
Gerling war längst bekannt dafür, das er den Sozialismus verabscheute. Aber er war ein Befürworter der sozialen Marktwirtschaft. Einsatz dafür mit allen seinen Mitteln. Verbal und finanziell.

Gerling & Sohn Rolf, mit Kunst.
Sein Lieblingsbild hing in seinem privaten Wohnbereich. Das sollte ich mir ansehen. Picasso, Dali, etc. sah ich. Aber auch was Scheußliches.
Eine kitschige Abendrotlandschaft. Ich war irritiert. Gerling lachte.
Nein, nein, hier geht es nur um Emotionen. Sein Sohn hatte es für ihn im Alter von 12 Jahren als Geschenk gekauft. Im Kaufhof Köln. So etwas imponierte mir. Sohn Rolf Gerling wurde 65 Jahre in 2020. Als er in der Pubertät war, schwamm ich mit ihm im hauseigenen Swimmingpool, im Tiefgeschoß des Herrenhauses.
Was Gerling außer den üblichen Welt-Künstlern gut fand, waren auch Arbeiten von Siegbert Hahn. Malstil, aufwendig, realistisch, Detailverliebt, schuf er in Köln stark farbige Bilder. Wie Altmeister. Vieles wirkte rätselhaft. Sein Atelier, ein absurd kleiner Raum, mit einem Fenster. Ausgestellt wurde er mehrmals in der Baukunst-Galerie von Ehefrau Irene Gerling, auf dem Theodor-Heuss-Ring. Unvermeidbar, der Freund von Siegbert Hahn, Dr. Peter Buckel. Immer dabei.
Wie eine Glucke. Wirkte er schleimig höflich. Immer grinsend. Gerling und ich mochte ihn überhaupt nicht. Zeigten es ihm auch durch Nichtbeachtung.
Er hatte ein „zweites“ Gesicht.

Gerling & Künstler Arno Breker. 1920-1991.
Ja, auch ihn lernte ich persönlich kennen. Gerling machte einen Termin.
In Brekers Wohnhaus und Atelier, in Düsseldorf, auf der Niederrheinstrasse.
Im Winter, wenn die Bäume die Blätter verlieren, sieht mach auf dem Grundstück überlebensgroße Bronze-Skulpturen. Männer, vollgepackt mit Muskeln, so wie es auch Adolf Hitler mochte. Breker war ja sein Hauptkünstler. und wie es auch viel Nachkriegsdeutsche mochten. Zehnkämpfer wie Jürgen Hingsen wurden von Breker 1983 dargestellt. Nackend natürlich.
Gerling beauftragte Arno Breker sämtliche Baukunstobjekte an seinem weitläufigen, monumentalen Konzerngebäude in Köln, im Gereonshof, entwerfen und anbringen. Roland Weber, der berühmte Gärtner, empfahl diese Idee, stellte die Verbindung her. // In Düsseldorf begegnete ich einen ruhigen, hageren, höflichen Mann. An seine Frau erinnere ich mich nicht. War sie dabei? Sicherlich. In meinem Kopf spukte natürlich die deutsche Nazizeit herum. Sah all die schwarz-weißen Filme über Hitler mit Breker. Oft dabei, die Riefenstahl, die größte Verdrängerring (Leugnerin?) aller damaligen Künstler. Eine raffinierte Frauengestalt. Aber eben auch künstlerisch hochgelobt. Wie Breker.
Picasso, Dali, Ernst Fuchs ließen sich darstellen, ließen sich von ihm Bronzebüsten anfertigen! Aristide Maillol sagte: Breker ist der Michelangelo des 20.Jahhrunhert. Salvador Dali ließ raus: Gott ist die Schönheit und Arno Breker sein Prophet. In paris trafen sich damals alle mit Breker: der Picasso-Galerist Kahnweiler, jüdischen Glaubens, der große Flechtheim stellte ihn in Paris aus. Auch das geisterte in meinen Gedanken herum. Der Besuch war anstrengend. Mußte ich doch eine Postion zu all dem finden. Nie haben Breker und Riefenstahl irgendetwas an Entschuldigung über ihre Lippen gebracht. Beide sprechen nur, jeder Künstler wäre dankbar gewesen, für Deutschland Kunst zu schaffen.
Sollten Künstler bessere, tapfere Menschen sein, als der Bürger auf jeder sozialen Ebene damals? Haben die meisten Deutschen und Österreicher Widerstand geleistet? Nein. Daher ist natürlich besonderes lobenswert, wer sein Leben riskierte. Und besonders schlimm, wer es verlor.

