Grammatikfehler, etc., noch vorhanden.

Über mich.

Seit 2014 bin ich Rentner. Daher erlaube ich mir einen Berufs-Blick auf mich. Rheinisch offen. Es erinnert auch an eine „Der Spiegel“ Sprache. Seit meinem 16. Lebensjahr lese ich ihn. Freunde bedrängten mich dies zu tun, da mir zig „Persönlichkeiten“ begegnet sind, die meine Entwicklung forderten, förderten. Merkwürdigkeiten passierten. Glück wollte ich haben. Doch ich wußte, das geht nur mit Fleiß, Disziplin und Verantwortung.

Siegfried Blau, ehem. Maschinenbau-Verkaufs-Ingenieur, NRW-Verkaufsleiter. Branche Zahnradwerk, Antriebstechnik. Erfinder und Leiter der Reklamationsabteilung. Bis 1978.

Mein Vater Otto Blau war Mitinhaber einer mittelständischen Möbelfabrik in Wuppertal-Vohwinkel, Gruitenerstrasse. Sein Bruder war Mitinhaber und Schreinermeister. Mein Vater der Geschäftsführer als gelernter Kaufmann. Sie zerstritten sich. Besser, die leider kranke und dadurch sehr, sehr schwergewichtige Ehefrau meines Onkels mit meiner Mutter Emmi. Sie war schrecklich eifersüchtig auf meine – ja, sehr schöne Mutter! Alles wurde verkauft an Fa. Fudikar Möbel. // Mein Vater fing ganz unten wieder an – bei den Wuppertaler Bayer-Werken. Als Pförtner, in einer Nebenstelle in Wuppertal-Sonnborn. Nach 8 Monaten war er Leiter des gesamten Werkschutzes in Wuppertal. Respekt, lieber Vater! Und das alles ohne Führerschein. Gerne erzähle ich auch noch, das er in der Schule eine Klasse überspringen durfte. Und – das er in Bielefeld mal Stadtmeister im Schach war. Nun ist klar, das ich deswegen so blitzwach und analytisch wurde. Haha! // Einen Nagel in die Wand schlagen, das allerdings lag meinem sportlichen Vater nicht. Aber meiner Mutter. Sie war der Anker. Sie war liberal für die damalige Zeit! Porno-Heftchen unter unseren Kopfkissen wurden übersehen von ihr. Auch warnte sie mich vor ersten Mädchen, das es sich nicht um Liebe handelt, sondern um erste Neugierde und natürliche Entwicklung. Meine Freunde suchten oft ihre Nähe. Aufklärung, Offenheit kannten sie nicht bei sich zuhause. Als ich 14 war, trennten sich meine Eltern. Nun fehlte mir, dem Lieblingssohn, der Vater, mit seiner „Schulter“! Das hat mich alles stark beschäftigt, irritiert. Ich stürzte mich auf Bücher. Und auf Freundschaftspflege. Bis heute. Damals war mein gleichaltriger Nachbar Knut Seipold eine Stütze für mich. Mein Sandkastenfreund. Bis heute haben wir Kontakt.

Meine Leidenschaft für Kunst trieb mich im Alter von 30 Jahren zur Selbständigkeit: Vermittler von Kunst & Kultur, trotz einer recht erfolgreichen, komfortablen Angestellten-Leitungs-Position. So konnte ich mit 27 Jahren bereits meine erste Eigentumswohnung im Münsterpark Düsseldorf kaufen. Und eine Weissgold-Stahl-Rolex. Ja, ja, das war damals wichtig für mich. Damals war eine Rolex noch eine Rolex, kein Massenprodukt! Diese Uhr trage ich immer noch.

