Prolog:
„It’s nice to be important, but it’s more important to be nice“. 

Es gibt drei Dinge, die man sich nicht aussuchen kann:
Wo man geboren wird, von wem und wann!

Korrekturen, Pressebeiträge, Fotos fehlen noch

Foto „Blau“ – hier auf Startseite, Nele Bendgens, Mallorca Zeitung.

Leben, um davon zu erzählen“. Buchtitel von Gabríel García Márquez, Nobelpreisträger. Anmerkung : Jedes Leben ist es wert, erzählt zu werden!

Blicke auf Privates, rheinisch offen, siehe hier diese Rubrik „Über mich – Privat“ und siehe „Rubriken Begegnungen“.

Diese Aufzeichnungen gehen ins Archiv des „BVDG –
Bundesverband Deutscher Galerien“.

Vier mit mir befreundete Künstler (siehe „Rubrik Künstler – Private“) und andere Freundinnen/Freunde ermunterten, „bedrängten“ mich, Rubriken
zu skizzieren, da mir zig Persönlichkeiten begegnet sind, die mich formten, förderten, forderten und prägten, als ich halt noch jung, blond und schön war.
Sie gaben mir Wissen. Sie änderten mein Einstellungen zum Leben.
Manches war merkwürdig. Natürlich, Eitelkeit und Stolz schwingen mit!

Jedenfalls ist es ist bei mir kein Namedropping.
Ohne diese Kontakte und Begegnungen wäre meine Entwicklung
nicht so gut geworden.

War ich eine Nr. 1? Nein! Sicherlich war und bin ich ein kämpfender, erfolgreicher Organisator, sagt man. Ein „Architekt“, der was ausbaute.
Ein aufblühender Teamworker, ein auffälliger Zuarbeiter, mit Hang und Drang zur Verantwortungsübernahme. Der gerne Tipps gibt.
Bekam ich entsprechendes zurück? Na ja!

Seit 2014 bin ich im beruflichen Ruhestand.
Ab Januar 2020 erlaube ich mir einen Blick auf meine Entwicklung.
Glück wollte ich haben. Doch das bekommt man nur über viel Arbeit,
Disziplin und Umsicht.

Glück ist ein Nebenprodukt anderer Dinge“.
Zitat polnischer Pfarrer Adam Boniecki, 83 Jahre, in 2020.
Belegt mit Redeverbot in Polen – von der katholischen Kirche.
Weggefährte von Papst Wojtyla, Johannes Paul II.
Hand in Hand bewirkten beide Veränderungen im Osten.
Und dadurch auch bei uns!

Besonderen Dank geht an meinen Mentor & Lebensfreund JCB.
Es ist vorstellbar, das ich ihn in über 56 Jahren Weggefährtenschaft,
am nächsten gekommen bin. Und umgekehrt!
Diese Weggefährtenschaft ist gewachsen wie ein Baum.
Langsam, stetig, natürlich. Daher wohl durch nichts zu erschüttern.

Thema bei uns, immer, unausgesprochen: Bodenständigkeit, Verlässlichkeit!

JCB hat es sicherlich auch Kraft gekostet, souverän zu sein.
Schon als Kind bekam er eine Erziehung zu führen. Ziel:
Mit 28 Jahren das über 200 Jahre alte Familienunternehmen zu übernehmen.
Nicht in die Niederungen von verbissenen Dauer-Diskusstierern zu kommen.
Anstrengungen zeigen? Niemals.
Einige haben seine Zurückhaltung verwechselt, mit – den haben wir im Griff!
Falsch. Unter vier Augen kommen klare Aussagen, Analysen und Entscheidungen. Eher nicht schnell oder gar hektisch.

JCB,s private, späteren „Neben-Kontakte“ waren manchmal überraschend. Wahrscheinlich zog es ihn, den gepflegten, wohlbehüteten, zu dem
„Mann auf der Strasse“. Das knisterte, reizte mehr. Gegensätze ziehen sich
wohl an? Schwierige Charaktere amüsierten ihn. Wir engsten Freunde stöhnten. Nicht gerne wollte er viel von ihnen wissen. Das hieße ja, sich mehr mit ihnen zu beschäftigen, auseinanderzusetzen. Lästig. Bringt oft nix, lernte ich, außer Unruhe. Lieber verdrängen. Auch flegelhafte Typen aus anderen Orten waren erduldet. Manchmal mit ziemlich rüden Umgangstönen. Einiges wurde bei JCB damit durchgesetzt. Na und, sagte er sich, dann wird eben Geld „verbrannt“.
Nächstes Thema.

JCB, ein innerlich großer Mensch!Eine Persönlichkeit. Ein Gentleman.
Geachtet von vielen. Und dabei auch noch gut aussehend.
Auch im Reifefleckenalter!

Die schreckliche Coronazeit seit Februar 2020, gab mir zusätzlich die Idee,
die Zeit, dies hier aufzuzeichnen – und noch mehr Bücher zu lesen!
Jedes Jahr reiste ich bzw. wir viel. Doch alle unsere Reisen wurden storniert.
Und nun auch noch der Tod von Verpackungskünstler Christo Anfang Juni 2020!
Daher ist auch Paris im September 2020 nicht mehr im Reise-Kalender.
Schade, das etwa all die jährlichen Musikaufführungen in Bayreuth, Salzburg, München, Wiesbaden, in München usw., nach 2021 verschoben sind.
Wenn es denn dabei bleibt…

Mein Weg im Telegrammstil:
Evangelisch – im katholischen Kindergarten. Einschulung Grundschule.
Klassensprecher in allen Klassen. // Gymnasium nicht möglich. Wegen Verkauf unserer Firma. Wirtschaftliche Schwierigkeiten. // Lehre Maschinenbau bei Bayer Wuppertal. // Gewerkschaftsmitglied IG Chemie. Delegierter Jugendgruppe Wuppertal. // Bester Lehrling bei Bayer. Auszeichnung: Lehrgang Hanseatische Yachtschule Glücksburg. // Vorsitzender aller Lehrlinge Bayer Wuppertal.
Bayer-Jahreskonferenzen in Leverkusen. // Delegierter bei der IG Chemie
für Lehrlinge. // Mit 16 Jahren aus der Kirche ausgetreten. // Eingezogen für die Bundeswehr. Rückwirkend auf zwei Jahre verpflichtet (Z2). Stubenältester als Jüngster und Kleinster. Die Bundeswehr bzw. der Kompaniechef beschleunigt mein Erwachsenwerden. Auch mein Körper wuchs aufeinmal. // Maschinenbau-Techniker-Studium. Sprecher der Studentenmitverwaltung. // Angestellten-Anstellung in Wuppertaler Maschinenfabrik/Zahnradwerk.
Erfinder und Leiter der Service- und Reklamationsabteilung.
Ernennung zum Verkaufs-Ingenieur. NRW-Gebietsverkaufsleiter. Umsatzbeteiligung. // Erste Eigentumswohnung in Düsseldorf mit 27 Jahren.
Kauf meiner Rolex. Damals was besonderes. //
Mit 20 geplant, Selbständigkeit mit 30. So geschah es, als Kunsthändler. //
Stellv. Vorsitzender, Pressesprecher „Freundeskreis Heinrich Heine“ Düsseldorf.

Januar 1999 Galeriepartnerschaft mit Theofilos Klonaris.
Umzug Ende 1999 nach Palma de Mallorca.
Mit Klonaris, und mit Freund Dominik Graf von Stauffenberg.
Wir wohnen alle in Palma in meiner Etagenwohnung.
Berufliche Trennung von Stauffenberg nach 8 Monaten. //
Trennung von meinem Galerie-Partner Klonaris nach fünf Jahren, Mai 2004. //


Juni 2004, Frontalzusammenstoß auf Mallorca. Auto „tot“, ich lebe. Sinnkrise. September 2004. Mieterhöhung soll um 33% sein! NO!
Daher, Ende als Galerist September 2004.

Start als selbständiger Kundenberater bei der Mallorca Zeitung/Diario de Mallorca. // Beginn als selbständiger – „kleiner“ Kulturredakteur beim Inselradio Mallorca. // Nach neun Jahren habe ich gekündigt bei der Mallorca Zeitung,
als bester Neuvertragsverkäufer. Über 500 Werbe-Verträge in diesem Jahr!
Konzernrekord!
2014 offizieller Umzug zu meinem Weggefährten, Lebensfreund JCB:
Wir passen aufeinander auf“.
Im Mittelpunkt für beide, Kultur, Restaurants, Reisen, Freunde und Freude.

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Einzelheiten:

Siegfried Blau, evangelisch, erzogen im katholischen Kindergarten in Wuppertal-Vohwinkel. // Grundschule. Der Fußweg dahin dauerte von unserem alten Fachwerkhaus 30-40Minuten. // Zur Einschulung wurde ich von meinen Eltern begleitet. Danach nie mehr. Meine schwarze Katze „Möhrchen“ begleitete mich oft bis zur Hauptstrasse. Dann kehrte sie um. Hundeverhalten?
Im Winter hatte ich oft keine Strickmütze auf. Habe ich deswegen nie eine Mittelohrentzündung gehabt, wie andere Schüler? Nie eine Erkältung, nie eine Grippe? Oder habe ich Glück mit meinen Genen?

Schlüsselerlebnis erstes Schuljahr,
für meine junge, fraulich-schöne Lehrerin Fräulein Hübel.
Wir waren ihre erste Klasse nach ihrem Studium.
Alle Schüler „liebten“ sie und ihre Kleider. Hosen trug kaum eine Frau!
Ist nicht auch ein Rock erotischer?!

Mal-Aufgabe, Schneewittchen mit den sieben Zwergen. Mit Haus und Garten. Fräulein Hübel beugt sich über mich und sagt: Das Bild ist fertig?
Aber Siegfried, Du hast ja Schneewittchen vergessen zu malen!
Ich drehe mich um: Ja bist Du den dumm? Die ist doch im Haus!

40Jahre später erzählte sie mir bei einem Klassentreffen diese Geschichte.
Wir lachen. Sie sagte, sie hätte sehr lange gebraucht um ihren Anfänger-Schock als Lehrerin damals zu überwinden. Sie zweifelte, ob der Beruf Lehrerin für sie richtig sei. Ihre Mutter sagte: Durchhalten.