Gerling & Nachwuchs.
Gerling war bekannt, das er junge Männer förderte, (Meister/Lehrling), sie gerne um sich herum hatte, wenn sie wach, humorvoll, wissensdurstig, klug und Erfolgsorientiert waren. Mit denen er hart diskutieren konnte. Lieber sprach er auch mit seinem Sohn Rolf. So gut wie nie mit seinen drei Töchtern.
So finanzierte Gerling den Erfinder des flachen rechteckigen Haustürschlüssel mit Vertiefungen etwa. Die ganze Welt benutzt ihn. Oder er beauftragte den doch noch jungen, gut aussehenden Rechtsanwalt, Dr. Joachim Theye, für seinen Konzern tätig zu sein. 1978 machte er ihn, mit 38 Jahren, zum Aufsichtsrat-Chef seines Welt-Konzern. Darüber wurde geredet, sagt Hans Gerling zu mir. Und – er lächelte dabei. Gerling behielt Recht. Dieser junge Herr Theye war sehr hart aber eben auch sehr erfolgreich. Auch für den Film-Mogul Leo Kirch-Streitfall, den Axel-Springer-Konzern, den Lebensmittelgiganten METRO, Bremer Vulkan etc. Der Bremer Theye wurde leider nur 66 Jahre alt. Er starb 2006 in der Schweiz – natürlich.
Gerling förderte auch die Idee von einem jungen Mann, der von den USA nach Europa Skateboards exportieren wollte. Dies sei ein gutes Geschäft, so sagte der Bursche. Gerling glaubte ihm: In Paris wurden diese ersten rasenden Dinger vorgestellt, vor internationaler Presse. Ein explosionsartiger Verkaufserfolg folgte!

Gerling war schon sein eigener Darsteller seines Erfolges, seiner „Größe!
So zeigte er mir mal sein berühmtes Büro in der Gerling-Zentrale, am Gereonshof. Mit seinem Generalschlüssel öffnet er seitlich eine unscheinbare Türe. Und schwupp, tauchte der Sicherheitsdienst auf: Sie kennen mich, fragte Gerling? Drei Schritte Rückwärts gehend entfernte sich der uniformierte Wachmann. //
Gerling öffnete seine sehr hohe Büro-Fügeltüre. Mir verschlug es die Sprache. Ein wirklich riesiger, eleganter Raum, mit venezianischen Löwen-Skulpturen, einem Riesen-Sidebord, Raumhohe Fenster. Einige Etagen hoch war sein Büro-Saal.
Sein großer, weisser Leder-Schreibtisch war nicht zu übersehen. Darauf – fast nix. Auffallend, eine große, goldene Weltkugel, umschloßen von einen G – wie Gerling. Gegenüber, an der anderen Stirnseite, und rechts davon, riesige Fensterelemente. Kamen seine Direktoren durch eine andere Flügeltür, mußten sie den Gerling-Blick aushalten! Also, wenn da einer nicht gut vorbereitet war…brach man wohl innerlich zusammen. Trotz leiser Sprache von Gerling, existierte Druck. Gerling mutete sich Viel zu. Und anderen daher auch. Ein Strenger. Nicht so privat! //

Gerling & meine Rolle für ihn.
Das war das (Er)Fragen, die Unterhaltung, Freizeitgestaltung, Kontakte suchen, Musik hören, Meinungen suchen, etwa, was ich von Lebensversicherungen halte. Na klar, es waren immer nur Gedankenaustausche. Seine hochkarätigen Berater, Fach-Direktoren, waren ja im Konzern. Doch bekanntlich ist eine unverfälschte „Laien-Aussage“ manchmal hilfreich, Augen öffnend! Gerling sagte über mich: Mit Blau sich zu treffen, ist immer intensiv!
Ausserdem war ja schon bei der Bundeswehr auffallend für den Kompaniechef, wie gut und wie gerne ich mich für wirtschaftliche Zusammenhänge, interessiere. Das liegt mir halt! Bis heute.
Gerling wollte wissen, was ich von Politikern, Wirtschaftsgrößen und anderen Entscheidungsträgern halte. Oder ich organisierte private Kontakte. Etwa empfahl ich ihm den Arzt Dr. „Jupp“ Franz-Josef Viehöfer, Goethestrasse, Köln, Marienburg, ein damaliger Freund von mir, mit breit gestreuten menschlichen Interessen. Daher war er auch verheiratet und hatte eine Tochter.
Noch ein, zwei Jahre vor seinem Ableben, besuchte ich ihn. Auf Empfehlung des rührigen, ungemein intelligenten reifen Freundes Dieter Stuhl. Über 30 Jahre hatte ich keinen Kontakt mehr Jupp. Gerne hörte ich etwa diese Sätze: Er wäre stolz als erster aus der Familie , der einen Doktor gemacht hatte. Das ist doch prima! Jupp verstarb mit 82 Jahren in 2019. // Gerling ging nie in eine Arztpraxis. Er ließ Ärzte nach Hause kommen.