Bereits mit 20 „schwor“ ich meinem Freund und immer noch Weggefährten & Mäzen JCB, dass ich mit 30 (wie er und seine Familie seit über 250Jahren) selbständig sein will. Und das ich mit 50 in Barcelona leben würde. Daraus wurde mit 52 Jahren – Mallorca, was wesentlich richtiger, einfacher war. Eine Empfehlung meines Künstlers Anders Nyborg, Bornheim/Mallorca. Natürlich lernte ich vorher in Düsseldorf Spanisch. Das lief so gut, das mich die Lehrerin zum Abschluss auf der Berlitz-School, zum Essen einlud.// Als ich auf Mallorca ankam, startete dort gerade eine engstirnige Nationalisierungswelle. Man sprach dort – Katalan bzw. Mallorqin! Siehe noch heute das große Streitthema Barcelona/Katalonien mit Madrid!. Schrecklich. Schnell verlor ich leider die spanische Sprachsicherheit.

Dr. Hans Gerling, Köln: „Entwicklungshelfer“, geistig, und wirtschaftlich, dank starker Kunst-Verkäufe an ihn, ab 1978, mein Kunsthandelstart. Damals war er der grösste Industrie-Versicherer der Welt. 10.000 Mitarbeiter. Und halt ein sehr enger Freund von JCB. JCB stellte mir Gerling vor. In einem Cafe im Kölner Friesenviertel, in „seinem“ Gerling-Viertel. Acht Jahre fuhr ich auf seine Marienburg zu Gesprächen, Diskussionen mit Abendessen, einmal pro Woche. Gegessen wurde in der relativ kleinen Teeküche. Das livrierte Personal baute vorher alles auf. Nur wenige Male während des Abends, durften sie erscheinen. Gerling zeigte mir auch das goldene Essbesteck. Und er fragte, das ich damit hoffentlich nicht essen möchte. So war es. Dort begegneten mir auch Künstler, Journalisten, Wirtschaftstleute. Und politische Entscheidungsträger. Sie „baten“ um Spenden. Still durfte ich daneben sitzen und – zuhören. Sprich lernen. Künstler: Sein Lieblingsbild hing in seinem privaten Büro. Das sollte ich mir ansehen. Picasso, Dali, etc. sah ich. Aber auch was Scheußliches. Eine kitschige Abendrotlandschaft. Ich war irritiert. Gerling lachte. Nein, nein, hier geht es nur um Emotionen. Sein Sohn hatte es für ihn im Alter von ca. 12 Jahren als Geschenk für ihn gekauft. Im Kaufhof Köln. So etwas imponierte mir. Rolf Gerling wurde 65 Jahre 2020.

Hans Gerling war bekannt, das er junge Männer förderte, sie gerne um sich herum hatte, wenn sie wach, humorvoll und wissensdurstig und klug waren. Mit denen er hart diskutieren konnte. So finanzierte er den Erfinder des flachen Haustürschlüssel etwa. Den hat die ganze Welt nunmehr. Meine Rolle für ihn war das Fragen, die Unterhaltung, Freizeitgestaltung, das organisieren von Kontakten. So bin ich ja auch heute noch. JCB, mein Vermittler zu ihm, sagte: „Lass Dich nicht blenden von seiner Wirtschafts-Größe, seiner gesellschaftlichen Stellung, seinem Reichtum. Dann gewinnst Du“. So ist es gekommen. Nie habe ich den Boden unter den Füßen verloren. Seine sehr elegante Ehefrau Irene Gerling, berühmt für Ihren wertvollen Schmuck, ihrer Garderobe, jeden Tag kam ihr Friseur, tauchte eher selten auf. Nie zum Abendessen. Sie lebte im anderen Teil der Marienburg. Oder sie kümmerte sich um ihre Kölner „Baukunst-Galerie & Design“, am Theodor-Heuss-Ring. So richtete sie etwa das Aussenamt ein. Bei Vernissagen trafen wir dort alle zusammen. Auch mit JCB.