Meine Eltern informiert sie damals:
Siegfrieds Reaktionen, Fantasien und Gedankensprünge sind manchmal überraschend. Sie sollten mich „laufen“ lassen.

Thema Vertrauen.
Für diese wunderbare Fräulein Hübel, durfte ich heimlich Zigaretten kaufen. Viererpackungen. Sie war gerne eine Raucherin. Das guckte ich mir ab,
mit 9 Jahren. Meine Mutter erwischte mich zuhause. Sie sagte, heute Abend sprechen wir darüber. Gräßlich, ich mußte vor meinen älteren Brüdern und meinem Vater, zeigen, wie ich rauche. Doof fand ich das. Ich schämte mich,
da ich doch noch so jung war, na klar. Weinend ging ich aus dem Zimmer.
Nie wurde ich zu einem Raucher. Obwohl alle anderen von meiner Familie, Raucher waren. Toll gelöst, liebe Eltern!
Einmal erwischte ich Fräulein Hübel, als sie ihren Freund bei einem Ausflug der Klasse, hinter einem Baum küßte. Wohl Start für mich, gerne zu (zu)gucken!
Ein etwas kleinerer, sportlicher Typ, der uns beeindruckte mit seinem Adler-Motorrad. Schnell verzog ich mich. Sicherlich bemerkten sie mich und sagten – nichts. Klasse!

Thema Grundschul-Klasse.
Immer war ich ja ein Klassensprecher. Siehe oben – ich mochte gerne Einsatz für andere, Zusammenarbeit koordinieren, Verantwortung übernehmen. So erhielt ich mal eine Ohrfeige. Der hagere, nervöse Lehrer, den kaum jemand mochte, gab sie mir: Im Namen der Klasse stand ich als Klassensprecher nämlich auf und sagte, wir mögen nicht, das Sie zwei Schülerinnen – hübsche, aber auch kluge (schon mit leichtem Busen) immer wieder bevorzugen. Er kam zu mir und knallte mir eine Ohrfeige. Ohne Reaktion zu zeigen, ging ich sofort zu unserem Direktor.
Der Lehrer schrie hinter mir, stehen bleiben usw. Riesenwirbel. Denn solch eine Art von mir, das zeigte man damals noch nicht. Zivilcourage kannte, zeigte kaum jemand. Obrigkeitsdenken!
Der Direktor holte diesen Lehrer, Herrn Schweden, in sein Büro. Der Lehrer mußte sich entschuldigen. Somit erging er wohl einer Disziplinarstrafe.
Einfacher wurde es dadurch nicht für mich. Mir war klar, nun mußte ich mehr Leistungen zeigen. Der Typ würde mich hart benoten. Kein Problem.

Sprach ich mit meinen Eltern darüber? Nein. Für mich war das Thema durch.
Typisch Wider, sagte Jahrzehnte später meine immer noch Freundin Schotti,
(Siehe Rubrik Begegnungen) bei meiner Art der Bewältigung von Konfliktfällen:
Sofort klären und dann abhaken. Nie wäre ich nachtragend.

Es gab immer wieder von anderen Lehrern, Ermunterungen, oder Bestätigungen, das ich wohl auf dem richtigen Weg war. Ein an der Schule gefürchteter Lehrer, Gustav Drewes, nahm mich einige Male mit auf Wanderungen in Wuppertal. Dabei seine aufmerksame, lächelnde Ehefrau. Dieser Tage in 2020, habe ich ein Foto entdeckt, als mich auf einer dieser Tagesausflüge, eine Biene stach.
Dieser auch aggressive Lehrer neigte zu spontanen Wutausbrüchen. Mehrmals schmiß er zu nicht aufmerksamen Schülern, schon mal Kreide an deren Köpfe. Einmal warf er sogar ein Tischglocke. Puh! Doch ich mochte ihn.
Diese Erinnerungen bestätigte schriftlich im Januar 2021 Helga Kümpel,
meine ehemalige, und immer noch sehr geschätzte Klassenkameradin.

Mein Gerechtigkeitssinn traf in meinem Leben öfters auf Widerstände.
Das machte mich alles stark. Dazu gehört ein inneres Kraftwerk. Fußballspieler trainieren Torschüsse. Ich trainierte Sätze, Aussagen; Verhalten.

Gerne wiederhole ich auch nach Jahren, Sätze, Aussagen von anderen.
Gehört alles zur Selbstbildung.

Starken Einfluß nahmen auf meine Entwicklung im Kindesalter,
als Heranwachsender, diese Kabarett-TV-Sendungen:

Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Berliner Stachelschweine und das Köm(m)ödchen, Düsseldorf. Zig Jahre später lernte ich die Inhaber Kay&Lore Lorentz als Kunden in Düsseldorf persönlich kennen.
Meine ganze Familie saß immer zusammen, um deren Produktionen zu genießen. Daraus entwickelte sich bei mir eine offene, konstruktiv-kritische, schlagfertige, mehrdeutige Denk- und Redeweise, die für einige wie Verletzungen wirkten? Nee! Scharfe Pointen brachten nervige Typen zum Schweigen. Manche sagten, ich erinnere sie an Karl Lagerfeld. Ach was!
Früher wollte ich sicherlich manchmal Unsicherheiten bei anderen erreichen.
Im Sinne von geistigem Wettkampf. Als Widder läuft man ja bekanntlich sowieso durch Wände!
Es folgte eine differenzierende, ruhigere Ausdrucksweise mit meinem wachsenden Wortschatz und zunehmender Reife.

Mein Geburtshaus in Norderfeld/Flensburg: Der Bauernhof von Onkel Carstensen.
Zweinmal im Jahr war er Richter/Beisitzer am Bundesgericht in Karlsruhe.
Auch während des 2.ten Weltkrieges ging es meiner Familie in Norderfeld nicht schlecht,
wurde mir erzählt. Trotz Nachkriegszeit und sehr vieler Flüchtlinge, die mein Onkel aufnahm.
Meine Erinnerungen als 2/3-jähriger: Ausritt mit meiner Mutter. Wir stürzten und – lachten.
Mit drei Jahren Umzug nach Wuppertal-Vohwinkel. Heimatort meines Vaters. Sehe noch die Abfahrt zum Bahnhof Flensburg, mit seinem schwarzen Nachkriegs-Mercedes. Heute wäre diese Kiste ein „Juwel“. Es gab keinen Kontakt in Wuppertal zu seiner Familie, zu anderen Verwandten.
Meine sportlichen Eltern, Emmi & Otto. Zu der Zeit, als sie an mich dachten. An Nachwuchs.
…das Ergebnis!
Meine Mutter Emmi. Im 21 Jhdt. wieder ein IN-Name! Sie war die jüngste von drei Schwestern.
Die mittlere, Trude, wurde eine unangenehme, bigotte Pfarrerin. Ihr Sohn wurde auch Pfarrer.
Ein verklemmter! Die älteste Schwester meiner Mutter, Minna, lebensfreudig, wurde Haushälterin bei Gustaf Gründgens in Berlin. Meine verständnisvolle Lieblingstante. Leider wurde sie im Alter blind.
Sie kam in ein Altenheim in Bremen. Und – immer hatte sie einen dicken Knüppel unter dem Bett:.
Falls die Nazis kommen, sagte sie.

Mein Vater Otto Blau
war Mitinhaber einer mittelständischen Möbelfabrik in Wuppertal-Vohwinkel, Gruitenerstrasse. Sein Bruder war Mitinhaber und Schreinermeister.
Mein Vater der Geschäftsführer als gelernter Kaufmann. Sie zerstritten sich. Besser, die leider kranke und dadurch schwergewichtige Ehefrau meines Onkels mit meiner Mutter Emmi. Meine Tante war schrecklich eifersüchtig auf meine –
ja, sehr schöne Mutter! Alles wurde verkauft an Firma Fudikar Möbel.


Mein Vater fing ganz unten wieder an – bei den Wuppertaler Bayer-Werken.
Als Pförtner, in einer Nebenstelle in Wuppertal-Sonnborn.
Nach 8 Monaten war er Leiter des gesamten Werkschutzes bei Bayer-Wuppertal. Dazu gehörte: Die Tag- und Nach-Organisation der vielen Werkschutzmitarbeiter. Die Buchführung/Kontrolle der Gehälter. Einstellungen und Entlassungen. Das ganze Programm halt einer nicht unwichtigen Abteilung. An sein großes Büro erinnere ich mich noch. Oft besuchte ich ihn. Bewunderte, wie er Zahlen „malte“. Unvergessen auch sein jahrelanges Training mit mir,
mit Zahlen und Kopfrechnen.
Bekannt war er für seine Charme-Auftritte. Das Entknoten von Problemen. ‚
Das hab ich wohl alles übernommen. Respekt, lieber Vater!
Und das alles ohne Führerschein. Gerne erzähle ich auch noch, das er in der Schule eine Klasse überspringen durfte. Und – das er in Bielefeld mal Stadtmeister im Schach war. Nun ist klar, weswegen ich so blitzwach und analytisch wurde. Haha!

Einen Nagel in die Wand schlagen, das allerdings lag meinem sportlichen Vater nicht. Aber meiner Mutter. Sie war der Anker.
Sie war liberal für die damalige Zeit! Porno-Heftchen unter unseren Kopfkissen wurden übersehen von ihr. Auch warnte sie mich vor ersten Mädchen, das es sich nicht um Liebe handelt, sondern um erste Neugierde und natürliche Entwicklung. Meine Freunde suchten oft ihre Nähe. Aufklärung, Offenheit kannten sie nicht bei sich zuhause.
Apropos Bettenmachen: Nie wurden mir von meiner Mutter die Schuhe geputzt, mein Schrank aufgeräumt. Jeder mußte von uns, in unserem Fachwerkhaus auf dem Land, in Wuppertal-Vohwinkel, im Haushalt helfen. Besonders ich mußte einkaufen gehen, als Kind! Zig Kilometer entfernt. Auch lernte ich Knöpfe annähen, kochen, Dinge reparieren, einen Haushalt führen, Verantwortung zu übernehmen, und, und, und. Ausserdem durften wir uns schmutzig machen beim Spielen, oder beim Obstklauen…Oder wir bauten Baumhäuschen und Erdräume.
Will sagen, das war wohl der Weg zur Selbständigkeit.