Also, so bin ich ja auch heute noch unterwegs, als wohl eine Art „Macher“ mit gesundem Menschenverstand, und rheinischer Offenheit. Darf ich so über mich selber reden? Tue ich einfach. Warum sollte ich auf Beifall jetzt noch in meinem reifen Alter warten…hihi. Es kommt ja keiner! Ich grinse über meine kessen „Widder-Weisheiten“.

JCB, mein Vermittler, sagte vorher wegen Gerling zu mir:
Lass Dich nicht blenden von Gerlings Wirtschafts-Größe, seiner gesellschaftlichen Stellung, seinem Reichtum. Dann gewinnst Du.
So ist es gekommen. Nie habe ich den Boden unter den Füßen verloren.

Ja, Gerling gehörte zur Elite. Aber diese Persönlichkeiten waren mehr an Büchern, Bildung, Kultur und guter, auch witziger Unterhaltung interessiert,
als an Luxus, aufdrängender Prominenz und Medien-Öffentlichkeit!

Ehefrau Irene Gerling. Die verständnisvolle Kontakterin.
Eine sehr elegante Dame, berühmt für Ihren wertvollen Schmuck, ihrer Garderobe. Jeden Tag kam ihr Friseur. Irene Gerling tauchte eher selten auf. Nie zu unseren Abendessen. Sie lebte im anderen Teil der Marienburg. Oder sie kümmerte sich um ihre Kölner „Baukunst-Galerie & Design“, am Theodor-Heuss-Ring. Gibt es 2020 immer noch. So richtete sie etwa das (FDP-) Aussenamt ein. Bei Vernissagen trafen wir dort alle zusammen. Auch mit JCB. Sie fädelte so manchen beruflichen Kontakt ein. Irene und Hans ergänzten sich total. Nie gab es Stress zwischen den beiden. Eher mit den Töchtern. Nie mit dem heißgeliebten Sohn Rolf, dem Nachfolger. Das Ehepaar tolerierte sich gegenseitig mit – tja, Marotten und sehr unterschiedlichen Empfindungen!

Gerling, Operngala & Netzwerk.
Einmal gab es in Köln einen Opern-Gala-Abend. La Boheme,
mit den Weltstars Mirella Freni & Gianni Raimondi, in den 70.Jahren.
Natürlich war alles ausverkauft. Doch JCB und ich waren dabei, in der siebten Reihe sitzend. Gerling ließ die Karten für uns und für sich und seine Frau organisieren. Das Ehepaar saß drei Reihen hinter uns. Seitlich versetzt, sodass wir uns zunicken konnten. Gerling und seine Irene waren großgewachsene Typen.
Er trug auch an diesem Abend, wie immer, ein königsblaues Zweireiher-Jacket, dunkelgraue Flanell-Hosen. Nie trug er einen Smoking, wie ich deswegen auch nicht! Das mochten die anderen Vermögenden in seiner Nähe nicht, sagte er.
Frau Gerling trug große elegante, nicht zu übersehende Ohrringe. Dazu eine entsprechende, große, aber geschmackvolle Halskette. Da ihre gepflegten Haare, immer aus dem Gesicht nach hinten gelegt waren, leuchtete alles. Ein schwarzes enges Kleid stand ihr sehr gut. Darüber einen weisses Bolero-Jäckchen aus – Hermelin! Tja! Die Blicke und das Getuschele vieler anderer werde ich nicht vergessen.

Gerling und JCB-Spuren:
Auch für mich sind junge, wache Menschen grundsätzlich sehr wichtig.
Sie bringen neue Ideen. Sie sind oft näher oder anders am Zeitgeschehen.
Wie Künstler ja auch oft, ja, irritieren, provozieren. Dinge anders sehen, empfinden. Die Jugend öffnet mich für Neues. Der reife Gerling ließ mich in seine Nähe, jahrelang, wie auch der 15Jahre ältere JCB zeitlebens. Wie ich es selber praktiziere, diesen „Meister/Lehrling-Weg“!
Daher stehe ich auf der „richtigen Seite des Lebens“.