Hans Gerling traf ich mehrmals in München. Wenige Male auch in seinem Bungalow mit Park, am Bodensee. Die ehemalige (Flugzeugbauer) einstöckige Dornier-Villa, mit direktem Zugang zum See, war angenehm wohnlich. Alles in Weiss. Auch die hochflorige Teppich-Auslegeware. Nebenan, ein Bootshaus. Gerling hatte einen Motor-Bootsschein. Er sagte: „Drüben ist die Schweizer Seite. Sollte es mal zum harten Sozialismus kommen, fahre ich halt rüber in die Schweiz!“ Gerling hatte immer die Befürchtung, es könnte mal so kommen. Er befürchtete Enteignung. So wie es Jahre später der sozialistische Präsident Mitterand in Frankreich machte, oder die Nazis, mit der Enteignung der Rothschild Bank u.a.

Gerlings Bodensee-Nachbarin, die berühmt-berüchtigte Umfragetante, Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann, die „Pythia vom Bodensee“, Gründerin von Allensbach-Umfragen, schaute schon mal vorbei, zum Tee. Eine aparte, hochgebildete Person. Mit amüsanten Beschreibungen, über Politiker, die ich hier nicht erzählen werde, claro! // Oft sind Gerling und ich essen gegangen ins Restaurant von Bertold Siber und seinem Freund, in Konstanz. Später wurde Siber eine Adresse auch für Könige und Weltstars. Siehe www.ahgz.html vom 31.07.2004.

Gerling & Mein erster Bayreuth-Besuch. Gerling war ein großer finanzieller Förderer der Festspiele. Dafür durfte seine Frau und er in der Loge sitzen. Wie alle dort „oben in der Logen-Etage“, wurden sie von Wolfgang Wagner persönlich zum Platz geleitet. // Nun durfte ich Gerlings Karten benutzen. Mit meinem Kumpel Jürgen Kleiber, Geschäftsleitung Wenzel-Lüdecke-Film, Berlin, traten wir auf, ohne Smoking. Das war damals selten. Schon garnicht auf der Etage der Logen! Wolfgang Wagner sah uns, fragte wer wir sind: Herr Wagner, sagte ich, herzliche Grüße von Dr. Hans Gerling. Soeben ist er mit dem Hubschrauber aus geschäftlichen Gründen zurück nach Köln geflogen worden. Da rastete Wagner aus. Sagte, dann hätte ich doch seine Karten jemanden anderen geben können. Ich: Diesen Satz sollten Sie mir, als engster Freund von Hans Gerling, nicht zumuten! Wo sind unsere Plätze, Herr Wagner? // Kurz vor Opernbeginn, kam DIE Begum. In einem champagnerfarbenen Sari. Eine Dame, weltbekannt, groß gewachsen, schön, Top-Make-Up, toller Schmuck. Lächelnd. Sie gab auch uns die Hand. Ihre Begleiterin, eine Gräfin, und sie sassen in Reihe 1. Daneben Franz Josef Strauß mit Ehefrau, mit seinem Stiernacken, stark schwitzend. Wir sassen in Reihe 2 dahinter. Es gab Parsifal. Sprich, fünf Stunden Konzentration auf schlechten, harten Stühlen sitzend. Und das beim ersten Mal für mich in Bayreuth! Diese Wagner-Musik verstand ich damals nicht. Meine Vorbereitung hatte ich eher versäumt. // Interessant, das sich die Begum mit der Gräfin, die Hände hielten und damit rumkrabbelten!!! Nanu, dachte ich….Das erinnerte mich an die Erzählungen von Gerling über Greta Garbo. Sie waren befreundet. Beide besassen in New York im gleichen Hochhaus ein Apartment. Auch Greta Garbo wusste, das ihr Frauenhände gut taten! // Zurück. Begums Auftritt in Bayreuth. Unvergessen selbstbewußt. Auch in Erinnerung, das ihr Vater ein Strassenbahnfahrer war. Gute Entwicklung von ihr, sozusagen. Meine Mutter strahlte über diese Begegnung. // Nicht gestrahlt hatte bei einem anderen Bayreuth-Besuch, diesmal mit Hans Gerling, ein heute noch enger Kölner Freund von mir, mit seiner Kölner Freundin Christiane Nagorny, die auch von JC und mir , viel länger schon, eine sehr nahe Freundin war. Damals fing seine Regisseur-Karriere an. Wir entdeckten uns in der Pause in Bayreuth. Gerling merkte, das wir uns kannten und – er zog mich weg. Die Begrüßung mit diesen beiden ging daneben. Noch Jahrzehnte später schmiert mir der mittlerweile sehr erfolgreiche TV-Regisseur K.H., , Grimme-Preisträger, diese mir unangenehme Nummer aufs Butterbrot. Wenn auch lächelnd frotzelnd. Seinen Namen darf ich nicht ausschreiben. Lächerlich. Als wenn sein guter Name irgendwie mir was bringen könnte. Es gab doch ganz andere Kaliber an großen, weltläufigen Persönlichkeiten in meiner Nähe, zeitlebens! Siehe hier meine www.gallery-blau.com. // Die Bayreuth-Übernachtungen ließ Gerling organisieren. Natürlich. Keine Pension, claro. Sondern jeder hatte ein Zimmer im Schloß Eremitage. Wunderbar!