Wir waren keine Familie mit Verwandten, Opas und Omas usw.
Es gab überhaupt keinen Kontakt zu denen. Außer zu meiner Oma Wedeleit,
die Mutter meiner Mutter. Sie besuchte uns immer wieder. Schlief bei mir im Bett. Und da meine Hände zwischen meinen Beinen was entdeckten, spielte ich daran rum. Normal. Die Oma aus Ostpreussen sagte: Pul nicht, Siggilein.
Nun, das machte mich erst richtig neugierig. Zeitlebens!

Als ich ca. 14 war, stritten sich meine Eltern oft.
Nun fehlte mir, dem Lieblingssohn, der angenehme Vater, mit seiner „Schulter“,
da er auch oft nicht nach Hause kam.
Das Vertrauen bröckelte, was Ehe-Bindungen angeht. Bis heute.
Siehe Rubrik Begegnungen, unter Frauen – Die Amsterdamerin.
Dann gab es den Vater/Sohn-Konflikt:
Zum ersten Mal, ohne Ankündigung, kam ich nicht nach Hause.

Es war die erste Nacht mit JCB in einem Düsseldorfer Hotel, auf der Oststraße! Am nächsten Tag sprach mich aufgeregt mein Vater an. Ich war ja sein Lieblingssohn, um den er sich Sorgen machte. Da ich keine richtige Antwort gab, nicht geben konnte!, gab er mir eine Ohrfeige. So was war äusserst selten.
Sofort gab ich ihm auch eine. Er war irritiert und weinte. Ich auch.
Das war die Öffnung zum Erwachsenen bei mir. Unser Kontakt blieb ab da ruhig. Seltener gab es ab diesem Zeitpunkt ein Zusammensitzen.
Jeder ging seinen Weg.

Mit 17 Jahren machte ich den Führerschein. Zugelassen wurde er mit 18Jahre. Mein erstes Auto: Ein gebrauchter DKW 1.000S. Tomatenrot mit weissem Dach. Ein schnelles Auto für damalige Zeiten. Damit fuhren meine Eltern und ich noch einige Male zusammen. Doch dann uferte deren Streit zwischen meinen Eltern aus. Mein Vater fand jede Kellnerin sexy. Meine Mutter schäumte. Sie fühlte sich verletzt. Leider wurde sie manchmal sehr laut. Ich schämte mich, auch wegen der Nachbarn. Ich war unglücklich.

Mein Vater zog aus. Eine Scheidung gab es nicht.
Das hat mich alles stark beschäftigt, irritiert. Ich stürzte mich wieder mehr auf Bücher. Und auf Freundschaftspflege. Bis heute. Meine Mutter wollte nun noch mehr Nähe zu mir, dem verständigen Sohn. Leider übertrieb sie. So erzählte sie mir, das ihr Busen schlaffer wurde etc. Nee, das mochte ich nicht. Ich empfahl ihr eine Freundin zu finden, oder einen Freund. Nein, sagte sie. Dann schickte ich sie, der politisch interessierten, zu der Partei „Grauen Panter“ in Wuppertal. Die waren da noch sehr populär, offen für politisch interessierte Frauen. Leider wurde meine Mutter nach Monaten gebeten zu gehen, da sie zu viel Privates loswerden wollte. Traurig. Jahrelang gab ich finanziellen Hilfen. Ich konnte und wollte nicht zuhause bei ihr leben. In Erinnerung war doch ihr Satz: Meine erwachsenen Söhne müßen mit 18 Jahren das Elternhaus verlassen. Was auch bei uns Brüdern geschah. Sie unterstützte uns doch auch dabei! Sie war stolz auf uns.
Damals war mein gleichaltriger Nachbar Knut Seipold eine Stütze für mich.
Viel Zeit verbrachte er mit mir, um mich ausweinen zu lassen, zuzuhören,
Mut zu machen. Das werde ich ihm nie vergessen. Siehe unter Begegnungen,
Seipold, Knut. Ein wunderbarer „Sandkasten- und Fahradfahrenfreund“.
Bis heute haben wir guten Kontakt. Und kräftige Oberschenkel.

Nochmals, es gibt drei Dinge, die man sich nicht aussuchen kann:
Wo man geboren wird, von wem und wann.

Blau – Karriere ohne Abitur. Wegen Geldsorgen. Pech!
Unsere Familienfirma musste ja wegen Streit, verkauft werden. Besitzer waren mein Vater und sein Bruder. Ohne Abitur bin ich in bester Gesellschaft:
Wie u.a. Karl Lagerfeld, Thomas Mann und Gerhard Hauptmann – Nobelpreisträger, Rolf Hochhut, Hermann Hesse, Wilhelm Conrad Röntgen, Joschka Fischer, Klaus-Michael Kühne (Spediteur, 25 Milliarden Umsatz, 85.000 Mitarbeiter), Frank Elster, Iris Berben.
Oder wie einer meiner Lieblinge, Weltstar Anja Silja, Opernsängerin. Blutjunge, 20.jährige Freundin des damals viel älteren, verheirateten Wieland Wagner, 43 Jahre alt, in Bayreuth. Es folgte eine erstaunliche Sängerinnen-Weltkarriere von Anja Silja. Eine „Weltkarriere“ hatte ich allerdings nicht!

Aber ich könnte ein Beispiel sein, das man ohne Abitur sehr wohl Karriere machen kann, liebe junge Leser und Eltern!

Verliebt war ich erstmals mit 17Jahren, in Elisabeth Müller aus Remscheid, Bruderstrasse 60. Das kann ich nicht vergessen! JCB war damals 32, als er mich mit 17 entdeckte, Nähe suchte. Das war gesetzlich verboten! Doch ich wurde neugierig auf diesen, gepflegten, gut aussehenden, ruhigen, eleganten Mann.
Erklären konnte ich mir das nicht. Mir fehlte einiges an Erfahrungen.

Ja, keine Weltkarriere bei mir, aber eine sehr gute Lehre als Maschinenbauer
bei den Wuppertaler Bayer-Werken – mit Auszeichung.
Damals hieß es ja auch noch „Handwerk hat goldenen Boden“!
Dies sagte auch mein Vater zu mir, um mich zu beruhigen, mich zu ermuntern. Ausserdem würde ich meinen Weg gehen, sagte er. Auf dem Land war es ja auch noch selten, fast ein Skandal, wenn man damals studierte. Nun ja! Diese Aussagen dienten wohl meiner Ablenkung.
Als bester Lehrling durfte ich entweder an einen „Gleitsegelfliegen-Kurs“ oder einen „Segelkurs auf der Hanseatischen Yachtschule“ in Glücksburg teilnehmen. Entschieden hatte ich mich für die Yachtschule.
Lehrlings- Delegierter wurde ich von allen Bayer-Lehrlingen in Wuppertal.
Das Gute: Einmal im Jahr wurde ich zur Hauptversammlung aller Bayer-Lehrlings-Deligierten, zur Zentrale nach Leverkusen gefahren. Mit Mercedes-Chauffeur! Das fand ich toll, als junger Bursche. Zeigen durfte ich das nicht. Damals bemerkte ich schon, ich habe ein Umfeld mit Neider und Missgünstigen! Weil es bei mir immer wieder gut lief. Auch meine schnelle Auffassungsgabe und meine „flinke“ Zunge störte so manchen. Zitat vom Bundeswehr-Kompanie-Chef und vom
„Welt am Sonntag“ Journalist Michael Georg Müller, Jahrzehnte später.

Während der Lehre wurde ich Gewerkschaftsmitglied der IG Chemie.
Und dort schnell verantwortlicher Delegierter der Jugend Wuppertal.
Einer der Hauptthemen damals, die Einführung der Mitbestimmung.
Das leuchtete mir ein. Nicht klar kam ich mit der Doppelmoral meiner Gewerkschaft. Auf meine Frage bei einem Kongress, an hochrangige Vorsitzende, warum sind wir nicht Vorbild? Warum führen wir in den Gewerkschaftsbesitzungen wie Konsum, Bank für Gemeinschaft, dort nicht zuerst die Mitbestimmung ein? Darauf bekam ich – keine Antwort.
Ich gab sie mir: Austritt aus der IG Chemie!

Hat jemand mit Abitur mehr Qualität? Sicherlich nicht.
Wundere mich, welch mangelhafte soziale Intelligenz mancher in meiner Umgebung trotz Abi hat. Beleidigungen, Besserwissereien, Arroganz erlebe ich.
Hat diese Art Auftritt mit deren Scheitern zu tun? Möglich.
Spielen Neid und Missgunst eine Rolle? Denkbar.
Vielen Deutschen unterstellt man, sie wären neidisch auf den Erfolg bei anderen.
Zu dumm! Anstatt sich mit zu freuen!!!
Habe ich trotzdem „die Kurve bekommen“? Ja!
Die anderen glaubten, ich hätte Abitur.

Habe ich jemals behauptet, ich habe Abitur? Nein.
Natürlich bildete ich mich immer weiter! Bekanntermassen bin ich ein Vielleser. Was man ja merkt…haha! Lehrgangsteilnehmer bin ich oft gewesen. Weiterbildungswege fand ich immer gut. Bis heute.