Gerling & Reisen.
Mehrmals trafen wir uns in München. Wenige Male auch in seinem Bungalow mit Park, am Bodensee. Die ehemalige Flugzeugbauer-Dornier-Villa, mit direktem Zugang zum See, war angenehm wohnlich. Nicht riesig. Alles war in Weiss. Auch die hochflorige Teppich-Auslegeware. Nebenan, ein Bootshaus. Gerling besaß einen Motor-Bootsschein. Er sagte: Drüben ist die Schweizer Seite. Sollte es mal zum harten Sozialismus kommen, fahre ich halt rüber in die Schweiz! Dort besitze ich auch ein Landhaus. Gerling fürchtete immer, es könnte mal so kommen, Enteignungen. Jahre später machte es ja der sozialistische Präsident Mitterand in Frankreich, die Enteignung etwa der Rothschild Bank usw. Furchtbar! Längst wieder korrigiert. Wir besichtigten sein Schweizer Haus. Ein mehrstöckiges Landhaus. Nicht auffällig. Die Lage, wieder mit direktem Bodensee-Zugang.
Daher sind wir mit seinem Motorboot hingefahren.

Gerling & Bodensee-Nachbarin,
die berühmt-berüchtigte Umfragetante, Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann,
die „Pythia vom Bodensee“, Gründerin von Allensbach-Umfragen, schaute schon mal vorbei, zum Tee. Eine aparte, hochgebildete Person. Mit amüsanten Beschreibungen, über Politiker, die ich hier nicht erzählen werde, claro! Gepflegtes, kontrolliertes Aussehen. Immer ihre grauen Haare, streng eingewickelt am Kopf nach hinten befestigt. Als wenn gleich die Tagesschau über sie berichten wollte….
Oft sind Gerling und ich essen gegangen ins Restaurant von Bertold Siber und seinem Freund, in Konstanz. Später wurde Siber eine Adresse auch für Könige und Weltstars. Zitat aus www.ahgz.html vom 31.07.2004.

Gerling & Mein erster Festpiele-Bayreuth-Besuch.
Gerling war ein großer finanzieller Förderer der Festspiele. Dafür durfte seine Frau und er in einer Loge sitzen. Wie alle dort oben in der Logen-Etage, wurden sie von Wolfgang Wagner persönlich zum Platz geleitet.
Nun durfte ich Gerlings Karten benutzen. Mit meinem Kumpel Jürgen Kleiber, Geschäftsleitung Wenzel-Lüdecke-Film, Berlin, traten wir auf, ohne Smoking.
Das war damals selten. Schon garnicht auf der Etage der Logen!

Wolfgang Wagner sah uns, fragte wer wir sind: Herr Wagner, sagte ich,
herzliche Grüße von Dr. Hans Gerling. Soeben ist er mit dem Hubschrauber
aus geschäftlichen Gründen zurück nach Köln geflogen worden.
Da rastete Wagner aus. Sagte, dann hätte ich doch seine Karten jemanden anderen geben können! Ich:
Herr Wagner, diesen Satz sollten Sie mir, als engster Freund von Hans Gerling,
nicht zumuten! Wo sind unsere Plätze, Herr Wagner?

Später erzählte ich Gerling das verunglückte Auftreten von Wolfgang Wagner:
Er amüsierte sich herzlich darüber. Er mochte missglückte Situationen.
Bei anderen.

Gerling & Tickets für Festspiele Bayreuth. Die Begum mit Freundin.
Kurz vor Opernbeginn, kam DIE Begum. In einem champagnerfarbenen, mehrteiligen Sari. Eine Dame. Weltbekannt, groß gewachsen, schön, Top-Make-Up, toller Schmuck. Lächelnd. Sie gab auch uns die Hand.
Ihre Begleiterin, eine Gräfin. Sie sassen in der Reihe 1. Daneben Franz Josef Strauß mit seinem Stiernacken, stark schwitzend, mit Ehefrau. Wir sassen in Reihe 2 hinter der Begum. Es gab Parsifal. Sprich, fünf Stunden Konzentration auf schlechten, harten Stühlen sitzend, mit schlechter Luft. Bis heute gibt es kein Airkondition. Albern!
Parsifal, und das beim ersten Mal für mich in Bayreuth! Diese Wagner-Musik verstand ich damals nicht. Meine Vorbereitung hatte ich wohl eher versäumt. Interessant, das sich die Begum mit der Gräfin, die Hände hielten und damit rumkrabbelten!!! Nanu, dachte ich….Das erinnerte mich an die Erzählungen von Gerling über Greta Garbo. Sie waren befreundet. Beide besassen in New York im gleichen Hochhaus ein Apartment. Auch Greta Garbo wusste, das ihr Frauenhände gut tun! Begums Auftritt in Bayreuth – unvergessen, da selbstbewußt, mit großer Ausstrahlung. Die Oberschicht winselte um sie herum. Zur Erinnerung: Ihr Vater war ein Strassenbahnfahrer. Gute Entwicklung von ihr, sozusagen. Meine Mutter strahlte über meine Begegnungen.