Herstatt Bank Konkurs. Mehrheits-Eigner: Hans Gerling. Grösste Bankpleite bis dahin, in Europa. 26.06.1974. Vormittags ging ich zu Hans Gerling, in sein Büro auf der Prinz-Regentenstrasse, München. Das Telefon klingelte. Anruf von seinem Direktor Wagner. Danach sagte Gerling: „Siegfried, Du mußt gehen. Morgen liest Du in allen Zeitungen, Medien der Welt, das ich ab sofort viel Arbeit habe“. Gerling drückte mir einen Umschlag in die Hand. In meinem Hotel Deutsche Eiche sah ich, das dort, nun ja, wesentlich mehr „Pfennige“ drin waren, als man für eine Woche München benötigt! Und das in seiner sehr, sehr harten, finanziellen Crash-Situation, wie am nächsten Tag die Welt erfuhr! Dank und Respekt noch immer, Sir! Als Kunde/Sponsor blieb er trotz seiner Unternehmerkrise, positiv wirkend. Schließlich verlor er „nur“ 51% seines Weltkonzerns. Interessant: der Betriebsrat, die Mitarbeiter, standen hinter Gerling. Machten dies deutlich in den Medien. Berichteten über die guten Gehälter, weit über Tarif. Gerling dazu: sie erwirtschaften doch mein gutes Leben! Auch positiv für die Herstatt-Kunden: 99% der Einlagen wurden Jahre später an die Kunden zurückgezahlt. // Statt mit Chauffeur in seinem dunkelbraunen, damals schrecklich großen, kantigen Mercedes 600, fuhr Gerling selber mit seinem dunkelblauen Ford Capri (Sonderanfertigung, u.a. mit extrastarkem Motor, Leder natürlich, Autotelefon usw.) zu privaten Treffen. Etwa in sein Landhaus, im Bergischen Land. Dort wo seine Familie sich aufhielt während des Krieges. Wo Akten und Aktien und Geld&Schmuck vergraben waren. // Oder er fuhr mit dem bescheidenen Capri zu mir nach Düsseldorf-Derendorf. In mein kleines Penthaus mit großer 100m/2 Terrasse, 5Etage, im Münsterpark. Nicht nur zum Gin-Tonic, oder zum Essen, bei immer dem selben guten Italiener „La Capannina“, Frankenstrasse, in der Nähe. Dort sassen wir auf einer kleinen Bank, an der Bar. Gerling wollte nie im Mittelpunkt sein. Nie! Dem Restaurantleiter Paulo, gab Gerling immer 50DM Trinkgeld. Egal wie groß die Rechnung war. // Nein, Gerling, der Melanchoniker, kam auch zu mir, um sich vor der Presse zu verdrücken. Er brauchte halt viel Ruhe zum Nachdenken. Um seine bedrückte Stimmung zu lenken. Daher hatte er einen Wohnungsschlüssel. Den nahm er mit ins Grab. // Den Konzern-Teilverkauf an Friedrich Karl Flick, per Handschlag (!), wurde nach Jahren von Hans Gerling rückgängig gemacht. Wie mit Flick abgemacht: „Hans, wenn Du wieder so weit bist, verkaufe ich wieder an Dich“. // Gerlings Sohn Rolf, in Zürich lebend, geschieden, konnte 2019 auf ein bisserl Vermögen gucken. Laut Forbes: 1,4 Milliarden. Was Gerlings Töchter machen, habe ich keine Ahnung. Eine dramatische Geschichte dazu: Ein Schwiegersohn wurde seinerzeit von Gerling in seinem Konzern, auf einen Direktorenstuhl „gesetzt“. Diesen Druck hielt er nicht stand. Selbstmord.