Blau als Schauspieler.
Noch keine zwanzig, da sagt ich zu JCB, ich möchte Schauspieler werden.
Seit zig Jahren hatte ich ein Abo – „Theater heute“. Oper kannte ich eher nicht. Schallplatten aus dem Bertelsmann-Leser-Abo, brachten etwas Hör-Nähe.
Mein Interesse galt nur dem Sprech-Theater. Dieses Monatsmagazin verschlang ich! Regisseure wie etwa Peter Zadeck fielen mir angenehm auf. Seine wilden Bremer Inszenierungen sorgten für Mega-Diskussionen. Für Ablehnung und Begeisterung.
Ich war total interessiert, angesteckt worden, so etwas will ich machen. Mitmachen. Als Schauspieler! Die ernüchternde Reaktion von JCB:
Wenn Du daran glaubst, es willst, dann mach es. Doch solltest Du wissen,
das Du eventuell dann in Bielefeld für 600DM spielen wirst. Und JCB schob nach: Wäre es nicht klüger, Du gehst in die Wirtschaft, in den Verkauf?
Dein Typ wird Erfolg haben. Dann bekommst Du mit deinem Einkommen und mit deiner Sprachbegabung Schauspieler und Intendanten in deine Nähe.
Rums. Das saß!
Es folgte der Erfolg in der Wirtschaft. Und so ist es dann auch gekommen,
mit den Nähen dieser „Leutchen“. Es gab viele Kontakte, Freundschaften.
Bis heute. Siehe Rubrik Begegnungen. Aber ich wurde trotzdem ein kleiner Laien-Schauspieler. In Düsseldorf. Über einen VHS-Kursus, Theaterstücke, Lesungen, kam ich zu Mr. Ernest in seine Laienspielergruppe.
Bei zwei Aufführungen wurde ich eingesetzt: In „Publikumsbeschimpfung“
von Peter Handke 1966/67, auf der Prinz-Georg-Strasse, in einem städtischen Gebäude mit Bühne. (Uraufführung war 1966). Und ein anderes Mal spielte ich den russischen Schriftsteller „Joseph Brodsky“. Aufführungen waren in einem Düsseldorfer Altstadt-Saal. Davon habe ich noch Fotos.
Dezember 2020: Gerade entdeckt, Fotos von der Grundschule. Auch dort spielte ich Theater. Süß, ich als verkleideter, verschmutzter Schornsteinfeger! Na bitte!

Blau als Journalist.
Parallel zu meinen Schauspiel-Träumereien, gab es auch noch den Alternativ-Wunsch, Architekt zu werden. Zig Zeichnungen belegen, was ich an Wohnhäusern entworfen hatte. Als Kind!
Doch ein Journalist wollte ich auch werden.
In unserer Familie war es ja ein MUSS, politisches Kabarett zu gucken. Das setzte voraus, wir lasen viel. Nicht nur Bücher, das war normal, sondern auch Zeitungen und Radio hören. Gerät Grundig, mit grünem Auge! So waren wir schon als Kinder immer nahe dran am Zeitgeschehen. Den „Spiegel“ las ich ab dem 15.Lebensjahr. Sammelte alle Magazin jahrelang im Keller. Jedes Jahr über 50 Magazine! Das fand meine Mutter überhaupt nicht lustig!
Noch heute, im Jahr 2020, lese ich jeden morgen die FAZ mit JCB, und den Spiegel als Printausgaben. Alles andere lesen wir auf dem Smartphone oder sehen
ARD & ZDF-Nachrichten. Aber keine „RTL-Blut-News“.
Also, irgendwie packte es mich, das ich auch Journalist werden möchte.
Als JCB das mitbekam, als ich 18/19 Jahre alt war, schleppte er eines Tages einen Stapel Bücher an: Fachliteratur zum Journalismus, Werdegänge, Biografien über bedeutende Journalisten, wie Heinrich Heine, Alfred Kerr, Rudolf Augstein:
Nur so kannst Du verstehen, welche Erwartungen Du haben mußt, an Dich,
sagte JCB. Toll mal wieder von JCB!

Natürlich gab es zwischen JCB und mir einige Male heftige Diskussionen,
über Wirtschaft und Politik. Unvergesslich, eine Rückfahrt von Cannes nach Köln. Keiner sprach ein Wort! Ein gesunder Prozess zur Meinungsbildung, Einschätzung, was geht, sein sollte oder nicht. Nicht zu vergessen: ich war ein Jungspund, hitzig, suchend, auch von der IG Chemie zunächst beeinflußt! Doch erkannte ich mehr und mehr, das es kein Schwarz und Weiss im Leben gibt, sondern der Wille und die demokratische Wegsuche zu Kompromissen und Toleranz.

Blau – Selbstbildung!
Meine Entwicklungen, Ausbildungen, meine Berufswege gingen anders.
Ich wurde ein Experte für mein eigenes Leben. Meine Zuwendungen zu anderen Menschen gab mir Erfolge. Zum Zurechtkommen.
Wer ist Schuld für Missstände? Der andere? Ich?

Nie gab ich aber auf, einen Presseausweis besitzen zu wollen.
Erst auf Mallorca gelang es mir, mit 52 Jahren, dank dem Inselradio von Direktor Daniel Vulic, meinen Entdecker als Kulturredakteur, diesen zu bekommen. Ich verzichtete auf Vergünstigungen. Mir genügte ein Presseausweis!
Meine Güte, wie stolz ich war!
Längst hatte ich ja zig Gastbeiträge in Düsseldorf seit 1978 geschrieben. Etwa in der Rheinischen Post, in der Westdeutschen Zeitung WZ und in anderen Publikationen, bis für die renommierte „Weltkunst“. So wie auch danach auf Mallorca. Siehe Rubriken Presse – Autor Blau.
Befreundet bin ich bis heute, mit vielen Journalisten, Radio – und TV-Profis.
Siehe etwa Rubriken Begegnungen.

Jedenfalls bin ich ein glücklicher, lebensfreudiger, erfolgreicher Bürger geworden. Nehme mich nicht so ernst. Kann mich infrage stellen. Sprache mit Hintersinn finde ich klasse. Schlagfertigkeit liegt mir. Auch Mehrdeutiges. Situationskomik – herrlich.
Moralisierend war ich nie. Das überlasse ich einigen Journalisten oder anderen, die sich erhöhen wollen. Mein analytischer, pragmatischer Menschenverstand und viel Fleiß, flotte Auffassungsgabe brachten mich weiter.

Klar ist, Bildung ist das A und O des Lebens. Das fängt im Kindergarten an.
Eine Weiterbildung hört nie auf. Nie!

Blau & Bücher
Welches Buch beeinflußte mich bis zum 16. Lebensjahr? Die Bibel!
Über meine Oma Wedeleit, die uns ja oft besuchte, lernte ich die Kirchen von innen in Wuppertal-Vohwinkel. Wie auch 33 Kirchenlieder. Keine Übertreibung! Jeden Sonntag ging sie mit mir Vormittags in die Hauptkirche, auf der Gräfrather Strasse. Nachmittags in die Friedhofskappele, bei uns fast um die Ecke. Auf der Ehrenheinstrasse. Aber auch mein Religionslehrer und Konfirmationspfarrer Zapel, begeisterte mich zum Liederlernen.
Doch mit 16 Jahren durchschaute ich, von vielen Zeitung – und Bücher lesen,
das Religion was anderes ist, als die Kirche als Firma, als Machtapparat.
Der Kirchenaustritt folgte. Bereute ich das jemals? Nein. Fühle ich mich im Alter bestätigt? Ja. Siehe auch unter Begegnungen Religion, Ratzingen, Joseph Kontakt.

Welches Buch mich auch stark beschäftigte, als ich unter 20 Jahre alt war:
Vita Violenta, von Pier Paolo Pasolini.

Kein anderer als „mein“ JCB schenkte es mir mit den Worten:
Das war keine gute Idee!
Nun, wer das Buch kennt, wo sehr ausführlich u.a. über die herumlungernden Hetero-Jungs und Männer in Rom erzählt wird, der weiß, versteht JCB.
Er befürchtete, ich könnte so neugierig werden, das mir dieses andere (Sex) Leben gefiel. War es gefährlich für mich? Nein. Wurde ich neugierig? Ja. Hat mich das zum Schlechten verändert? Nee, überhaupt nicht. Mein Polster vom Lesen half mir, nicht wegzurutschen.

Oswald von Nell-Breuning beschäftigte, ja begeisterte mich total!
(1890-1991).
Dieser Jesuit, Nationalökonom, Sozialphilosoph, Erfinder der katholischen Soziallehre, beriet nicht nur den Pappst Pius XI, den Jesuiten und CDU-Spitzenpolitiker Heiner Geißler, sondern auch mich, den kleinen, evangelischen Halbstarken, als ich unter 20 war, haha!
Im Ernst, seine Buchaussagen zündeten bei mir. Alleine schon dieser Satz soll hier genügen: Lohnarbeit und Kapital sind gleichwertig! Er setzte sich stark ein für die Mitbestimmung. Er hatte Rede – und Schreibverbot während des gesamten Nationalsozialismus. Googelst Du.

Meine Bücherliste folgt, teilweise.

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Nach der Bundeswehrzeitsiehe in Rubrik Begegnungen A – K,
„Blau & Bundeswehr“, studierte ich Maschinenbau-Techniker.
Wurde, na klar…haha, Vorsitzender der Studenten-Mitverwaltung.

Meine erste Berufs-Bewerbung mißlang!
Eine pfiffiger Lehrer der Technikerschule in Solingen, gab mir mehr an Wissen, als das, was man /ich erwarten durfte. Er empfahl mir, mich zu bewerben bei der Verpackungsindustrie. Es wäre mit Sicherheit eine Zukunftsindustrie. Womit er recht hatte, wie wir alle heute an den Müllbergen sehen!
Daher bewarb ich mich als Verkaufsassistent, bei 3M-Neuss. Einer der damaligen Marktführer. Es wurde ein Flop!

Nicht weil ich zu wenig wußte, sondern weil ich zeigte, DAS ich was wußte,
so danach der Personalchef: Sie haben sich zu sehr produziert, wollten nicht gut, sondern sehr gut auftreten. Damit ängstigten sie den Verkaufsdirektor. Das wäre so, als würde er seinen baldigen Nachfolger einstellen! Meine Güte, was war ich enttäuscht, erschrocken und – aufgewacht. Nie wieder alles zeigen, was man kann. Sondern die Dinge sich entwickeln lassen. Im Auge, na klar, wann schupse ich mich weiter nach „Oben“.

Anmerkung: Dieser besonders gute, drahtige, auch lustige Lehrer, mein Empfehler, nahm mich mit in den Film: „Zur Sache Schätzchen“. Der war damals in aller Munde. Und wir sahen „12 Uhr Mittags“ zusammen. Das mochte ich natürlich alles! Typisch war das bestimmt nicht für einen Lehrer! Seine Frau lernte ich auch einmal kennen. Und ich bemerkte, sie hatten über mich wohl einiges erzählt.