Gerling & Festpiele Bayreuth mit mir. Auch unangenehm.
Im folgen Jahr gab es dort eine Begegnung. In der Opernpause entdeckte ich eine mir sehr nahe stehende Freundin, Christiane Nagorny. Mit einem jungen Begleiter. Gerling sah, das ich beide kannte – und er zog mich in eine andere Richtung. Was ist los, fragte ich? Gerling sagte, es gibt den ersten Eindruck.
Mir liegt dieser Typ nicht.
Damit lag Gerling richtig, wie JCB&ich immer wieder erlebten:
Nach Jahren unzähliger, antisozialer Attacken, auch gegen seine Ehefrau in Restaurants, oder gegen andere aus unserer Clique, trennten wir uns von diesem Kontakt. Immer tauchte bei uns die Frage auf, warum er keinen engen Freund hatte! Fühlten sich auch andere abgestoßen?

Die Übernachtungen ließ Gerling organisieren. Na klar. Natürlich waren wir in keiner Pension. Sondern jeder hatte ein Zimmer im schönen Schloß Eremitage. Nagorny – Siehe unter Rubrik Begegnungen.

Gerling & Herstatt Bank Konkurs. Köln. 26.Juni 1974:
Mehrheits-Eigner mit 80% Hans Gerling. Grösste Bankpleite bis dahin,
in Europa. Vormittags ging ich zu Hans Gerling, in sein Büro auf der Prinz-Regentenstrasse, in München. Das Telefon klingelte. Anruf von seinem Direktor, Vorstand, Anton Weiler. Danach sagte Gerling:
Siegfried, Du mußt gehen. Morgen liest Du in allen Zeitungen, Medien der Welt, das ich ab sofort viel Arbeit habe. Gerling drückte mir einen großen DIN A A4-Umschlag in die Hand. In meinem einfachen „Künstler-Hotel“ Deutsche Eiche sah ich, das dort, nun ja, keine „Pfennige“ drin waren! Und das schenkte er, in seiner sehr, sehr harten, finanziellen Crash-Situation, wie am nächsten Tag die Welt erfuhr?! Dank und Respekt noch immer, Sir!

Als Kunde/Sponsor blieb er trotz seiner Unternehmerkrise, positiv wirkend. Schließlich verlor er „nur“ 51% seines Weltkonzerns.
Interessant: der Betriebsrat, die Mitarbeiter, standen in der Öffentlichkeit hinter Gerling. Machten dies deutlich in den Medien. Berichteten über die guten Gehälter, weit über Tarif. Gerling dazu: sie erwirtschaften doch mein gutes Leben! Auch positiv für die Herstatt-Kunden: 99% der Einlagen wurden Jahre später an die Kunden zurückgezahlt. Nicht 60-80% wie einige Medien schrieben! // Gerling selbst ist betrogen worden. Die „Goldenen Jungs der Herstatt-Bank“ mit ihren überdrehten Aktionen, Spekulationen, Devisenhandlungen, brachten den Ruin.

2021 – 05.Mai, ARD, 20.15 Uhr:
Spielfilm zum Thema Schließung Herstattbank &Gerling.
Zig Medien griffen jedenfalls heute dieses besondere Ereignis wieder auf.
Nun wird mir wieder bewußt, was ich erlebt hatte! Was sagt JCB heute dazu:
Tja, der Gerling. der war schon was Besonderes. Ob dieser Spielfilm – keine Doku – das Thema gut getroffen hat? Für mich nicht. Es sollte eine Satire sein? Auch das war es nicht. Drei der Familie von Iwan Herstatt platzierten eine Gegendarstellung in der FAZ am 06.05.2021: Der Film sei völlig am Thema vorbei!

Der WDR brachte mal eine richtig gute Dokumentation, 44 Minuten:
„Dynastien in NRW: Die Gerlings – Das Geschäft mit der Sicherheit“.

Mit erstmaligen Privatfilmchen. Das haben die gut erarbeitet. Vom Aufbau des Konzern, über 60 Erbprozesse, den der jüngere Hans gegen seinen älteren Bruder Robert gewann. (eher selten!) Der Streit war erst zuende, nachdem der Wirtschaftsminister auf den Tisch schlug! In diesem Film spricht auch Gerlings Freund, Rudolf-August Oetker: Er wäre bodenständig. Aber Hans Gerling ist ein Intellektueller. Aber Gerling wäre auch hochsensibel, verletzbar, wenn auch ein humorvoller Typ. Vor allen Dingen verlässlich und beharrend. So auch Britta, die Tochter in dem WDR-Film. Massgeblich kommt sie dort zu Wort.