Kontaktherstellung mit einem türkischen Burschen zu Gerling. (Namen nenne ich nicht). Türke aus Izmir, nicht Türkisch sprechend. In Köln aufgewachsen. Bei Ford am Fließband stehend. Sympathisch. Und – sehr gut aussehend. Ihn entdeckte ich beim Spazieren am Militärring, in Kreidestreifenhose. Sein Lächeln – umwerfend. Sein „türkisches“ Kölsch auch. Von mir ein Treffer. Gerling mochte ihn leiden. // Später mal bat ich um eine Reise in die Türkei. Mit dem türkischen Burschen. In Izmir waren wir Gast von seiner Familie. Na klar, mit überschwänglicher Bewirtung. Kaffee gab es keinen. Es herrschte überall dort Knappheit! Die türkische Bewirtungs-Kultur ist klasse. // Wir trafen uns zu Dritt immer in seinem Landhaus, im Bergischen Land, bei Immekeppel. Gerlings Personal hatte vorher das Essen gebracht und frische Blumen. Oder es wurde gerne mit Azaleen dekoriert. Oft wurden dort gemeinsame Spaziergänge gemacht. Dabei wurde viel geredet. Die Umgebung im Wald war wunderschön. Die ganze Zeit sah ich Hans Gerling mit glühenden „Kinderaugen“. Er hatte was Jugendliches, auch albernes. Ungemein gut lachen konnte er, wenn andere dumme Fehler machten. Trotz seiner schlaksigen Körpergröße wirkte er jugendlich flott, nie langweilig, wenn da nicht die gebügelten Blue-Jeans wären… Die beiden gingen ins Haus und ich fuhr zurück nach Düsseldorf. // Der türkische Bursche wollte nach einer gewissen Zeit weg vom Fliessband. Er wollte eine Herrenbotique. Nicht vorstellbar für Gerling und für mich. Also überredeten wir ihn, zum Autohandel, seine Fachrichtung halt. Gegründet wurde, unter meinem Namen, und Gerlings guter Unterstützung, der Autohandel B&B. Auf der Venloerstrasse 263? Mein/unser Werbespruch: „Bei uns haben nicht nur die Reifen Profil“! Auch klar: Lange existierte der künstlich am Laufen gehaltene Laden nicht. Weil dem jungen Burschen die Lust ausging….(Noch heute gibt es dort die Wand rechts, verspiegelt). // Später gab es Treffs auch in einer Mietwohnung, die der junge Mann organisierte, auf der Aachenerstrasse. Vorher musste ich klären für Gerling, ob es das richtige „Nest“ für Treffs sei. Gerling bezahlte die Miete. Zufall: Im Garten hinter dem Mehrfamilienhaus war ein schöner grosser runder Marmor-Brunnen. Den Stil erkannte Gerling: Er lachte. Das Haus gehörte der Gerling-Gesellschaft! // Irgendwann, da war ich schon nicht mehr in deren Nähe, gab es den Kontakt Gerling/Türkenbursche nicht mehr. Das sympathisch schlichte Wald-Landhaus soll danach in Flammen aufgegangen sein.