Es folgte meine Erstanstellung als Angestellter in Wuppertal.
Ernannt wurde ich nach einiger Zeit zum Maschinenbau-Verkaufs-Ingenieur. Mit entsprechenden Visitenkarten. Das gab es damals noch. Da muß wohl einiges mit meiner Arbeit gut gelaufen sein. Es folgte der NRW-Verkaufsleiter, mit Umsatzbeteiligung. Branche Zahnradwerk, Antriebstechnik. Kreativität mag ich. Meine Firma folgte mir, das eine Reklamations- und Serviceabteilung aufgebaut werden soll. Deren Leiter wurde ich.
Da saß ich aber schon längst auf der Etage bei der Geschäftsleitung!

Es erhöhte sich die Anzahl meiner Neider:
Der Inhaber wünschte mehrmals pro Monat meinen Besuch in seinem Chefbüro, am anderen Ende des Ganges.
Unsere Gesprächsthemen: Die Kultur. Vorab seine Anfangsfrage: Wie sieht es mit dem Erfolg in unserer Firma aus? Wie entdeckte er mich als Gesprächspartner?
Über die Sekretärin unseres Geschäftsführers, mit der ich es gut konnte. Sie wiederum hatte einen guten Draht zu der „Boss-Chefsekretärin“. Was hörten beide Sekretärinnen oft von mir? Reiseberichte. Kultur-Infos. Denn, ich war ja gut informiert. Die ständige Mitnahme von JCB zu Kulturereignissen etc. , formten mich! Waren ja die Wegbereiter zur späteren Selbstständigkeit als Kunsthändler. Meine Erfahrungen, mein Wissen hatte ich nicht versteckt, sondern zu kurzweiligen Unterhaltungen angeboten! So öffnete sich die Türe zu dem würdigen, grauhaarigen Boss. Auflage: Wegen seiner teuren Teppiche musste man Filzpantoffeln anziehen. Natürlich wußte er, das ich ein fleißiges Kerlchen war. Erfolgreich war. Reaktionen von Kunden meistens positiv waren. Und da ich gerne ein fairer Teamarbeiter bin, kam auch nix Dummes aus der Belegschaft.
Dann sprach mein Firmen-Inhaber mich irgendwann mal an, ob ich nicht seinen Sohn privat mitnehmen könnte in meine Kreise.
Na klar, das tat ich. Der junge, etwas mollige Sohn, wirkte linkisch. Alleine schon, wie er sich seine blonden Haarstränen aus der Stirn strich, also, das sah nicht sexy aus! Er kam einige Male zu mir, in meine kleine Mansardenwohnung. Dort gab ich oft kleine Essen. Und dann kam dieser Satz von ihm, beim ersten Besuch:
Herr Blau, ich schmiere mir zum ersten Mal auf der Hand, ein Butterbrot!
Er strahlte. Und ich schluckte innerlich. Aber ich wußte längst, wie falsch verwöhnt er war. Dies erzählten mir auch vorher schon, meine zuständigen für „Dorfgespräche“, sprich Tratsch, das Sekretärinnen-Duo! In seinem Elternhaus, eine herrschaftliche Riesen-Villa, gab es Personal. Keine Wärme von seinen Eltern. Kein starkes Nein oder Ja zu ihm. Oft erzieht ja auch die Strasse die Jugend. Auch zum Guten. Doch die Strasse betrat er nie. Der Park des Elternhauses, der war ihm vertraut. Oh Mann!

Gute Umgangsformen bekam ich von zuhause.
Seit meinem 17.Lebensjahr habe ich von JCB zusätzliche Stilthemen, ein geschliffeneres Auftreten angenommen. Wohl damals und heute positiv wirkend. Ob bei Arbeiterkontakten, die ich suchte, gut und erregend fand, oder bei Oberschichten-Typen, die ich auch mochte. So ist dies immer bei mir:
Keine Berührungsängste! Aber gesunde Neugierde.

Kunsthändler Blau:
Meine Leidenschaft für Kunst trieb mich im Alter von 30 Jahren zur Selbständigkeit: Vermittler von Kunst & Kultur, trotz einer recht erfolgreichen, komfortablen Angestellten-Leitungs-Position. Mit guten Verkaufsprovisionen! So konnte ich mit 27 Jahren bereits meine erste Eigentumswohnung im Münsterpark Düsseldorf kaufen. Verkäufer, der Bauherr und Architekt Walter Brune. Dieses Münsterparkprojekt, war sein Durchbruch. Später war er der Bauherr der immer noch renommierten Kö-Galerien.
Und ich konnte mir erlauben, eine Weissgold-Stahl-Rolex. In Zürich auf der Bahnhofstrasse erworben. Seinerzeit war die Bahnhofstrasse noch angesehener als die Kö. Ja, ja, das war damals wichtig für mich. Damals war eine Rolex noch eine Rolex, kein Massenprodukt! Diese Uhr trage ich immer noch. Seit Januar 2020 benutze ich lieber eine AppleWatch, Serie Nr.5:

Stürze ich, habe ich Herzprobleme, dann würde sie, schreibt Apple, einen Notarzt rufen. Meistens! Aha!

Blau & Zukunft.
Bereits mit 20 „schwor“ ich meinem Freund und immer noch Weggefährten & Mentor JCB, das wir Erstens, zusammen Alt werden. Und Zweitens, dass ich mit 30 selbständig sein will. Vorbild, Beispiel war JCB und seine Familie.
Seit über 200 Jahren gab es deren Erfolgsgeschichte. JCB steigerte die positive Firmenentwicklung 40 Jahre lang als Geschäftsführer und Inhaber.
Und außerdem „versprach“ ich JCB: Das ich mit 50 in Barcelona leben würde. Alles ist so gekommen. Wenn auch erst mit 52 Jahren – Mallorca.
Diese so nahe an europäische Hauptstädten gelegene Ganzjahresinsel war richtiger, einfacher statt Barcelona. Eine Empfehlung meines erfahrenen Künstlers Anders Nyborg, Bornheim/Mallorca.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_4915-1-1024x768.jpeg
Westdeutsche Zeitung, offenes Porträt über Siegfried Blau, 19.01.1999. Über 20 Jahre später lese ich es wieder zum ersten Mal, am Rosenmontag, den 24.02.2020. Lese, das ich schon damals erzählte,
nur Grundschule. Und – ich bin erstaunt. Und ja, stolz auf mich!
Meinen Erfolg erkenne ich auch an die Anzahl meiner Neider und Missgünstige…

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Mallorca – Umzug. 1999.
Natürlich lernten der junge Mann an meiner Seite, Theofilos Klonaris und ich, sechs Monaten vorher in Düsseldorf intensiv Spanisch. Das lief so gut, das unsere Lehrerin Maria, uns nach Abschluss auf der Berlitz-School, zum Essen einlud. Und nicht wir sie!

Als wir September 1999 auf Mallorca ankamen, startete dort gerade eine engstirnige Nationalisierungswelle. Man sprach dort – Katalan bzw. Mallorqin! Ein Anfangsschock! Schnell verlor ich leider die spanische Sprachsicherheit. Nicht so Theofilos. Er übte weiter. Halt sein Anspruch.
Große Erwartungen gab es meinerseits aber schon an ihn, da er ja der eigentliche Intellektuelle ist. Er beherrscht Alt- und Neugriechisch, hat französische Kenntnisse, und immer schon sprach und schrieb er fließend richtig gutes Englisch. Seit ihm sage ich nur noch: ich verständige mich auf Englisch!

Fanatisches Nationalzeug:
Siehe noch im Jahr 2020, das große Streitthema Barcelona/Katalonien mit der verfassungsmäßigen, zuständigen Hauptstadt Madrid! Schrecklich diese engstirnige, aggressiven Nationalisten! Diese „Populisten“ gibt es zunehmend überall. Auch in Deutschland. Die Menschen haben Ängste. Stimmt.
Sie glauben, die Globalisierung fege deren regionales Gutes weg.
Dummes Zeug! Pflegt doch das Regionale!

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Gerling, Dr. Hans, Köln (1915-1991).
„Entweder man befindet sich auf der richtigen Seite der Geschichte ,
oder auf der falschen!“ Zitat Hans Gerling.

Hans Gerling, „Freund und Entwicklungshelfer“, geistig, und wirtschaftlich,
dank starker Kunst-Verkäufe an ihn, ab 1978, meinem Kunsthandelstart.
Damals war der Kölner der grösste Industrie-Versicherer der Welt.
10.000 Mitarbeiter. Und halt ein sehr enger Freund von JCB
.
JCB stellte mir Gerling vor. In einem Cafe (Schwarze Katze?) im Kölner Friesenviertel, in „seinem“ monströsen, aber edlen Gerling-Viertel.
JCB: heute Abend stelle ich Dir einen Freund von mir vor, eine bekannte Persönlichkeit vor. Bleib wie Du bist. Das wird er mögen.

Gerling Freundschaftsdauer.
Acht Jahre fuhr ich zu seinem privaten, schlossartigen Herrensitz,
der „Marienburg“, im Kölner Süden. In diesem großen, schönen stattlichen
25-Zimmer-Gebäude, kam es zu Gesprächen, Diskussionen mit Abendessen, einmal pro Woche. Und – zum Musik hören. Ob Pop (gerne die Beatles)
oder Klassiksinfonien. Besonders führte er mich in die Kammermusik ein.
Adresse Parkstrasse 55, Köln-Marienburg.
Den Kasten gibt es immer noch. Siehe Wikipedia.