Gerling privat.
Statt mit Chauffeur in seinem dunkelbraunen, damals schrecklich großen, kantigen Mercedes 600, fuhr Gerling selber mit seinem dunkelblauen Ford Capri zu privaten Treffen. Sonderanfertigung, u.a. mit extrastarkem Motor, Leder natürlich, Autotelefon, was damals selten war, usw.
Etwa trafen wir uns in seinem Landhaus, in Immekeppel, im Bergischen Land. Dort, wo seine Familie sich aufhielt während des Krieges. Wo Akten und Aktien und Geld und Schmuck vergraben waren. // Oder er fuhr mit dem unauffälligen Capri zu mir nach Düsseldorf-Derendorf. Dort besaß ich ein kleines, 70 m/2 – Penthaus, mit Kamin und großer 100m/2 Terrasse, auf der 5Etage, im Münsterpark. Es gab, wie immer, Gin-Tonic. // Einmal war der Gordons Gin aus. Schnell besorgte ich unten im Kiosk Gin. Heinrich Drei Gin.
Hans Gerling: Was ist das? Diesen Gin Tonic mag ich nicht. Ich beichtete!
Lachen bei beiden. Gerling konnte gute, witzige, entspannte Reaktionen geben. Das es beruflich oft anders zuging, ist auch klar! Das wußte und las man.
Oder wir fuhren zum Essen, bei immer dem selben guten Italiener „La Capannina“, Frankenstrasse, in der Nähe. Dort sassen wir auf einer kleinen Bank an der Bar. Gerling wollte nie im Mittelpunkt sein. Nie! Dem Restaurantleiter Paulo, gab Gerling immer 50DM Trinkgeld. Egal wie groß die Rechnung war.

Gerling, schon melancholisch , oder wohl manchmal depressiv,
kam auch zu mir, um sich vor der Öffentlichkeit, vor der Presse zu verdrücken.
Er brauchte halt viel Ruhe zum Nachdenken. Um seine bedrückte Stimmung zu ordnen. Daher hatte er meinen Wohnungsschlüssel. Den nahm er mit ins Grab.
Den Konzern-Teilverkauf an u.a. Friedrich Karl Flick, per Handschlag (!), wurde nach Jahren von Hans Gerling rückgängig gemacht. Wie mit Flick abgemacht: Hans, wenn Du wieder so weit bist, verkaufe ich wieder an Dich. Natürlich gab es vorher auch weitere, zusätzliche Komponenten, andere Beteiligungen, etwa der Zurich-Versicherungs-Konzern über einen langen Zeitraum.

Gerlings Sohn Rolf,
in Zürich lebend, geschieden von einer Kanadierin, die sein Vater Hans Gerling nie mochte, wie er mir sagte, konnte 2019 auf ein bisserl Vermögen gucken.
Laut Forbes 2013: schlappe 1,7 Euro-Milliarden. „Nur“ der 52. Reichste in Deutschland.
Was Gerlings Töchter machen, habe ich keine Ahnung.
Eine dramatische Geschichte dazu: Ein Schwiegersohn wurde seinerzeit von Hans Gerling in seinem Konzern, auf einen Direktorenstuhl „gesetzt“.
Diesen Druck hielt er nicht stand. Selbstmord.

Gerling und der türkische Bursche „B„.
Meine Kontaktherstellung. Ein Türke aus Izmir, nicht Türkisch sprechend. In Köln aufgewachsen. Bei Ford am Fließband stehend. Sympathisch. Und – sehr gut aussehend. Mit Dackelblick. Ihn entdeckte ich beim Spazieren am Kölner Militärring, in Kreidestreifenhose. Sein Lächeln – umwerfend. Sein „türkisches“ Kölsch auch. Von mir ein Treffer. Gerling mochte ihn leiden. //
Jahre später bat ich Gerling um eine Reise in die Türkei. Mit dem türkischen Burschen. In Izmir waren wir Gast von seiner Familie. Na klar, mit überschwänglicher Bewirtung. Kaffee gab es keinen. Es herrschte damals dort Knappheit! Die türkische Bewirtungs-Kultur ist klasse. //