Hans Gerling: Geistkapital. Es gab Gespräche mit dem Chefredakteur von Capital, Johannes Groß. (1974-1980. Ab 1980 Herausgeber). Der konservative Gerling akzeptierte meine eher linksliberalen Positionen. Genoss mein Zahlengedächtnis, meine rhetorischen Spitzen gegen träge Entscheidungsträger. Er nannte mich ein unkonventionelles, geistiges Urgewächs. Wäre Gerling vielleicht selber ein bisschen gerne so gewesen? War das auch die Basis unserer Freundschaft? Wie auch so bei JCB teilweise?! Sucht man nicht oft was bei anderen, was man selber nicht hat? Jedenfalls sagte Gerling nach Jahren zu mir: Nicht ich bin der richtige Freund für Dich, JCB ist es. Stimmt! Daran hatte ich ja nie gezweifelt. JCB war und ist mein wichtigster Freund, mein großes Vorbild, mein emotionaler und intelligenter Ratgeber. Mehr als herausragend. Gerling war es auch. Etwas.


2019 – JCB wurde im November 88 Jahre jung. Durch ihn wurde ich „Siegfried Blau“. Ihm verdanke ich geistig fast alles. Auch hörte ich zweimal den klugen Satz als ich 20Jahre alt war: „SCHAU NICHT SO NACH MEINEM PORSCHE! DU MUSST SIEGFRIED BLAU WERDEN!“ Mit dieser, seiner Weisheit, die ich befolgte, hatte ich als junger Mensch Glück gehabt!


Berufsweg als Selbständiger:

1978 Gründungsjahr Kunsthandel Blau, mit Antiquitäten und gleichzeitig „Moderne Kunst“ – Avantgarde nach 1945.
Schwerpunkt deutsche und international bekannte Künstler, auch Nachwuchskünstler aus Nordrhein-Westfalen. Moralische Stütze und Hilfe als Verkäuferin, na klar: meine Mutter. Somit kam es auch weiterhin zu vielen Reisen. Auch als Begleiter von JCB ins Ausland, privat oder geschäftlich, immer, immer wieder. Das hieß für mich, während JCB Geschäftsgespräche tagsüber hatte: Rein in die Museen, zu Fuß die Städte erforschen, so wie es meine Eltern schon für mich organisierten. Etwa war ich, immer per Bustour – alleine, vorne beim Fahrer sitzend, mit 12 in Venedig, Tirol. Mit 16 in Warschau, in Dänemark, in Schweden, auf der hanseatischen Yachtschule in Glücksburg. Abschluss: zweiter Preis im Dingi. Der damalige Direktor war der Navigator auf der schönen, dunkelgrünen „Krupp-Hochsee-Segel-Yacht“. Zufällig lag sie dort vor Anker. Dann ging es halt weiter so mit den Touren mit JCB. Bis heute 2020.

1978 Der Gewinn bei meinem Verkauf meiner Eigentumswohnung im Münsterpark, Derendorf, ermöglichte den Start. Sofort kaufte ich eine neue. Deren Verkaufsgewinn erleichterte mir zusätzlich den Umzug nach Palma de Mallorca 1999.

1984 Joseph Beuys Erste, bedeutende Ausstellung der Galerie Blau.
Dank Kontakt zu Beuys. Erster kleiner Presseberichte. Im Express, mit Foto.

Es folgten eher unbedeutende Präsentationen. Ausserdem gab es viele Kultur-Reisen mit JCB. Nun ja, das blieb auch so. Das begann ja schon, als ich 17Jahre alt war und JCB, 32. Nach und nach wurde ich zum Galeristen. Dank lesen, lesen lesen, Galerien und Museums-Besuchen, Gespräche mit JCB, Sammlern, Kulturwissenden.

1989 Beginn Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Galerien BVDG. Mitglied im Ausschuss „Neue Medien.“

1995 Ausstellungsbeginn mit Kuratoren, & Schirmherrschaften. Kulturverantwortliche als Redner, da kostenlos. Dies war eine clevere unternehmerische Entscheidung. Viel mehr m Medien berichteten über meine Ausstellungen! Sehr viel mehr Gäste kamen. Siehe Dokumentation Pressebeiträge in vier Aktenordner.