Gerling & Blau-Rituale.
Fuhr ich durch das große, schmiedeeiserne, schwarze, zweiflügelige Park-Tor, hörte ich über die Aussenlautsprecher, Kammermusik zur Begrüßung.
Etwa das berauschende Werk von Franz Schubert: „Der Tod und das Mädchen“. Mit unfaßbaren Hochtönen, die an die Schmerzgrenze gehen. // Oper lag ihm eher nicht. Er: Zu strukturlos die Handlungen und das „Sänger-Gebrüll“ dazu. //
Treff war immer der moderne, 1969 angebaute, 100 m/2″ große Sommer-Wintergarten. Eingerichtet von Frau Irene Gerling, mit roten und gelben Sesseln. modernen, kleinen Beistelltischen. Ein Sidebord vor Kopf an der Hauswand.
Darin eine Musikanlage, Kühlschrank etc., mit Ablageflächen für die Bewirtung, moderne Malerei und Bücher. Der große Glaskasten war umgeben von vielen blühenden Sträuchern, vielen Rosen. Immer aber gab es freie Sichtachsen, von dem Star-Landschaftsgärtner Roland Weber angelegt. Auch etwa auf der Ebene von Waschmittel-Henkel, Banken, Schlösser, Stadtparks, Konzerne oder auch bei meinem JCB, entwickelte Roland Weber Parkanlagen. Siehe Düsseldorfer Stadt-Museumskatalog 1983, Anhang.
Rechts hinten, im 50.000 m/2 Park, weit weg, hinter Hecken, war die hauseigene Gärtnerei.

Immer begrüßte Gerling mich höflich auf dem Rasen,
vor dem Sommer-Wintergarten. Das setzte voraus, ich war pünktlich. Es wurde erwartet! Mobiltelefone gab es noch nicht. Stau von Düsseldorf nach Köln war möglich. Also fuhr ich rechtzeitig los, na klar! Nie war der Begrüßungsweg in die herrschaftliche Marienburg durch die mächtige, ebenso schwarze, schmiedeeiserne, doppelflügelige, verglaste Haustüre. // Gegessen wurde in der relativ kleinen, rechteckigen Teeküche. Es gab halbe Weinflaschen. Immer, unser Lieblingsgetränk danach, Gin-Tonic. Das livrierte Personal baute vorher alles auf. Nur wenige Male während des Abends, durften sie erscheinen. Über Anruf per Haustelefon. Gerling zeigte mir auch das goldene Essbesteck. Und er fragte, das ich damit hoffentlich nicht essen möchte. So war es. //
Wollten wir mal woanders hinfahren, verabredeten wir uns, vor dem Herrenhaus, ein paar Ecken weiter, in der Germanicusstrasse. So brauchte man sein Personal nicht extra fürs öffnen der Parkanlage bemühen, oder deren Neugierde füttern. //

Bei Gerling begegneten mir auch Künstler, Journalisten, Wirtschaftsleute und Studenten, die wie er und JCB (bis heute), Mitglieder des renommierten Wirtschaftsclub „Copierpresse“ waren, auf der Dürenerstrasse. Gerling gab Spenden. Nahm mich dorthin mit als Gast. JCB spendet heute noch für die Wohnheime der auswärtigen Studenten.

Begegnungen gab es auch mit politischen Entscheidungsträgern. Auch Vorsitzende von Parteien. Sie „baten“ um Spenden. Still durfte ich daneben sitzen und – zuhören, was etwa FDP Walter Scheel, SPD-Ministerpräsident Heinz Kühn und andere von der CDU so vortrugen. Sprich, ich lernte.

Künstler: Sein Lieblingsbild hing in seinem privaten Wohnbereich. Das sollte ich mir ansehen. Picasso, Dali, etc. sah ich. Aber auch was Scheußliches.
Eine kitschige Abendrotlandschaft. Ich war irritiert. Gerling lachte.
Nein, nein, hier geht es nur um Emotionen. Sein Sohn hatte es für ihn im Alter von 12 Jahren als Geschenk gekauft. Im Kaufhof Köln. So etwas imponierte mir. Sohn Rolf Gerling wurde 65 Jahre in 2020. Als er in der Pubertät war, schwamm ich mit ihm im hauseigenen Swimmingpool, im Tiefgeschoß des Herrenhauses.

Gerling & Nachwuchs.
Gerling war bekannt, das er junge Männer förderte, sie gerne um sich herum hatte, wenn sie wach, humorvoll, wissensdurstig, klug und Erfolgsorientiert waren. Mit denen er hart diskutieren konnte. Lieber sprach er auch mit seinem Sohn Rolf. So gut wie nie mit seinen drei Töchtern.
So finanzierte Gerling den Erfinder des flachen rechteckigen Haustürschlüssel mit Vertiefungen etwa. Die ganze Welt benutzt ihn. // Oder er beauftragte den doch noch jungen, gut aussehenden Rechtsanwalt, Dr. Joachim Theye, für seinen Konzern tätig zu sein. 1978 machte er ihn, mit 38 Jahren, zum Aufsichtsrat-Chef seines Welt-Konzern. Darüber wurde geredet, sagt Hans Gerling zu mir. Und – er lächelte dabei. // Gerling behielt Recht. Dieser junge Herr Theye war sehr hart aber eben auch sehr erfolgreich. // Auch für den Film-Mogul Leo Kirch-Streitfall, den Axel-Springer-Konzern, den Lebensmittelgiganten METRO, Bremer Vulkan etc. // Der Bremer Theye wurde leider nur 66 Jahre alt. Er starb 2006 in der Schweiz – natürlich.

Gerling war schon sein eigener Darsteller seines Erfolges, seiner „Größe!
So zeigte er mir mal sein berühmtes Büro in der Gerling-Zentrale, am Gereonshof. Mit seinem Generalschlüssel öffnet er seitlich eine unscheinbare Türe. Und schwupp, tauchte der Sicherheitsdienst auf: Sie kennen mich, fragte Gerling? Drei Schritte Rückwärts gehend entfernte sich der uniformierte Wachmann. //
Gerling öffnete seine sehr hohe Büro-Fügeltüre. Mir verschlug es die Sprache. Ein wirklich riesiger, eleganter, rechteckiger Raum, mit venezianischen Löwen-Skulpturen, einem Riesen-Sidebord, Raumhohe Fenster. Deckenhöhe – 5Etagen hoch war sein Büro-Saal. Und vor Kopf, sein großer, weisser Leder-Schreibtisch. Darauf – nix. Nur eine Telefonanlage. Seinem Schreibtisch gegenüber, an der anderen Stirnseite, eine andere Flügeltüre. Von dort kamen seine Direktoren.
Bis sie den Schreibtisch mit sehr vielen Schritten erreichten, mußten sie den Gerling-Blick aushalten! Also, wenn da einer nicht gut vorbereitet war…brach man wohl innerlich zusammen. Trotz leiser Sprache von Gerling, existierte Druck. //

Meine Rolle für ihn.
Das war (Er)Fragen, die Unterhaltung, Freizeitgestaltung, Kontakte suchen, Musik hören, Meinungen suchen, etwa, was ich von Lebensversicherungen halte. Na klar, es waren immer nur Gedankenaustausche. Seine hochkarätigen Berater, Fach-Direktoren, waren ja im Konzern. Doch bekanntlich ist eine unverfälschte „Laien-Aussage“ manchmal hilfreich, Augen öffnend! Gerling sagte über mich: Mit Blau sich zu treffen, ist immer intensiv!
Ausserdem war ja schon bei der Bundeswehr auffallend, für den Kompaniechef, wie gut und wie gerne ich mich für wirtschaftliche Zusammenhänge, interessiere. Das liegt mir halt!
Bis heute.
Gerling wollte wissen, was ich von Politikern, Wirtschaftsgrößen und anderen Entscheidungsträgern halte. Oder ich organisierte private Kontakte. Etwa empfahl ich ihm Arzt Dr. „Jupp“ Franz-Josef Viehöfer, Goethestrasse, Köln, Marienburg, ein Freund von mir, mit breit gestreuten menschlichen Interessen. Verstorben mit 82 in 2019.
Gerling ging nie in eine Arztpraxis. Er ließ Ärzte nach Hause kommen.
Also, so bin ich ja auch heute noch unterwegs, als „Macher“ mit gesundem Menschenverstand, und rheinischer Offenheit. Darf ich so über mich selber reden? Tue ich einfach. Warum sollte ich auf Beifall jetzt noch in meinem reifen Alter warten…hihi. Es kommt ja keiner!
Ich grinse über meine „Widder-Weisheiten“.

JCB, mein Vermittler, sagte vorher zu mir:
Lass Dich nicht blenden von Gerlings Wirtschafts-Größe, seiner gesellschaftlichen Stellung, seinem Reichtum. Dann gewinnst Du. //
So ist es gekommen. Nie habe ich den Boden unter den Füßen verloren. //
Ja, Gerling gehörte zur Elite. Aber diese Art Persönlichkeiten waren mehr an Büchern, Bildung, Kultur und guter, auch witziger Unterhaltung interessiert,
als an Luxus und Prominenz! //

Ehefrau Irene Gerling.
Eine sehr elegante Dame, berühmt für Ihren wertvollen Schmuck, ihrer Garderobe. Jeden Tag kam ihr Friseur. Irene Gerling tauchte eher selten auf. Nie zum Abendessen. Sie lebte im anderen Teil der Marienburg. Oder sie kümmerte sich um ihre Kölner „Baukunst-Galerie & Design“, am Theodor-Heuss-Ring.
Gibt es 2020 immer noch. So richtete sie etwa das (FDP-) Aussenamt ein. Bei Vernissagen trafen wir dort alle zusammen. Auch mit JCB.

Einmal gab es in Köln einen Oper-Gala-Abend. La Boheme,
mit den Weltstars Mirella Freni & Rugero Raimondi.
Natürlich war alles ausverkauft. Doch JCB und ich waren dabei, in der siebten Reihe sitzend. Gerling ließ die Karten für uns und für sich und seine Frau organisieren. Das Ehepaar saß drei Reihen hinter uns. Seitlich versetzt, sodass wir uns zunicken konnten. Gerling und seine Irene waren großgewachsene Typen.
Er trug auch an diesem Abend, wie immer, ein königsblaues Zweireiher-Jacket, dunkelgraue Flanell-Hosen. Nie trug er einen Smoking, wie ich deswegen auch nicht! Das mochten die anderen Vermögenden in seiner Nähe nicht, sagte er.
Frau Gerling trug große elegante, nicht zu übersehende Ohrringe. Dazu eine entsprechende, große, aber geschmackvolle Halskette. Da ihre gepflegten Haare, immer aus dem Gesicht nach hinten gelegt waren, leuchtete alles. Ein schwarzes enges Kleid stand ihr sehr gut. Darüber einen weisses Bolero-Jäckchen aus – Hermelin! Tja!
Die Blicke und das Getuschele vieler anderer werde ich nicht vergessen.