Wir trafen uns zu Dritt immer nur in Gerlings Landhaus,
im Bergischen Land, bei Immekeppel.
Gerlings Personal brachte vorher das Essen und frische Blumen. Oder es wurde gerne mit Azaleen dekoriert. Oft wurden dort gemeinsame Spaziergänge gemacht. Es wurde viel geredet. Die Umgebung im Wald war wunderschön. Die ganze Zeit sah ich Hans Gerling mit glühenden „Kinderaugen“. Die beiden gingen oft alleine ins Haus und ich fuhr zurück nach Düsseldorf.
Gerling hatte auch was Jugendliches, auch albernes. Ungemein gut lachen konnte er, wenn andere dumme Fehler machten. So erlebten Gerling und ich ein Boulevard-Stück im Theater „Komödie“, im Hotel Bayerischer Hof, München. Story: Ein hochrangige Mitarbeiterin eines Konzern erklärt einem wichtigen Kunden, ausholend Dieses und Jenes. Die Mimik des Kunden wirkt immer fragender, die Körpersprache unruhiger. Dann fragt er:
Haben sie eigentlich überhaupt eine Ahnung, um was es geht? Sie sagt – Nein! Gerling lacht als einziger im Theater laut los. Irritation bei allen anderen.
Das fand er halt sehr komisch. Und ich auch. Dann erst begriffen auch die anderen Besucher, wie witzig diese Szene war.
Trotz seiner schlaksigen Körpergröße wirkte er privat fast, nun ja, jugendlich flott, immer gut riechend ( Lanvin), nie langweilig. Mit blitzwachen Augen. Wenn da nicht die gebügelten Blue-Jeans wären…
Statt beruflich wie sonst, mit königsblauem Jackett, trug er in seiner wenigen Freizeit, eine schwarze Lederjacke. Oder gerne eine braune Wildlederjacke.
So eine kaufte er mir auch in München, auf der Brienner Strasse (bei Braun?), gegenüber Cafe Luitpold. Und für seine Frau suchte er ein Hermes-Tuch aus.
Ohne zu bezahlen. Die Rechnungen wurden immer nach Köln geschickt.

Gerling und Blau, als Autohändler!
Der türkische Bursche wollte nach einer gewissen Zeit weg vom Fliessband.
Er wollte eine Herrenbotique. Nicht vorstellbar für Gerling und für mich.
Also überredeten wir ihn, zum Autohandel, seine Fachrichtung halt.
Gegründet wurde, unter meinem Namen, und Gerlings guter Unterstützung,
der Autohandel B&B. (Blau&B: Den Vor- und Zunamen möchte ich lieber
nicht nennen). Autohandel-Adresse in Köln war: Venloerstrasse 362.
Mein/unser Werbespruch: „Bei uns haben nicht nur die Reifen Profil“!
Auch klar: Lange existierte der künstlich am Laufen gehaltene Laden nicht. Weil dem jungen Burschen die Lust ausging….(Noch heute gibt es dort die Wand rechts, verspiegelt. Dies ließ ich einbauen).
Später gab es Treffs auch in einer Mietwohnung, die der junge Mann organisierte, auf der Aachenerstrasse 261. Vorher musste ich für Gerling klären, ob es die richtige Adresse für Begegnungen sei. Gerling bezahlte die Miete. Zufall: Im Garten hinter dem Mehrfamilienhaus war ein schöner grosser runder Marmor-Brunnen. Den Stil erkannte Gerling: Er lachte. Das Haus gehörte der Gerling-Gesellschaft!
Irgendwann, da war ich schon nicht mehr in Gerlings Nähe, gab es den Kontakt Gerling/Türkenbursche nicht mehr. Das sympathisch schlichte Wald-Landhaus soll danach in Flammen aufgegangen sein…

Gerling, Hans: „Geistkapital“.
Es gab Gespräche mit dem Chefredakteur von Capital, Johannes Groß.
(1974-1980. Ab 1980 Herausgeber). Dieser geistig quirlige, kleinwüchsige,
aber ein Großer im Kopf, faszinierte mich. Stichworte flogen hin und her.
Nichts verpassend. Hellwach. Polarisierend, provozierend in Frageform, gerne. Immer war es kurzweilig, na klar!
Der konservative Gerling akzeptierte meine eher linksliberalen Positionen. Genoss mein Zahlengedächtnis, meine rhetorischen Spitzen gegen träge Entscheidungsträger. Meine positiven Ideen, das nach Vorne blicken. Lösungen immer suchend. Nie aufgeben. Nie die Probleme der anderen zu seinen eigenen machen, sagte Gerling oft zu mir. Er nannte mich ein unkonventionelles, geistiges Urgewächs. Wäre Gerling vielleicht selber ein bisschen gerne so gewesen?
War das auch die Basis unserer Freundschaft? Wie auch so bei JCB teilweise?! Sucht man nicht oft bei anderen, was man selber nicht hat? 