1997 Prof. Dr. Raimund Stecker, Direktor Kunstverein Düsseldorf, empfiehlt die Galerie Blau in einem Rundschreiben an die über 3.000 Mitglieder.

1998 Prof. Dr. Armin Zweite, Direktor Kunstsammlung NRW, schreibt einen Glückwunsch zur Helmuth Pfeuffer-Ausstellung und gratuliert zu der Entwicklung der Galerie Blau.

1999 – 19. Juni. Prof. Heinz Kalenborn, Kulturausschuss Rat der Stadt Düsseldorf:
„Blau ist der Schmela der 90er Jahre
“. ( Na bitte!)

1999 Januar Galeriepartnerschaft mit Theofilos Klonaris. Nach sechs Monaten inoffizieller Mitarbeit. Ehemaliger Mitarbeiter und Freund von Prof. Dr. David Galloway, „Kulturpapst„. Berühmt geworden als Einkäufer für das Modern Art Museum, Teheran, der Farah Pahlavi Diba. Ehefrau des Schah von Persien. Noch heute sind Bilder in Holzkisten verpackt. Immerhin nicht zerstört! Der Sturz des Schahs unterbrach den Sammlungs-Aufbau.

1999 September: Umzug Düsseldorf – nach Palma de Mallorca

2003 – 25 Jahre Galerie Blau – Selbstgespräch Siegfried Blau:

Meine Leidenschaft für die Kunst, das Entdecken, das Fördern, das Reisen, das Lesen, haben mich zum Kunsthändler werden lassen. Und meine gute soziale Umgebung – zugegeben.
Immer mit dem Suchen, mit Bewegung beschäftigt. Vorrangig interessiert mich auch die Bewegung in der Malerei. Kein statischer Aufbau, obwohl ich als ehemaliger Maschinebau-Ingenieur sehr wohl auch diese Zeichen lesen kann. Anfangs hingen zeitgenössische Bilder über „englische Kommoden“. Ein „Salon“ des 20. Jahrhundert? Wohl daher wurden Lesungen und Bücher, Musik und Tanz, vorgestellt. Wunsch und Ziel war und ist es, ein guter Galerist zu sein. Gut meint Arbeiten bzw. Künstler zu finden, die eins immer wollen: Qualität. Dies ist meistens gelungen. Vorbilder sind Alfred Schmela und das Denken eines Kunsthändlers wie Heinz Berggruen. Mir ist das nächtliche Aufwachen, wegen existentieller Sorgen ebenso bekannt, wie der Tiefschlaf. Den gab es meistens.

2004 – Ein Schicksalsjahr. Mit Wendungen. Privat und Beruflich.

2004 – Beendigung der Galeriepartnerschaft mit Klonaris. Wir bleiben enge Weggefährten.

2004 – Mai, bis Ende 2005, Theofilos Klonaris wird künstlerischer Direktor der neu gegründeten Galerie „Art Forum Palma de Mallorca“. Besitzer war ein guter Kunde meiner Galerie. In dieser vorher vertraglich festgelegten kurzen Zeit, gelingt ihm der internationale Durchbruch. Und danach seine Selbständigkeit als Galerist. www.klonaris-fine-art.com

2004 – Juni. Frontalzusammenstoß mit meinem Mercedes auf Mallorca!! Ich lebe! Das Auto – Totalschaden. Das veränderte mein Leben. Eine Studentin bekannte sich als Verursacherin, schuldig. Presse Mallorca Zeitung vom 15.07.2004. Foto Blau mit Halskrause. Titel: „Glück im Unglück“. Mallorca Magazin 16.07.2004, dto. Express Düsseldorf 15.07.2004.

2004 – Vermieter-Forderung, Mieterhöhung 33%! Der fünf Jahres-Mietvertrag ist zu Ende. Nee, so eine unverschämte Erhöhung?! Das wollte ich nun nicht mehr. Die Sinnsuche begann, was will ich!