Gerling und JCB-Spuren:
Auch für mich sind junge, wache Menschen grundsätzlich sehr wichtig.
Sie bringen neue Ideen. Sie sind oft näher oder anders am Zeitgeschehen.
Wie Künstler ja auch oft, ja, irritieren, provozieren. Dinge anders sehen, empfinden. Die Jugend öffnet mich für Neues. Der reife Gerling ließ mich in seine Nähe, jahrelang, wie auch der 15Jahre ältere JCB zeitlebens.
So stand ich also auf der „richtigen Seite des Lebens“.

Gerling & Reisen.
Mehrmals traf ich ihn in München. Wenige Male auch in seinem Bungalow mit Park, am Bodensee. Die ehemalige Flugzeugbauer-Dornier-Villa, mit direktem Zugang zum See, war angenehm wohnlich. Nicht riesig. Alles war in Weiss. Auch die hochflorige Teppich-Auslegeware. Nebenan, ein Bootshaus. Gerling besaß einen Motor-Bootsschein. Er sagte: Drüben ist die Schweizer Seite. Sollte es mal zum harten Sozialismus kommen, fahre ich halt rüber in die Schweiz! Dort besitze ich auch ein Landhaus. Gerling fürchtete immer, es könnte mal so kommen, Enteignungen. Jahre später machte es ja der sozialistische Präsident Mitterand in Frankreich, die Enteignung etwa der Rothschild Bank usw. Furchtbar! Längst wieder korrigiert. Wir besichtigten sein Schweizer Haus. Ein mehrstöckiges Landhaus. Nicht auffällig. Die Lage, wieder mit direktem Bodensee-Zugang.
Daher sind wir mit seinem Motorboot hingefahren.

Gerling & Bodensee-Nachbarin,
die berühmt-berüchtigte Umfragetante, Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann,
die „Pythia vom Bodensee“, Gründerin von Allensbach-Umfragen, schaute schon mal vorbei, zum Tee. Eine aparte, hochgebildete Person. Mit amüsanten Beschreibungen, über Politiker, die ich hier nicht erzählen werde, claro! Gepflegtes, kontrolliertes Aussehen. Immer ihre grauen Haare, streng eingewickelt am Kopf nach hinten befestigt. Als wenn gleich die Tagesschau über sie berichten wollte….
Oft sind Gerling und ich essen gegangen ins Restaurant von Bertold Siber und seinem Freund, in Konstanz. Später wurde Siber eine Adresse auch für Könige und Weltstars. Zitat aus www.ahgz.html vom 31.07.2004.

Gerling & Mein erster Festpiele-Bayreuth-Besuch.
Gerling war ein großer finanzieller Förderer der Festspiele. Dafür durfte seine Frau und er in einer Loge sitzen. Wie alle dort oben in der Logen-Etage, wurden sie von Wolfgang Wagner persönlich zum Platz geleitet. Nun durfte ich Gerlings Karten benutzen. Mit meinem Kumpel Jürgen Kleiber, Geschäftsleitung Wenzel-Lüdecke-Film, Berlin, traten wir auf, ohne Smoking. Das war damals selten. Schon garnicht auf der Etage der Logen!
Wolfgang Wagner sah uns, fragte wer wir sind: Herr Wagner, sagte ich,
herzliche Grüße von Dr. Hans Gerling. Soeben ist er mit dem Hubschrauber aus geschäftlichen Gründen zurück nach Köln geflogen worden.
Da rastete Wagner aus. Sagte, dann hätte ich doch seine Karten jemanden anderen geben können. Ich: Diesen Satz sollten Sie mir, als engster Freund von Hans Gerling, nicht zumuten! Wo sind unsere Plätze, Herr Wagner? //
Später erzählte ich Gerling das verunglückte Auftreten von Wolfgang Wagner:
Er amüsierte sich herzlich darüber. Er mochte missglückte Situationen.
Bei anderen. //

Gerling, Bayreuth. Die Begum mit Freundin.
Kurz vor Opernbeginn, kam DIE Begum. In einem champagnerfarbenen, mehrteiligen Sari. Eine Dame. Weltbekannt, groß gewachsen, schön, Top-Make-Up, toller Schmuck. Lächelnd. Sie gab auch uns die Hand.
Ihre Begleiterin, eine Gräfin. Sie sassen in der Reihe 1. Daneben Franz Josef Strauß mit seinem Stiernacken, stark schwitzend, mit Ehefrau. Wir sassen in Reihe 2 hinter der Begum. // Es gab Parsifal. Sprich, fünf Stunden Konzentration auf schlechten, harten Stühlen sitzend, mit schlechter Luft. Bis heute gibt es kein Airkondition. Albern! //
Parsifal, und das beim ersten Mal für mich in Bayreuth! Diese Wagner-Musik verstand ich damals nicht. Meine Vorbereitung hatte ich wohl eher versäumt. // Interessant, das sich die Begum mit der Gräfin, die Hände hielten und damit rumkrabbelten!!! Nanu, dachte ich….Das erinnerte mich an die Erzählungen von Gerling über Greta Garbo. Sie waren befreundet. Beide besassen in New York im gleichen Hochhaus ein Apartment. Auch Greta Garbo wusste, das ihr Frauenhände gut tun! // Begums Auftritt in Bayreuth – unvergessen, da selbstbewußt, mit großer Ausstrahlung. Die Oberschicht winselte um sie herum. Zur Erinnerung: Ihr Vater war ein Strassenbahnfahrer. Gute Entwicklung von ihr, sozusagen. Meine Mutter strahlte über meine Begegnungen. //

Gerling & Festpiele Bayreuth mit mir.
Im folgen Jahr gab es eine unangenehme Begegnung. Ich entdeckte in der Opernpause eine mir sehr nahe stehende Freundin, Christiane Nagorny.
Mit einem jungen Begleiter. Gerling sah, das ich beide kannte – und er zog mich in eine andere Richtung. Was ist los, fragte ich? Gerling sagte, es gibt den ersten Eindruck. Mir liegt dieser Typ nicht. //
Damit lag Gerling richtig, wie JCB&ich Jahrzehnte später erlebten! //
Die Übernachtungen ließ Gerling organisieren. Na klar. Natürlich waren wir in keiner Pension. Sondern jeder hatte ein Zimmer im schönen Schloß Eremitage. // Nagorny – Siehe unter Rubrik Begegnungen.

Gerling & Herstatt Bank Konkurs. Köln.
Mehrheits-Eigner mit über 80% Hans Gerling. Grösste Bankpleite bis dahin,
in Europa. 26.06.1974:
Vormittags ging ich zu Hans Gerling, in sein Büro auf der Prinz-Regentenstrasse, München. Das Telefon klingelte. Anruf von seinem Direktor Wagner.
Danach sagte Gerling: Siegfried, Du mußt gehen. Morgen liest Du in allen Zeitungen, Medien der Welt, das ich ab sofort viel Arbeit habe.

Gerling drückte mir einen großen DIN A A4-Umschlag in die Hand. In meinem einfachen „Künstler-Hotel“ Deutsche Eiche sah ich, das dort, nun ja, keine „Pfennige“ drin waren!
Und das schenkte er, in seiner sehr, sehr harten, finanziellen Crash-Situation,
wie am nächsten Tag die Welt erfuhr?! Dank und Respekt noch immer, Sir!

Als Kunde/Sponsor blieb er trotz seiner Unternehmerkrise, positiv wirkend. Schließlich verlor er „nur“ 51% seines Weltkonzerns.
Interessant: der Betriebsrat, die Mitarbeiter, standen hinter Gerling. Machten dies deutlich in den Medien. Berichteten über die guten Gehälter, weit über Tarif. Gerling dazu: sie erwirtschaften doch mein gutes Leben!
Auch positiv für die Herstatt-Kunden: 99% der Einlagen wurden Jahre später an die Kunden zurückgezahlt. Gerling selbst ist betrogen worden. Die „Goldenen Jungs der Herstatt-Bank“ mit ihren überdrehten Aktionen, Spekulationen, Devisenhandlungen, brachten den Ruin.

2021, der WDR zeigt einen Spiel-Film zum Thema Herstatt.

Gerling privat.
Statt mit Chauffeur in seinem dunkelbraunen, damals schrecklich großen, kantigen Mercedes 600, fuhr Gerling selber mit seinem dunkelblauen Ford Capri zu privaten Treffen. Sonderanfertigung, u.a. mit extrastarkem Motor, Leder natürlich, Autotelefon usw.
Etwa trafen wir uns in seinem Landhaus, in Immekeppel, im Bergischen Land. Dort, wo seine Familie sich aufhielt während des Krieges. Wo Akten und Aktien und Geld und Schmuck vergraben waren. // Oder er fuhr mit dem unauffälligen Capri zu mir nach Düsseldorf-Derendorf. Dort besaß ich ein kleines, 70 m/2 – Penthaus, mit Kamin und großer 100m/2 Terrasse, auf der 5Etage, im Münsterpark. Es gab, wie immer, Gin-Tonic. // Einmal war der Gordons Gin aus. Schnell besorgte ich unten im Kiosk Gin. Heinrich Drei Gin.
Hans Gerling: Was ist das? Diesen Gin Tonic mag ich nicht. Ich beichtete!
Lachen bei beiden. Gerling konnte gute, witzige, entspannte Reaktionen geben. Das es beruflich oft anders zuging, ist auch klar! Das wußte und las man.
Oder wir fuhren zum Essen, bei immer dem selben guten Italiener „La Capannina“, Frankenstrasse, in der Nähe. Dort sassen wir auf einer kleinen Bank an der Bar. Gerling wollte nie im Mittelpunkt sein. Nie! Dem Restaurantleiter Paulo, gab Gerling immer 50DM Trinkgeld. Egal wie groß die Rechnung war.