Gerling sagte nach Jahren zu mir:
Nicht ich bin der sehr nahe, richtige Freund für Dich, JCB ist es.
Stimmt. Daran hatte ich ja nie gezweifelt!
JCB war und ist mein wichtigster Freund, mein großes Vorbild,
mein emotionaler und intelligenter Ratgeber. Mehr als herausragend.
Gerling war es auch, etwas. Beide prägten mich.

Gerling Ende

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2019 – Mentor & Weggefährte JCB wurde im November 88 Jahre jung.
Durch ihn wurde ich „Siegfried Blau“. Ihm verdanke ich geistig fast alles.
Auch hörte ich zweimal den klugen Satz als ich 20Jahre alt war:
„SCHAU NICHT SO ZU MEINEM PORSCHE!
DU MUSST SIEGFRIED BLAU WERDEN!“
Mit dieser, seiner Weisheit, die ich befolgte,
hatte ich als junger Mensch prägendes Glück gehabt!

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Schlusssatz:
Seit meiner Kindheit schlug mein Herz für die Kunst. Diese Emotionen wurden nie unterbrochen. So malte ich wie wild Bilder mit Bleistift und Öl, die auch in der Grundschule oft ausgestellt wurden im Forum. Besonders meine Kohle-Porträts begeisterten so einige. Beifall gefiel mir also schon damals…
Selbst JCB ließ ein Bild mit dünner Goldleiste damals rahmen. Dieses Bild hängt bei uns hier im Haus: Emotionen halt.
Bis zum 20.Lebensjahr, bis zur Bundeswehrzeit, die so gut prägend für mich war, malte ich. Bei der Bundeswehr wurde ich schneller erwachsen. //
Mit 12 Jahren wurde ich von meiner Mutter ins Theater Wuppertal gebracht. Alleine sah ich dort das Stück, „Minna von Barnhelm“ von Gotthold Ephraim Lessing. Noch heute erinnere ich mich an diese Aufführung, an die Schauspieler. Die Hauptdarstellerin trug in ein braunes Kleid.

Meine Kleidung, eine Anzugsjacke, aber ohne Revers. Wohl damals modern? Alles beige. Ich schämte mich, denn ich trug eine kurze Hose! Alle anderen Kinder und Männer, hatten lange Hosen an.

Heute erscheint es mir unglaublich, ja verrückt, das ich den Mut hatte, mit
30 Jahren tatsächlich als selbständiger Kunsthändler anzufangen! Trotz meinem guten, finanzell erfolgreichen Karriere in der Maschinenbau-Firma.

Warum wollte ich selbständig werden? Gut, Vorbild, Beispiel war
seit meinem 17. Lebensjahr JCB, als Firmeninhaber und Boss.
Natürlich war mir auch bekannt, das Galeristen gerne Nähe erhalten.
Deren Aura ist anziehend. Viele – gute – Türen gehen auf.

Hoffte ich auch, auf ein quicklebendigeres Privatleben? Schnellere
private Kontakte? In Erinnerung: Ein Schriftsteller sagte, er schreibe,
damit er schneller an Sexabenteuer kommt. Zitat Ende.
Bin ich auch so einer gewesen? Hatte ich deswegen im Lagerraum hinten,
eine Couch stehen? Um mich mal auszuruhen?
Mein Leben habe ich voll ausgekostet. Mit kontrollierter Leidenschaft. Mit Verbalerotik – zur Ablenkung, da ich kein guter Liebespartner war. Ein Blender war ich auch nicht. Sonst wären diese besonders guten Kontakte nicht geblieben!

Woher kam so viel Glauben an mich? War es ein gewachsenes Selbstwertgefühl? War meine soziale Umgebung so fantastisch? Reicht das tatsächlich?
Hier denke ich an meinen Lebensfreund und Weggefährten JCB, mit seiner interessanten Umgebung. War ich tatsächlich so ein fleißiges, wissensdurstiges, lernfähiges Kerlchen? Half meine Selbstbildung? War ich einfach nur kreativ & clever? Das sollten andere beurteilen.

Jedenfalls großen Dank an alle, die mich förderten und ertrugen.

JCB neben mir. Hinter ihm, sein Bruder Friedrich, mit Kinder Sohn Sebastian „Basti“, mehrmaliger Olympiasieger und Weltmeister im Feldhockey – wie seine Ehefrau Martina Heinlein auch! Hinter beiden, die schöne, blonde Tochter Christiane, kümmert sich um ihre Zwillinge. Familientreffen am 17.03.2018 in Hamburg-Blankenese: 70. Geburtstag von Friedrich.