2004 – 2014 selbst. Kultur-Redakteur, Inselradio Mallorca: Jeden Freitag, ein Beitrag. Titel „Blau – Kunst&Kultur“. Bis ca. 2.Millionen Hörer über Astra. Mich dort wirken zu lasen, ist eine Idee von Direktor Daniel Vulic. Mit der Redaktionsleiterin Katrin Wagenaar wurden mehr als 300 Sendungen produziert.

2005  – „Intime Ausstellungen“ in meiner Penthouse-Terrassen-Wohnung, Palma.
Gezielt arbeite ich als Kurator, Ausstellungsmacher, Berater. Vermittle Kunst & Künstler. Hinter den Kulisse. Bis nach Düsseldorf. Siehe etwa Ausstellungen bei Galerie Niepel bei Morawitz.

2005 – Februar bis Juni 2014 Berufswechsel: Nun bin ich selbständiger Kundenberater bei dem spanischen Verlag EPI – Editorial Prensa Iberíca. Dank Empfehlung von Wolfgang Schönborn, Chefredakteur der Mallorca Zeitung & Costa Blanca Rundschau. Deren Verlag gibt 18 Publikationen heraus. Zuständig bin ich besonders für die wöchentlich erscheinende Mallorca Zeitung. Sie ist die führende deutsprachige Zeitung auf den Balearen. Marktanteil ca. 65%. Außerdem arbeite ich für die relativ neue, deutschsprachige Wochenzeitung Costa Blanca Rundschau, ebenso für die spanische Tageszeitung Diario de Mallorca und deren Jahresmagazin „Mallorca-Touristik Information“. Gerade wegen meines Alters und meiner Erfahrungen, habe ich diese Vereinbarung erhalten. Zwei wesentlich jüngere Mitbewerber wurden nicht akzeptiert. Vorstellungsgespräch war – auf Spanisch. Meine Aufgabe: Umsatzverbesserungen für meine Kunden. Organisationen von Foren, Veranstaltungen etc.

2010 – Februar, Düsseldorf-Besuch. Wolfgang Kamper, 80 Jahre jung, ehemal. Vorsitzender des Kulturausschusses der Landeshauptstadt Düsseldorf, treffe ich auf der Hohe Strasse in der Carlstadt: „Herr Blau, Sie haben eine Lücke hinterlassen!“ (Wegen Umzug nach Palma 1999)

2014 Mallorca Zeitung: Nach 9 Jahren beende ich meine selbständige Kundenberatertätigkeit, Werbeverkäufer, Unternehmensberater, auch als bester Neuvertragsverkäufer. Über 500 Verträge pro Jahr. Rekord in diesem Medienhaus, sagte die Geschäftsleitung. Geschenk – 6 Flaschen Wein…….. Es war eine gute, eine recht erfolgreiche Zeit. Arbeit war immer wichtig für mich. Daher meine Lebensfreude!

2014 August. Offizieller Umzug zu meinem jahrzehntelangen Weggefährten JCB. Nie hatten wir uns aus den Augen verloren. Immer besassen wir die Wohnungsschlüssel des anderen. Jede Woche wurde oft telefoniert. Über Jahrzehnte! Unser Thema nun: „Wir passen aufeinander auf“. Mein Atico, eine kleine Penthouse-Terrassenwohnung in Palma, habe ich behalten. Meine neue Aufgabe/Arbeit: 24h Aufmerksamkeit für JCB. Beide sind wir seit Jahren alleine, ohne Beziehungen. Was für eine gute, befriedigende Aufgabe. Auch wenn es einen starken Einschnitt in meinem Leben bedeutet. Dafür nahmen die internationalen Konzert- und Opernbesuche und Reisen, zu. Wie auch mein Gewicht. Kein Wunder, gehen wir doch fast jeden Abend in ein Restaurant. Außer Sonntagabend und bei Champion League-Spielen, die ich sehen möchte. Nun kann ich aber zurückgeben, was ich – blond und jung, mit JCB erlebt, von ihm gelernt habe. Es gibt keinen Dank, heißt es? Doch!!!