Gerling, schon melancholisch , oder wohl manchmal depressiv, kam auch zu mir, um sich vor der Öffentlichkeit, vor der Presse zu verdrücken. Er brauchte halt viel Ruhe zum Nachdenken. Um seine bedrückte Stimmung zu ordnen. Daher hatte er meinen Wohnungsschlüssel. Den nahm er mit ins Grab.
Den Konzern-Teilverkauf an u.a. Friedrich Karl Flick, per Handschlag (!), wurde nach Jahren von Hans Gerling rückgängig gemacht. Wie mit Flick abgemacht: Hans, wenn Du wieder so weit bist, verkaufe ich wieder an Dich. Natürlich gab es auch, weitere, zusätzliche Komponenten, andere Beteiligungen über einen langen Zeitraum.

Gerlings Sohn Rolf,
in Zürich lebend, geschieden von einer Kanadierin, konnte 2019 auf ein bisserl Vermögen gucken. Laut Forbes 2013: schlappe 1,7 Euro-Milliarden. „Nur“ der 52. Reichste in Deutschland.
Was Gerlings Töchter machen, habe ich keine Ahnung.
Eine dramatische Geschichte dazu: Ein Schwiegersohn wurde seinerzeit von Hans Gerling in seinem Konzern, auf einen Direktorenstuhl „gesetzt“.
Diesen Druck hielt er nicht stand. Selbstmord.

Gerling und der türkische Bursche „B„.
Meine Kontaktherstellung. Ein Türke aus Izmir, nicht Türkisch sprechend. In Köln aufgewachsen. Bei Ford am Fließband stehend. Sympathisch. Und – sehr gut aussehend. Mit Dackelblick. Ihn entdeckte ich beim Spazieren am Kölner Militärring, in Kreidestreifenhose. Sein Lächeln – umwerfend. Sein „türkisches“ Kölsch auch. Von mir ein Treffer. Gerling mochte ihn leiden. //
Jahre später bat ich Gerling um eine Reise in die Türkei. Mit dem türkischen Burschen. In Izmir waren wir Gast von seiner Familie. Na klar, mit überschwänglicher Bewirtung. Kaffee gab es keinen. Es herrschte damals dort Knappheit! Die türkische Bewirtungs-Kultur ist klasse. //

Wir trafen uns zu Dritt immer nur in Gerlings Landhaus,
im Bergischen Land, bei Immekeppel.
Gerlings Personal brachte vorher das Essen und frische Blumen. Oder es wurde gerne mit Azaleen dekoriert. Oft wurden dort gemeinsame Spaziergänge gemacht. Es wurde viel geredet. Die Umgebung im Wald war wunderschön. Die ganze Zeit sah ich Hans Gerling mit glühenden „Kinderaugen“. Die beiden gingen ins Haus und ich fuhr zurück nach Düsseldorf.
Gerling hatte auch was Jugendliches, auch albernes. Ungemein gut lachen konnte er, wenn andere dumme Fehler machten. So erlebten Gerling und ich ein Boulevard-Stück im Theater „Komödie“, im Hotel Bayerischer Hof, München. Story: Ein hochrangige Mitarbeiterin eines Konzern erklärt einem wichtigen Kunden, ausholend Dieses und Jenes. Die Mimik des Kunden wirkt immer fragender, die Körpersprache unruhiger. Dann fragt er:
Haben sie eigentlich überhaupt eine Ahnung, um was es geht? Sie sagt – Nein! Gerling lacht als einziger im Theater laut los. Irritation bei allen anderen.
Das fand er halt sehr komisch. Und ich auch. Dann erst begriffen auch die anderen Besucher, wie witzig diese Szene war. //
Trotz seiner schlaksigen Körpergröße wirkte er privat fast, nun ja, jugendlich flott, immer gut riechend ( Lanvin), nie langweilig. Wenn da nicht die gebügelten Blue-Jeans wären…
Statt beruflich wie sonst, mit königsblauem Jackett, trug er in seiner wenigen Freizeit, eine schwarze Lederjacke. Oder eine braune Wildlederjacke.
So eine kaufte er mir auch in München, auf der Brienner Strasse (bei Braun?), gegenüber Cafe Luitpold. Und für seine Frau suchte er ein Hermes-Tuch aus.
Ohne zu bezahlen. Die Rechnungen wurden immer nach Köln geschickt.

Gerling und Blau, als Autohändler!
Der türkische Bursche wollte nach einer gewissen Zeit weg vom Fliessband.
Er wollte eine Herrenbotique. Nicht vorstellbar für Gerling und für mich.
Also überredeten wir ihn, zum Autohandel, seine Fachrichtung halt.
Gegründet wurde, unter meinem Namen, und Gerlings guter Unterstützung,
der Autohandel B&B. (Blau&B). Auf der Kölner Venloerstrasse 362.
Mein/unser Werbespruch: „Bei uns haben nicht nur die Reifen Profil“!
Auch klar: Lange existierte der künstlich am Laufen gehaltene Laden nicht. Weil dem jungen Burschen die Lust ausging….(Noch heute gibt es dort die Wand rechts, verspiegelt. Dies ließ ich einbauen).
Später gab es Treffs auch in einer Mietwohnung, die der junge Mann organisierte, auf der Aachenerstrasse 261. Vorher musste ich für Gerling klären, ob es die richtige Adresse für Begegnungen sei. // Gerling bezahlte die Miete. Zufall: Im Garten hinter dem Mehrfamilienhaus war ein schöner grosser runder Marmor-Brunnen. Den Stil erkannte Gerling: Er lachte. Das Haus gehörte der Gerling-Gesellschaft!
Irgendwann, da war ich schon nicht mehr in Gerlings Nähe, gab es den Kontakt Gerling/Türkenbursche nicht mehr. Das sympathisch schlichte Wald-Landhaus soll danach in Flammen aufgegangen sein…

Gerling, Hans: „Geistkapital“.
Es gab Gespräche mit dem Chefredakteur von Capital, Johannes Groß. (1974-1980. Ab 1980 Herausgeber). Der konservative Gerling akzeptierte meine eher linksliberalen Positionen. Genoss mein Zahlengedächtnis, meine rhetorischen Spitzen gegen träge Entscheidungsträger. Meine positiven Ideen, das nach Vorne blicken. Lösungen immer suchend. Nie aufgeben. Nie die Probleme dr anderen zu seinen eigenen machen. Er nannte mich ein unkonventionelles, geistiges Urgewächs. // Wäre Gerling vielleicht selber ein bisschen gerne so gewesen? War das auch die Basis unserer Freundschaft? Wie auch so bei JCB teilweise?! Sucht man nicht oft bei anderen, was man selber nicht hat? 

Gerling sagte nach Jahren zu mir:
Nicht ich bin der sehr nahe, richtige Freund für Dich, JCB ist es.
Stimmt. Daran hatte ich ja nie gezweifelt!
JCB war und ist mein wichtigster Freund, mein großes Vorbild,
mein emotionaler und intelligenter Ratgeber. Mehr als herausragend.
Gerling war es auch, etwas. Beide prägten mich.

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2019 – Mentor & Weggefährte JCB wurde im November 88 Jahre jung.
Durch ihn wurde ich „Siegfried Blau“. Ihm verdanke ich geistig fast alles.
Auch hörte ich zweimal den klugen Satz als ich 20Jahre alt war:
„SCHAU NICHT SO ZU MEINEM PORSCHE!
DU MUSST SIEGFRIED BLAU WERDEN!“
Mit dieser, seiner Weisheit, die ich befolgte,
hatte ich als junger Mensch prägendes Glück gehabt!

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Schlusssatz:
Seit meiner Kindheit schlug mein Herz für die Kunst. Diese Emotionen wurden nie unterbrochen. So malte ich wie wild Bilder mit Bleistift und Öl, die auch in der Grundschule oft ausgestellt wurden im Forum. Besonders meine Kohle-Porträts begeisterten so einige. Beifall gefiel mir also schon damals…
Selbst JCB ließ ein Bild mit dünner Goldleiste damals rahmen. Dieses Bild hängt bei uns hier im Haus: Emotionen halt.
Bis zum 20.Lebensjahr, bis zur Bundeswehrzeit, die so prägend war für mich, malte ich. Dann wurde ich dort schneller erwachsen.
Mit 12 wurde ich von meiner Mutter ins Theater Wuppertal gebracht. Alleine sah ich dort das Stück, „Minna von Barnhelm“ von Gotthold Ephraim Lessing. Noch heute erinnere ich mich an diese Aufführung, an die Schauspieler. Die Hauptdarstellerin trug in ein braunes Kleid. Und ich ne kurze Hose! Zwar mit Anzugsjacke, aber ohne Revers. Wohl damals modern? Alles beige.
Ich schämte mich. trugen doch alle anderen Kinder und Männer, lange Hosen.

Heute erscheint es mir unglaublich, ja verrückt, das ich den Mut hatte, mit 30 tatsächlich als selbständiger Kunsthändler anzufangen! Trotz meinem guten, erfolgreichen Lauf in der Maschinenbau-Firma.

Warum wollte ich selbständig werden?
Natürlich war mir bekannt, das Galeristen gerne nahe gelassen werden.
Deren Aura zieht oft an. Viele – gute – Türen gehen auf.

Hoffte ich auch, auf ein quicklebendigeres Privatleben? Schnellere Kontakte?
In Erinnerung: Ein Schriftsteller sagte, er schreibe, damit er schneller an Sexabenteuer kommt. Zitat Ende. Bin ich auch so einer – gewesen? Hatte ich deswegen im Lagerraum hinten, eine Couch stehen? Um mich mal auszuruhen? Nee, um eine bequeme Spielwiese zu haben. Übertreibe ich? Nein.


Woher kam soviel Glauben an mich? An das vorher gewachsene Selbstwertgefühl? Weil meine soziale Umgebung so fantastisch war?
Hier denke ich besonders an meinen Lebensfreund und Weggefährten JCB.
War ich tatsächlich so ein fleißiges, wissensdurstiges, lernfähiges Kerlchen? Oder einfach nur clever?
Die Wahrheit liegt wohl wieder mal in der Mitte.

Jedenfalls, großen Dank an alle, die mich förderten und ertrugen.